Die RB-Spieler in der Einzelkritik

Abgang mit der Faust in der Hosentasche

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer Aktualisiert: 15.09.2022, 11:01
Kalt erwischt, Traum geplatzt: Spieler von RB Leipzig nach dem 0:2 bei Real Madrid.
Kalt erwischt, Traum geplatzt: Spieler von RB Leipzig nach dem 0:2 bei Real Madrid. (imago/Picture Point LE)

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 0:2 gegen Real Madrid gesehen:

Peter Gulacsi: Der Keeper der "Roten Bullen" scheint seine Unsicherheit nach seinem Fehlpass gegen Donezk abgelegt zu haben. Seine Zuspiele mit dem Fuss erreichten auf kurze Distanz ihre Adressaten, die langen Hölzer waren noch ausbaufähig. Ansonsten hatte er wenig zu tun gegen den Champions-League-Sieger bis zu den beiden Gegentreffern. Rettet einmal gegen Vinicius das 0:0 (72.). Note: 2,5.

Mohamed Simakan: Musste gegen den gefährlichen Vinicius ran. Machte seine Sache ordentlich, der pfeilschnelle Real-Stürmer war weitgehend abgemeldet. Einziges Problem, wie schon in der Vorsaison hat der Franzose seine Hände nicht im Griff. Schubste wieder zwei Mal Freistöße für die Spanier heraus, die allerdings ohne Folge blieben. Leitete einmal mit einem kapitalen Fehlpass einen Real-Konter ein, den Modric knapp nebens Tor setzte. Ist aktuell ein Unsicherheitsfaktor und mangels Alternativen in der Viererkette eine Schwachstelle im Team. Note: 3,5.

Willi Orban: Starke Partie des Abwehrchefs. Half, die rechte Seite gegen Vinicius abzusichern. War kompromisslos gegen die Spanier im Zweikampf, und nervenstark beim Herausspielen. Konnte den Pass von Vinicius auf Valverde vor dem 0:1 aber auch nicht verhindern. Ging nach der Partie mit der Faust in der Hosentasche wortlos durch die Katakomben. Beleg dafür, dass sich die Leipziger mehr ausgerechnet und verdient hatten als eine Niederlage. Note: 2,5.

Abdou Diallo: Lange sehr souveräne Partie des Leihgspielers von Paris Saint-Germain. Ist eine echte Verstärkung für die Leipziger Hintermannschaft. Spielt kalten Herzens hinten heraus, ist sicher in den Zweikämpfen, und eine Hilfe für seine Vorderleute, die er oft in Zonen dirigiert, in denen sie seine Pässe empfangen können. Entwickelt sich zum Schlüsselspieler in der Viererkette. War aber beim 0:1 zu passiv, als er nicht herausrückte und Valverde gewähren ließ. Der Moment, als die Träume im Estadio Bernabeu zerplatzten.  Note: 3.

David Raum: Scheint angekommen zu sein bei seinem neuen Klub. Bringt viel Krieger-Mentalität ins Spiel der oft zurückhaltenden Sachsen. Stand gut gegen Valverde, bis auf dessen Tor zum 0:1, und war bemüht, Druck nach vorn aufzubauen. Ohne große Wirkung freilich, hatte nur eine Torschussvorlage. Freute sich einmal derart über einen erfolgreichen Block gegen den Torschützen, dass es aussah, als würde er ihm eine wischen wollen. Gesten, die ansteckend wirken. Note: 2,5.

Amadou Haidara: Ersetzte den verletzten Laimer zentral vor der Abwehr. Lief viel, war ballsicher beim Aufbau, in den Zweikämpfen aber oft ohne Fortune. Hatte eine Quote von 33 Prozent gewonnener Duelle. Verpasste es, in der schweren Phase in der zweiten Hälfte ab der 55. Minute mehr Präsenz im Mittelfeld herzustellen und für mehr Entlastung zu sorgen. Note: 3.

Xaver Schlager: Zumeist umsichtiger Wühler im defensiven Mittelfeld, der zeigte, dass er auch gegen Real extrem ballsicher sein kann (Passquote: 93 Prozent). Hatte schöne Balleroberungen und leitete Umschaltaktionen ein. Kurz vor der Pause im Glück, als er im Strafraum von hinten in Modric hineinfiel, aber der Referee zu Recht keinen Strafstoß gab. Note: 3.

Dominik Szoboszlai: Konnte nicht an sein glänzendes Spiel gegen Dortmund anknüpfen. Arbeitete auf der rechten Seite zwar viel mit nach hinten, kam aber im Vorwärtsgang kaum zur Entfaltung. Nur ein Torschuss, keine Torschussvorlage. Zeigte nicht ansatzweisen, was in ihm steckt. Nicht sein Abend. Note: 3,5.

Christopher Nkunku: Zeigte auch auf der großen Bühne im Bernabéu, dass er Leipzigs bester Techniker ist. Hatte große Chancen auf den Führungstreffer jeweils nach Vorarbeit von Werner, verpasste allerdings zweimal den Abschluss (28., 34.) beziehungsweise wurde von Courtois gestoppt (5.). Darf auch in diesen großen Spielen noch präsenter und mutiger werden. Note: 2,5.

Emil Forsberg: Träges Spiel des Schweden, der nicht an die Galligkeit und Laufbereitschaft des Spiels gegen den BVB anknüpfen konnte. War oft einen Schritt zu spät, hatte nur 38 Ballkontakte. Hatte eine der besten Chancen des Abends, als er nach Werner-Vorlage recht freistehend verzog. Diesen Ball muss er aufs Tor bringen.  Note: 3,5.

Timo Werner: Seine beste Partie seit der Rückkehr aus London, weil er im Zusammenspiel mit seinen Nebenleuten endlich einen Fortschritt gemacht hat. Lieferte drei Torschussvorlagen, die alle auch zu Toren hätten führen können, war weniger überhastet als noch gegen Dortmund, sondern nahm auch mal den Kopf hoch und traf die richtigen Entscheidungen. Brachte die Real-Abwehr mit zwei, drei gefährlichen Sprints in Bedrängnis. Stand bei seiner größten Chance (50.) knapp im Abseits. Ein Abend für Werner, der Mut macht. Note: 2,5.*

*Wir bewerten nur Spieler, die vor der 70. Minute eingewechselt wurden.

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