Doppelschlag PoulsenKlassenunterschied: Ersatzgeschwächter Titelverteidiger erreicht Pokal-Achtelfinale

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 18.10.2022, 20:04
Traf gegen den HSV doppelt: RB-Stürmer Yussuf Poulsen
Traf gegen den HSV doppelt: RB-Stürmer Yussuf Poulsen (imago/opokupix)

Diesen Pokalabend wird Yussuf Poulsen nicht so schnell vergessen. RB Leipzigs Urgestein, seit 2013 im Verein, hat seinem Team mit einem Doppelpack in der ersten Hälfte den Weg zum 4:0 (2:0) gegen den Hamburger SV und ins Achtelfinale des DFB-Pokals verholfen.

Nkunku auf der Tribüne

Mit nun zwölf Pokaltreffern ist der 28-Jährige der treffsicherste Spieler für RB in diesem Wettbewerb. Der Däne (337 Spiele für RB) hatte nach langwieriger Adduktorenverletzung bislang erst sechs Kurzeinsätze in dieser Saison absolvieren können. Gegen den Tabellendritten der 2. Liga durfte er nun nur deshalb von Beginn an auflaufen, weil Trainer Marco Rose der kranke Timo Werner ebenso fehlte wie der frisch an der Hand operierte Christopher Nkunku. Der Offensivstar saß bandagiert auf der Tribüne und verfolgte, wie sich seine Vertretung Poulsen gemeinsam mit Kollege André Silva in vorderster Linie schlug. Neben ihm zu Besuch: Ex-Kollege Nordi Mukiele, der im Sommer nach Paris gewechselt ist.

Doch von diesem Sturmduo mit Seltenheitswert war in der ersten halben Stunde kaum etwas zu sehen. Die Hausherren überließen den Gästen aus der Hansestadt massig Ballbesitz und verloren im eigenen Aufbau viel zu schnell die Bälle. Dass Rose im defensiven Mittelfeld Benjamin Henrichs und Kevin Kampl gemeinsam testete, tat dem RB-Spiel zunächst nicht gut.

Der HSV entfaltete viel Druck über die Halbspuren. Der Niederländer Ludovit Reis hatte den ersten guten Abschluss (5.). Eine Viertelstunde später wackelte das RB-Gebälk, als die Leipziger einen Ball nicht klären konnten und der aufgerückte Linksverteidiger Miro Muheim aus etwa 18 Metern abzog. Sein Strahl prallte vom Querbalken an den Pfosten (20.). Mehr Glück durften die Gastgeber an diesem nasskalten Dienstagabend nicht beanspruchen.

Henrichs stellt den Endstand her

Peu á peu fanden der personell arg dezimierte Pokalsieger etwas besser ins Spiel. Henrichs hatte den ersten nennenswerten Abschluss nach schöner Kombination über die rechte Seite (28.). RB verlegte sich angesichts der Hamburger Dominanz im eigenen Stadion aufs Kontern – und das höchst effizient, schnell und mit wenigen Ballkontakten. Rechtsverteidiger Mohamed Simakan legte einen langen Ball auf Dominik Szoboszlai ab, der seinen Gegenspieler austanzte und den hinterlaufenden Simakan bediente.

Der Franzose bewies erneut seine neu entdeckten Vorbereiterqualitäten und legte blitzsauber auf Poulsen ab, der nur noch einzuschieben brauchte (33.). Der zweite Treffer fiel nach ganz ähnlichem Schema. Nach einem Ballverlust der Elf von Trainer Tim Walter schickte Szoboszlai Silva steil, der für Poulsen vorbereitete (36.). Der hätte wohl den Hattrick perfekt gemacht, hätte Szoboszlai in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auf seinen freistehenden Kollegen abgelegt, anstatt selbst aufs Tor zu köpfen. So hielt HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes mit einer Parade den alten Abstand (45.+2).

Auch Max Eberl wird sich über den Pausenstand gefreut haben. Der designierte Sportchef war erstmals im Leipziger Stadion auf der Tribüne zu Gast, wird aber nach MZ-Informationen anders als diskutiert nicht vor Dezember sein neues Amt antreten.
RB trat in den zweiten 45 Minuten bestimmender und kontrollierter auf, überstand eine kurze Drangphase des HSV mit einer Chance von Ransford Königsdörffer, die Janis Blaswich parierte (59.). Der starke Simakan machte per Kopf nach Ecke von Emil Forsberg mit dem 3:0 (68.) alles klar; Henrichs erhöhte erneut nach Konter und Vorlage des eingewechselten Xaver Schlager zum Endstand (81.).

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