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DFB-Geschäftsführer fordert „Längst überfällig”: RB soll sich für Mitgliedermitbestimmung öffnen

Der scheidende DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig zieht Parallelen zwischen RB Leipzig und dem Betrugsfall Manchester City, fordert Änderungen und droht mit der letzten Konsequenz: Nicht-Lizensierung.

24.10.2026, 14:14
Stimmte zweimal gegen die Lizensierung von RB: Andreas Rettig.
Stimmte zweimal gegen die Lizensierung von RB: Andreas Rettig. (Foto: imago/DeFodiImages)

Köln/sid/ukr – Der scheidende DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hat im Finanzskandal um den englischen Topklub Manchester City ein hartes Durchgreifen gefordert. „Ganz ehrlich: Schlimmer geht's nimmer. Das ist für mich kein Super-GAU, sondern der Super-GAB – der größte anzunehmende Betrugsfall”, sagte der 63-Jährige im Interview mit dem kicker: „Ich wünsche mir, dass die Uefa die Krallen ausfährt und das höchstmögliche Strafmaß anwendet. Das heißt ganz konkret: Lizenzentzug und Aberkennung aller Titel.”

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Der Fall unterstreiche aus deutscher Perspektive die Bedeutung der 50+1-Regel, betonte Rettig. Manchester City habe „den Geist, nur das Geld auszugeben, was durch zurechenbare Einnahmen generiert wurde, mit Füßen” getreten. Die Vergehen der Skyblues seien zugleich aber nur die „sichtbarste Spitze des Eisbergs”. In Deutschland stehe „das Kulturgut 50+1 solchen Auswüchsen entgegen”.

„Den SSV Markranstädt von innen heraus okkupiert”

Mit Blick auf die Regel, die den Einfluss externer Investoren auf die deutschen Profiklubs begrenzt, übte Rettig zudem erneut Kritik an RB Leipzig. Der Klub müsse im Vergleich mit Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg differenziert betrachtet werden, Leipzig habe bereits in seiner Entstehung „den Geist von 50+1 eben nicht erfüllt, allein schon durch die Frage der fehlenden Mitgliederbestimmung. Leipzig hat den SSV Markranstädt stattdessen von innen heraus okkupiert. Das ist ein klarer Umgehungstatbestand, gegen die Vorgaben von 50+1.” RB müsse sich nun im Rahmen der vom Bundeskartellamt angeregten Änderungen „für Mitbestimmung durch Mitglieder öffnen. Das ist ohnehin längst überfällig.”

Die Werksklubs Leverkusen und Wolfsburg könnten, so Rettig, dem Vorbild Dietmar Hopps bei der TSG Hoffenheim folgen und „ihre Stimmrechte an die eingetragenen Vereine zurückgeben”. Dies würde nebenbei auch „einen immensen Imagegewinn in der Fanszene” nach sich ziehen, glaubt der scheidende DFB-Geschäftsführer.

Angesprochen auf eine mögliche Klage gegen die 50+1-Regel, die DFB und DFL fürchten, argumentierte Rettig: „Wir reden über Volkswagen, ich betone: Volks-Wagen, und die Bayer AG. Mir fehlt die Fantasie, warum ein auf positives Image bedachter Konzern sein größtes Gut, nämlich das positive Image, aufs Spiel setzen sollte mit einer Klage gegen das wertvollste Kulturgut im Profifußball. Als Kommunikationsberater würde ich jedenfalls davon abraten.”

Juristische Handhabe haben die DFL und das Bundeskartellamt jedoch vorerst nicht. Rettig betonte jedoch, dass man „in allerletzter Konsequenz nur übers Lizenzierungsverfahren” Druck ausüben könne und stellte eine Nicht-Lizensierung der betroffenen Vereine in den Raum. „Indem man sagen würde: Ihr erfüllt nicht die Voraussetzungen von 50+1, also dürft ihr nicht mitspielen.” Rettig hatte bereits zweimal gegen eine Lizensierung gestimmt. Zum Jahresende endet sein Engagement beim DFB, Per Mertesacker übernimmt seinen Job.