RB Leipzig

Der Berserker mit der Kappe erwartet RB Leipzig: Dank Steffen Baumgart steht Köln Kopf

Von Martin Henkel 18.09.2021, 10:05
Mann mit der Mütze: Steffen Baumgart.
Mann mit der Mütze: Steffen Baumgart. imago images/Beautiful Sports

Steffen Baumgart hob mahnend seine Augenbrauen. Am Donnerstag wurde der Trainer des 1. FC Köln auf den Fehlstart des Samstaggegners angesprochen (18.30 Uhr). Zu diesem Zeitpunkt war das 3:6 von RB Leipzig bei Manchester City in der Champions League keine 24 Stunden alt. Ein paar Tage zuvor hatte der Vizemeister in der Fußball-Bundesliga gegen Meister Bayern 1:4 verloren. Macht zehn Gegentore in zwei Partien sowie vier Pleiten in sechs, was normalerweise eine handfeste Krise ergibt.

Baumgart: „Ich war grillen”

Nicht so bei Baumgart. Man müsse sich die „Spiele genauer“ betrachten, sagte der Kölner Coach, der allerdings gestand, er habe genau das am Mittwoch nicht getan. Als City und RB sich ihr wildes Neun-Tore-Duell lieferten, saß der gebürtige Rostocker bei Steak und Würstchen. Baumgart: „Ich war grillen.“

Nun muss in Leipzig niemand darauf hoffen, dass der 49-Jährige sich zum Vorteil des taumelnden Topteams aus der Messestadt bereits am Kölner Übermut angesteckt hätte, der den heimischen „Effzeh“ bereits zurück im Europapokal wähnt wie anno dazumal, kaum ist die Meisterschaft vier Partien alt. Zum Auftakt gab es ein spektakuläres 2:3 in München, danach zwei Siege gegen Hertha und Bochum, zuletzt ein 1:1 in Freiburg. Das macht Tabellenplatz sieben, fünf über RB. Kölle steht gerade Kopf.

Wäre da nicht der Trainer aus dem Osten, dieser Überschwang wäre vermutlich genau das Richtige, den die Leipziger gerade brauchen könnten. „Die Jungs sind bereit“, sagte Trainer Jesse Marsch am Freitag, ohne überzeugt zu klingen. Trotzdem versicherte der US-Amerikaner. „Die Mentalität stimmt noch.“

Mehr Krieger als Feinfuß: Ex-Ringer Baumgart hat auch KfZ-Mechaniker und Polizist gelernt

Gegen Baumgart-Mannschaften ist das freilich kein Pfund. Da braucht es mehr als Mentalität, um sie zu bezwingen. Denn einer für alle, alle für einen – und das Ganze gepaart mit leidenschaftlichem Hurra-Fußball, das sind die Grundelemente, die Mannschaften des früheren Stürmers von Hansa Rostock, Wolfsburg, Union Berlin, Energie Cottbus oder Magdeburg ausmachen, der immer mehr Krieger als Feinfuß war. Nur 29 Treffer und 225 Erstligaspiele erzählen von einem zähen Profi, der in erster Linie mehr ackerte, als Tore schoss.

Die Lebensauffassung, die dahinter steht, demonstriert gerade eine Helmut-Schön-Gedächtnismütze. Ein bisschen Extravaganz darf sein, aber nur, um zu unterstützen, was den Träger eigentlich ausmacht – und das ist in Baumgarts Fall ein bodenständiger Arbeiter, der neben seiner Karriere drei Berufe gelernt hat, darunter KfZ-Mechaniker und Polizist.

Markenzeichen: Lange Trainingshose und T-Shirt

Den bulligen Coach, der als Kind mal drei Ringermeisterschaften gewann, trifft man deshalb in der Regel im Trainingsanzug an. Selten aber mit Jacke, sondern in langer Hose und T-Shirt, die er selbst im Winter trägt. Dieses Outfit ist zu seinem Markenzeichen geworden, der Eindruck eines Berserkers am Spielfeldrand, der jede Sekunde des Spiels mit Leib, Seele und Leidenschaft mitlebt. Wer so mitfiebert, dem wird eben auch nicht kalt.

Das erste Mal trat Baumgart so in Erscheinung, als er 2018 mit dem SC Paderborn in die 1. Liga aufstieg. Davor hatte er sich als Übungsleiter vornehmlich in den unteren Ligen aufgehalten. Etwa als Cheftrainer beim 1. FC Magdeburg, mit dem er seinen ersten Titel gewann, das Landespokalfinale 2009 gegen den HFC. Danach wurde er Assistent in Rostock, Chef beim Berliner AK, von wo aus er in Paderborn und beim ehemaligen Leipziger Sportdirektor Markus Krösche landete.

Beide formten mit Geschick und Baumgarts Spielidee, die dem der reinen RB-Lehre gleicht, ein Team, das weit über seinen eigentlichen Talenten spielte. Das gleiche Kunststück scheint ihm nun auch in Köln zu gelingen. Drei Grillpartys hat er im Sommer darauf verwandt, um Spieler, Funktionäre und Klubmitarbeiter zusammen und hinter sich und seine Vorstellungen zu bringen. Mit bereits außergewöhnlichen Resultaten. Nun könnte er Marsch ins Wanken bringen. (RBlive/hen/ukr)