Champions-League-Sieger-Besieger!Fünf-Tore-Spektakel: RB besiegt Real wie im Rausch

Von Martin Henkel Aktualisiert: 25.10.2022, 23:05
Ekstase: RB Leipzig bejubelt das frühe 1:0 gegen Real Madrid, Josko Gvardiol kann es gar nicht recht glauben.
Ekstase: RB Leipzig bejubelt das frühe 1:0 gegen Real Madrid, Josko Gvardiol kann es gar nicht recht glauben. (imago/Picture Point LE)

RB Leipzig hat im fünften Champions-League-Spiel in dieser Saison seinen dritten Erfolg gefeiert. Ein ganz besonderer Sieg gegen eines der Schwergewichte des Weltfußballs. Die Sachsen besiegten am Dienstagabend vor 45.000 Zuschauern Real Madrid 3:2 (2:1). Josko Gvardiol, Christopher Nkunku und Timo Werner trafen für den Bundesligisten (13., 18., 81. ), Vinicius Jr. und Rodrygo für die Spanier (44., 90.+3).

Für die Achtelfinal-Qualifikation reicht es damit zwar noch nicht, weil der letzte Spieltag-Gegner Schachtar Donezk in Glasgow 1:1 spielte, die Entscheidung fällt also erst in einer Woche in Warschau. Fürs Prestige ist der Sieg aber goldwert.

RB wie angezündet

Es ist ein spürbarer Unterschied, wenn RB in der Champions League antritt. Die Kulisse ist lauter, die Spieler angezündet wie ihr Publikum. Das war schon vor dem Anpfiff zu beobachten, als Xaver Schlager beim Warmschießen eine Fahnenträgerin hinter dem Tor unterm Kinn traf, sie war kurz ohne Bewusstsein.

Wenig später, als beide Teams am Mittelkreis standen, gedachte der Red-Bull-Klub dem verstorbenen Mäzen Dietrich Mateschitz mit einer Applaus-Minute, während sich im Fanblock B eine Choreo entfaltete, die den „Rasenballsport“ feierte.

Erster Champions-League-Treffer für Gvardiol

Einen Unterschied macht es ebenfalls, ob der Gegner FC Augsburg heißt, der den Leipziger Kickern vergangenes Wochenende in einen Nahkampf hineinzog mit einem knappen 3:3 am Ende. Oder ob der Gegner der amtierende Champions-League-Sieger und in der heimischen Liga noch immer ungeschlagene Tabellenführer ist.

Von der schieren Klasse der Spanier war freilich lange Zeit wenig zu sehen. Ohne die Topspieler Karim Benzema und Lukas Modric mussten sie bereits nach 13 Minuten das erste Mal den Ball aus ihrem Netz holen. Gvardiol hatte nach einer Ecke mit dem Kopf abgestaubt.

Nkunku wuchtig unters Tordach

Ohne den Hautkontakt, mit dem die Rasenballfußballer in der Liga normalerweise zurande kommen müssen, konnten sie selbst hoch pressen und immer wieder in Konter gelangen, der ihr Spiel so gefährlich macht. Nach der Führung hatte Nkunku das 2:0 auf dem Fuß, traf aber nur das Außennetz (16.). Zwei Minuten später fiel der zweite RB-Treffer: Nkunku nagelte eine von Aurelian Tchouemeni abgelenkte Vorlage von David Raum unters Tordach (18.).

Real schien zu diesem Zeitpunkt in seiner zusammengewürfelten Formation dem Leipziger Feuerwerk nur wenig entgegensetzen zu können. Doch die Spanier fingen sich. Mit Rodrygo, Vinicius Jr. oder dem deutsche Weltmeister Toni Kroos stand immer noch genug Weltklasse auf dem Rasen. Der Anschlusstreffer deutete sich gegen Ende der ersten Hälfte an. Zwei Mal parierte Leipzigs Schlussmann Janis Blaswich Schüsse von Rodrygo und Vinicius (35, 37.), dann lag der Ball auch im RB-Tor. Vinicius hatte mit der Stirn eine Flanke von Marco Asensio an den Innenpfosten gesetzt (44.).

Werner trifft nach Simakan-Solo

Mit dem Anschlusstreffer wurden die zweiten 45 Minuten für die Sachsen lang. Es entspann sich ein offener Schlagabtausch: Real dominiert, RB lauerte auf Konter. Beide Teams konnten daraus aber nichts Zählbares für sich erarbeiten. Lange Zeit pendelte das Spiel hin und her. Es musste erst Timo Werner in die Partie kommen (69.), bis es wieder gefährlich wurde. Der eingewechselte Nationalstürmer verfehlte in der 72. Minute das Real-Tor nur knapp. Zehn Minuten später versenkte er eine Hereingabe von Mohamed Simakan zum 3:1-Sieg im Netz, den auch der verwandelte Foulelfmeter von Rodrygo nicht mehr gefährden konnte (90.+3.).