Verletzung folgt auf Verletzung Der Fluch des Assan Ouédraogo
Assan Ouédraogo ist der Pechvogel des deutschen Fußballs. Wohl kein anderer Bundesligaprofi und Nationalspieler wird derart häufig von Verletzungen ausgebremst wie das Mittelfeld-Talent von RB. Dabei ist ein Muster zu erkennen.

Leipzig – Assan Ouédraogo nimmt sich Jahr für Jahr das Gleiche vor. Die Saisonziele des 20-Jährigen von RB Leipzig haben vordergründig gar nichts mit Toren, Siegen, Tabellenplatzierungen und Trophäen zu tun. Vielmehr ist Ouédraogos Wunsch ganz simpel: endlich mal ein gesamtes Jahr gesund bleiben, eine Saison ohne Verletzungen durchzuspielen. Mehr nicht.
Ouédraogo muss operiert werden
Doch dieser simple Wunsch bleibt dem Pechvogel des deutschen Fußballs auch in dieser Saison verwehrt. Nach seiner ersten Schulterverletzung im Trainingslager in Saalfelden hatte er bereits den Saisonstart verpasst. Als er sich nun nach knapp sechs Wochen Reha wieder herangearbeitet hatte, verletzte er sich am Sonntag beim 5:0 gegen den HSV bei einem harmlosen Zweikampf erneut an der gleichen Stelle und kugelte sich die Schulter aus. Ouédraogo schrie vor Schmerzen auf dem Spielfeld und trabte mit Tränen im Gesicht in die Kabine.
Update: Wie RB am Dienstagmittag bekanntgab, hat Ouédraogo erneut eine Kapselverletzung in der Schulter erlitten und muss nun operiert werden. Der sonst so unbekümmerte Youngster wird dem Team nun wieder über Wochen fehlen. Ebenso wie in der Nationalmannschaft, wo er unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp Teil des Aufbruchs werden soll.
63 Spiele für RB verletzt verpasst
Bereits jetzt summiert sich seine Ausfallzeit bei RB auf insgesamt über 380 Tage, in denen er 63 Spiele verpasste. Mehr als ein ganzes Jahr. Die langwierigen Comeback-Phasen mit Kurzeinsätzen, um Wettkampfrhythmus aufzubauen, sind da noch gar nicht mitgezählt. Und das in einem Alter, wo jeder junge Akteur so viel Spielzeit wie möglich benötigt, um sich zu entwickeln. Doch Ouédraogo scheint wie von einem Verletzungsfluch verfolgt, seine Krankenakte umfasst in dreieinhalb Jahren Profifußball bereits 13 Einträge.
Dabei ist ein Muster zu erkennen: Nach einem Ausfall verletzt sich der schlaksige 1,91-Meter-Mann oftmals direkt im Anschluss wieder. Das war bereits auf Schalke so, und nun bereits drei Mal bei RB. Nach vier Kurzeinsätzen im Herbst 2024 verletzte er sich beim Auswärtsspiel bei Inter Mailand schwer am Oberschenkel und fiel die gesamte weitere Saison aus. Nach tollen Leistungen zu Beginn der vergangenen Saison hatte er erneut Knieprobleme, absolvierte im ersten Spiel nach der Winterpause 60 Minuten gegen Freiburg und musste wieder mit langer Knieverletzung passen. Dennoch kämpfte er sich in einer langen Reha, in der er an der sensiblen Stelle im Knie entscheidend an Muskelmasse zulegte, wieder zurück und schaffte als Nachrücker sogar noch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft.
Ouédraogo kennt sein Leistungslevel selbst noch gar nicht
Nach nur wenig Urlaub kam er voller Tatendrang zu RB zurück und wollte durchstarten – um sich selbst und Fußball-Deutschland zu zeigen, wozu er eigentlich in fittem Zustand in der Lage ist und selbst sein Leistungsvermögen auszukundschaften. Dieses Saisonziel ist nun erst einmal wieder passé.
Für RB ist das besonders bitter, weil der Spielertyp Ouédraogo so selten ist: Er vereint als Box-to-Box-Spieler Defensivpower, Laufstärke, Technik und strategische Qualitäten in sich. Er kann als Achter und Zehner spielen und ist in entscheidenden Offensivaktionen ebenso dabei wie im Spiel gegen den Ball am eigenen Strafraum.
„Brutales Talent für Deutschland und RB”
„Er hat eine brutale Physis, die uns in Spielen gegen Gegner, die über ihre Zweikampfstärke kommen, sehr hilft. Die zweite Halbzeit haben wir auch für ihn gewonnen”, sagte Kapitän David Raum. Und Trainer Martin Demichelis beschwor: „Wir brauchen ihn, er ist ein brutales Talent für Deutschland und unseren Verein.”
Fraglich ist, ob Ouédraogo in der RB-Krise zu früh wieder voll belastet wurde – gerade weil er so dringend gebraucht wird – oder ob man mit dem Wissen um seine Verletzungsgeschichte nicht noch hätte abwarten müssen. Erst Anfang September war er wieder voll ins Teamtraining eingestiegen. Gegen Bremen war er noch gar nicht im Kader gewesen, gegen Como absolvierte er erste 30 Minuten. „Er war bereit zu spielen, wir haben abgewartet”, verneinte Demichelis.