Rangnick-Mentor Helmut Groß

„Ich brauche kein Geld, ...”: Diesen Spruch brachte Mateschitz bei Spielerverkäufen

Von ukr Aktualisiert: 26.01.2022, 17:17
Freund und Lehrmeister von Ralf Rangnick: Helmut Groß.
Freund und Lehrmeister von Ralf Rangnick: Helmut Groß. (imago/Sportfoto Rudel)

Der Brückenbauingenieur Helmut Groß ist der Urvater der Spielidee von Ralf Rangnick, RB Leipzig und den Red-Bull-Klubs. Im Interview mit 11Freunde (Print) berichtet der 75-Jährige, der beim SC Geislingen kickte und trainierte und ab 2008 Ralf Rangnick hauptberuflich beriet, auch viele interessante Details aus seiner Arbeit für RB Leipzig und Red Bull Salzburg.  

Helmut Groß: Red-Bull-Trainer „konnten es auch anders machen, aber ...”

Groß erzählt, dass die Red-Bull-Trainer wie Roger Schmidt, Alexander Zorniger, Marco Rose, Oliver Glasner und Ralph Hasenhüttl zwar angehalten waren, in der Groß-/Rangnick-Philosophie zu arbeiten und den Pressing-Gegenpressing-Umschaltfußball zu lehren. Doch er betont: „Sie konnten es auch anders machen, mussten dann aber mindestens so erfolgreich sein, wie wir es erwartet hätten. Einige haben 80 oder 90 Prozent der Vorgaben umgesetzt, andere nur das rausgepickt, was ihnen vorteilhaft vorkam.”

Roger Schmidt etwa habe im ersten Jahr in Salzburg kein gesteigertes Interesse auf die Tipps von Groß gelegt, habe dann aber in derzweiten Saison gesagt: „Okay, ich mache das, versuche es aber noch zu verbessern.”

Über seine Rolle als Rangnicks engster Vertrauter sagt Groß: „Es war ein bisschen so, als ob einem der Ausbilder später im Job über die Schulter schaut. Er hat gewusst, dass durch mich alles eine Prüfung erfährt, was er macht.” Das habe Rangnick bei „besonders kniffligen Entscheidungen sicherlich auch bestärkt”.

Wie alles begann: Helmut Groß (links) und Ralf Rangnick (rechts daneben) 1991 bei einem A-Jugend-Spiel des VfB Stuttgart.
Wie alles begann: Helmut Groß (links) und Ralf Rangnick (rechts daneben) 1991 bei einem A-Jugend-Spiel des VfB Stuttgart.
(Imago/Sportfoto Rudel)

Groß über Job von Ralf Rangnick bei Manchester United: „Das möchte man eigentlich niemandem zumuten”

Rangnicks Job bei Manchester United bezeichnet der Lehrmeister als „gigantisch schwer”. Rangnick sei „wirklich nicht zu beneiden”. Groß sagt klipp und klar: „Mit klaren Vorstellungen von einer Spielstruktur mitten in der Saison zu einer nach völig anderen Kriterien zusammengestellten Mannschaft zu kommen, das möchte man eigentlich niemandem zumuten.” Weshalb sich Rangnick dann dennoch für die Mammutaufgabe entschieden hat, erklärt Groß so: „Die Entscheidung für Manchester ist in erster Linie emotional, letztendlich hat das Herz entschieden. Ralf hängt an der Fußballtradition uns ist durchaus Romantiker.”

Die Kritik vieler Fans am Red-Bull-Modell könne Groß nicht verstehen. „Viele Traditionsvereine hatten nicht weniger Geld als wir zur Verfügung. Nur haben sie Gelder oft genug vernichtet.” Red-Bull-Philosophie war es immer, Spieler mindestens für den gleichen Kurs wieder verkaufen zu können, zu dem er verpflichtet wurde. So habe Salzburg in den vergangenen zehn Jahren 280 Millionen Euro eingenommen. Doch das habe Red-Bull-Gründer und Investor Dietrich Mateschitz anfangs gar nicht gepasst. Bei Verkäufen habe der Multimilliardär gesagt: „Ich brauche kein Geld, das habe ich, ich brauche gute Spieler.” Doch Groß setzt entgegen: „Aber dabei hatte er vergessen, dass die Spieler so gut waren, dass Salzburg für sie zu klein geworden war.”

Groß begeistert von Nagelsmann

Apropos Talent: Für die defensiven Elemente des Pressingfußballs brauche es nicht viel fußballerische Veranlagung. „Eigentlich kann jeder Spieler mit der richtigen Mentalität in unserem Sinne zumindest verteidigen, auch wenn er über wenig Talent verfügt”, betont Groß. „Das kann jede Mannschaft spielen.” Probleme gebe es erst, wenn der Ball erobert sei.

Groß schwärmt übrigens davon, wie Ex-RB-Trainer Julian Nagelsmann seine Idee durch mehr Ballbesitzanteile, etwa „lockenden Ballbesitz” mit der Verlagerung auf eine Seite, weiterentwickelt hat. Grundsätzlich steht Purist Groß aber auch 40 Jahre nach der Entwicklung dieser Spieldiee weiter hinter dem Ursprungsgedanken. „Noch heute sind die meisten Leute der Ansicht: Lass uns erst mal den Ball haben, dann kontrollieren wir schon alles. Ich bin aber der Überzeugung, dass das besser geht, wenn man eine gute Schwarmintelligenz gegen den Ball hat.” Es wäre spannend zu hören, was Groß zur Idee von Domenico Tedesco aktuell bei Rasenballsport zu sagen hätte. Doch Groß verließ den Klub 2019 mit dem Anbgang von Rangnick.