Sieg gegen Eindhoven Krallen im Nieselregen: Demichelis feiert argentinischen Kampfgeist seines Teams
RB-Trainer Martin Demichelis sieht beim 1:0 in der Champions League gegen Eindhoven erstmals das, was ihm für sein Team vorschwebt: Es wehrt sich auf argentinische Weise.

Leipzig – Im argentinischen Fußball dreht sich nicht alles, aber so gut wie alles um einen Begriff: garra, zu deutsch Kralle oder Pranke. Woher der Begriff stammt, ist unklar. Aber die Argentinier haben ihn nicht erfunden, er kommt eigentlich aus dem Nachbarland Uruguay, wurde dort mit den Charrua-Indianern in Verbindung gebracht und bezeichnet Kampfgeist, Leidenschaft, Hingabe.
"Wir hatten ein bißchen Glück"
Diesen Garra hat Martin Demichelis am Dienstagabend leibhaftig vor sich gesehen. Seine Spieler hatten ihn entwickelt beim 1:0 im Champions-League-Heimduell mit der PSV Eindhoven, das eher ein Ringen gewesen ist. Beide Teams hatten jeweils Chancen, das andere zu Boden zu werfen. Am Ende, sagte der Argeninier Demichelis, „hatten wir auch ein bisschen Glück“.
Es ist keine drei Monate her, da trat der 45-Jährige überraschend die Nachfolge des zuvor auf unrühmliche Art geschassten Ole Werner antrat. Demichelis war früher Innenverteidiger, auf Toplevel bei den Bayern, bei Manchester City, in der argentinischen Nationalmannschaft. Danach wurde er Trainer bei seinem Jugendklubs River Plate in der Heimat, anschließend in Mexiko und Spanien.
Mit Teamgeist zu drei WM-Titeln
Vom ersten Tag an ließ Demichelis durchblicken, dass sein Fußball ohne dieses eine argentinische Element, welches die „Albiceleste“ zusammen mit der Genialität von Diego Maradona (1986), Lionel Messi (2022) oder dem Teamgeist von 1978 zu drei WM-Titeln geführt hat, einfach nicht aufgehen wird. Gegen Eindhoven war sie das erste Mal am Werk.
Nicht, dass sich dieses RB-Team nicht zu wehren wüsste. Doch Leipzigs Widerstandskraft ging bei den bisherigen Pleiten in Bremen (1:3), in Leverkusen (0:2) und in Como (1:4) nie über Normalmaß hinaus. Gegen die PSV sprang sie auf ein beachtliches Level und ermöglichte den ersten Sieg in der Champions-League seit Januar 2025.
Man muss sich zu wehren wissen
Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Der Meister aus den Niederlanden wirkte nach drei Jahren unter Trainer Peter Bosz aber eingespielter, klarer in den Abläufen, besser in der Ballbehandlung, besser im Pressing. Am Ende hatten beide Teams jeweils 102 Zweikämpfe geführt – und die Gäste doppelt so viele davon gewonnen.
Man muss sich deshalb zu wehren wissen, wenn die Zahlen gegen einen sind. „Eindhoven hat uns seinen Fußball gezeigt“, erklärte Demichelis später, „und sie haben uns ein schwieriges Spiel bereitet. In solchen Spielen brauchst du Leidenschaft, Einsatz, eine gute Einstellung. Die Jungs haben sich gewehrt, sie haben bis zur letzten Minute gekämpft, das macht mich sehr stolz.“
Vandevoordt hält Elfmeter
Was der optische Eindruck in der nicht ausverkauften Arena bei bestem Nieselregen-Flutlicht-Wetter ein wenig überdeckte, war: RB hatte 19 zu 11 Torschüsse und einen x-Goal-Wert von 2,1 im Vergleich zu Eindhovens 1,4. Nach vorn ging also immer was, vor allem über Antonio Nusa, über Christopher Nkunku und über Startelf-Rückkehrer Brajan Gruda. Am Ende entschieden ein Strafraumgrenzen-Schuss von Gruda (75.) und die Paraden von Keeper Maarten Vandevoordt die Partie, der u.a. in der ersten Hälfte einen strittigen Handelfmeter von Ex-Bundesliga-Profi Ivan Perisic parierte (19.).
Dieser erste Dreier hält RB in der Königsklasse auf K.o.-Runden-Kurs. Mehr noch, da es kommende Woche zu Real Madrid geht, anschließend kommt Manchester City zu Besuch. Dazwischen, an diesem Wochenende, reist der Rasenballsport-Tross zur deutschen Übermannschaft FC Bayern München, die gerade aber eher auf Normalmaß unterwegs ist: ein Remis am vergangenen Wochenende in Augsburg, vorgestern ein Remis bei Viking Stavanger.
„Wir haben in diesen Spielen nichts zu verlieren“, sagte der RB-Trainer, „wir können nur gewinnen.“ Und weiter: „Wenn ein Spiel nicht einfach ist, dann geht es ums Kämpfen, ums Verteidigen und um den Zusammenhalt.“ Die nächsten Spiele werden zeigen, wie viel echter Garra schon in seinem Kader steckt.