RB Leipzig

Domenico, das Chamäleon: Was Tedesco mit RB Leipzig vorhat

Von Ullrich Kroemer 09.12.2021, 15:35
„Ein Trainer muss sich an den Kader anpassen.” Punkt. Domenico Tedesco bei seiner Vorstellung bei RB Leipzig.
„Ein Trainer muss sich an den Kader anpassen.” Punkt. Domenico Tedesco bei seiner Vorstellung bei RB Leipzig. RB Leipzig/motivio

Domenico Tedesco bekam bei seiner Vorstellung an diesem Donnerstagnachmittag eine Handvoll Fragen gestellt, die sich allesamt darum drehten, was er bei RB Leipzig vorhat. Welche Spielidee er mitbringt, welche grundlegenden Probleme er analysiert hat und bei Rasenballsport anpacken will. Doch der neue Trainer hielt sich jedes Mal bedeckt. „Was wir machen werden, werden Sie auf dem Platz sehen, darüber können wir in drei Wochen sprechen”, sagte der 36-Jährige. „Da will ich mir ungern in die Karten schauen lassen, weil sich das täglich verändern kann, je nachdem, wie die Gespräche verlaufen und was vonnöten ist.”

Bei RB Leipzig war man bisher Trainer gewohnt, die eine klare Philosophie, wie es immer etwas hochtrabend heißt, mitbrachten. Tedesco hingegen will sich nicht auf einen Stil festnageln lassen. Er führte an, dass er etwa 2017 in Aue habe Ballbesitz-Fußball spielen lassen und auch in Moskau mit hoher Pressinglinie und 58 Prozent Ballbesitz habe agieren lassen. Auf Schalke wurde er mit kompaktem Konterfußball Vize-Meister. Es ist ganz offensichtlich genau Tedescos Stärke, nicht festgelegt, sondern ein flexibler Konzepttrainer zu sein. Das Konzept stülpt er jedoch nicht über, sondern entwickelt es nach den Gegebenheiten. So verkündete er denn bei der Video-PK seine Maxime: „Ein Trainer muss sich an den Kader anpassen.” Punkt. Ein Chamäleon unter den Trainern, der je nach Erfordernissen in einer Situation das Auftreten seiner Mannschaften verändern kann.

Tedesco über Nagelsmann: „Wir haben eine ähnliche Spielauffassung, die Ansichten sind schon gleich”

Tedesco deutete immerhin an, dass er den Faden mit Kombinations- und Ballbesitzfußball, der nach Julian Nagelsmanns Abgang lose in der Ecke der Akademie am Cottaweg gelegen hatte, wieder aufzunehmen gedenkt. Beide gehören einer Trainergeneration an, galten als die Wunderkinder einer neuen Trainerschule und besuchten gemeinsam einen Fußballlehrerkurs, den sie mit Bestnoten abschlossen. „Klar ist, dass Julians Name sehr häufig fällt. Ich weiß, dass er hier Gutes geleistet hat. Wir haben eine ähnliche Spielauffassung, die Ansichten sind schon gleich”, sagte Tedesco, betonte aber: „Er hat seinen Stil und ich meinen. Mir ist wichtig, dass die Mannschaft das weiß. Ohne dass ich mich verschließe. Alles, was gut ist, möchte ich aufsaugen. Aber alles was bei mir erprobt ist, wird die Mannschaft genauso zu Gesicht kriegen.”

Um herauszufinden, was die Mannschaft braucht, wolle Tedesco als erste Amtshandlung „viele Gespräche führen, schauen, wo kann ich helfen?” Mehr als um die Trainingsarbeit in den zwei verbleibenden Einheiten auf dem Platz bis zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (Sa., 15.30 Uhr) gehe es um „Inhalte und Input”. Dass er davon viel zu bieten hat, betonte der Technische Direktor Christopher Vivell, der maßgeblich in die Verpflichtung von Tedesco eingebunden war. Vom gemeinsamen Treffen am Sonntag in einem Hotel berichtete er: „Er (Tedesco) hat eine fantastische Analyse über die Mannschaft gemacht.” Danach waren Klubboss Mintzlaff und Vivell überzeugt.

Die Ziele liegen nun auf der Hand: „Wir wollen in der Liga sehr viel nachholen”, sagte der gebürtige Italiener. RB sei ein „innovatives Riesenunternehmen, mit großem Potenzial, klar strukturiert mit riesiger Manpower. In Kombination mit diesem Kader ist das ein sehr hohes Potenzial, das es abzurufen gilt”, so der neue Coach. Welche Erwartungen und welcher Druck auf ihm lastet, weiß er genau: „Es muss auf Anhieb funktionieren.” (RBlive/ukr)