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Entscheidung gefallen: Champions-League-Spiel RB Leipzig gegen Tottenham findet vor Fans statt

Von Ullrich Kroemer 09.03.2020, 10:44
Leere Ränge in der Champions League? Nicht bei RB Leipzig, das Spiel gegen Tottenham findet vor Fans statt.
Leere Ränge in der Champions League? Nicht bei RB Leipzig, das Spiel gegen Tottenham findet vor Fans statt. imago/Picture Point LE

RB Leipzig wird sein Champions-League-Achtelfinalspiel gegen Tottenham Hotspur (Di., 21 Uhr) vor Zuschauern austragen. Das entschieden Oberbürgermeister Burkhard Jung, Gesundheits- und Ordnungsamt am Montagvormittag. Stadtsprecher Matthias Hasberg bestätigte Mitteldeutscher Zeitung/RBlive: „Das Spiel findet mit Zuschauern statt.”

„Ich bin sehr froh darüber. Es wäre ein Nachteil gewesen, ohne Fans zu spielen“, sagte RB-Trainer Julian Nagelsmann am Montag: „Wir hoffen, dass die Fans viel singen und uns nach vorne treiben.“ Auch Abwehrspieler Lukas Klostermann begrüßte die Entscheidung. „Ich bin froh, dass wir unsere Fans im Rücken haben werden. Ein Publikum kann immer noch die nötigen Prozente bei einem Team rauskitzeln und es nach vorne pushen“, sagte der Nationalspieler.

Die Stadt beruft sich bei ihrer Entscheidung vor allem auf zwei Punkte. Erstens: Großbritannien sei kein Risikogebiet. Und zweitens: „Das Robert-Koch-Institut (RKI, Anm.d.Red.) differenziert in seinen Handlungsempfehlungen immer noch zwischen Veranstaltungen, die drinnen und draußen stattfinden”, erklärte Hasberg. Für Veranstaltungen unter freien Himmel seien die Richtlinien bislang nicht angepasst worden, so Hasberg. Zudem sind Champions-League-Tickets im Vergleich zu Bundesliga-Karten stärker personalisiert – vor allem für die Gästefans – und möglicherweise Infizierte besser zu überprüfen. Auf dieser Grundlage sei die Entscheidung gefallen.

Entscheidung gegen die Empfehlung von Gesundheitsminister Spahn

Damit fällt sie gegen die Empfehlung von Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn, der am Sonntagnachmittag geraten hatte, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern abzusagen. Doch allein auf der Grundlage von Spahns Agenturzitaten mochten die Leipziger nicht entscheiden, sondern hielten sich an die weiter gültigen und bislang nicht angepassten Kriterien für die Risikoeinschätzung des RKI vom 28. Februar, das ein Bundesinstitut ist.

So musste die Stadt zwischen Ministerempfehlung und aktuellen RKI-Richtlinien sowie Gefährdungsrisiko in Leipzig und Großbritannien abwägen. Ab zehn Uhr berieten Ordnungs- und Gesundheitsamt mit dem Oberbürgermeister. Zunächst ohne, später mit RB Leipzig gemeinsam.

RB Leipzig stellt elektronische Desinfektionsmittelspender bereit

Eine politisch durchaus brisante Entscheidung, weil sie Vorbildcharakter für weitere Fälle hat. Fans von Borussia Dortmund und Schalke fragten sich bereits in den sozialen Netzwerken, warum das Revierderby ausfallen oder ohne Zuschauer stattfinden solle, wenn RB und „Spurs” spielen dürften. Andere Fans reagierten mit Unverständnis darüber, dass RB und Stadt die Verantwortung übernähmen, gegen die Empfehlung des Bundes zu handeln.

RB teilte mit, dass elektronische Desinfektionsmittelspender aufgestellt werden, nachdem beim Heimspiel zuvor gegen Leverkusen Desinfektionsmittel reihenweise geklaut worden waren. Kleine Mengen eigener Desinfektionsmittel dürfen mit ins Stadion genommen werden.

Ob RB Leipzig gegen SC Freiburg vor Fans stattfindet, wird separat entschieden

Ob das Bundesligaspiel am Samstag gegen den SC Freiburg (Sa., 15.30 Uhr) mit Zuschauern stattfinden kann, ist derzeit noch unklar und wird laut Stadt Leipzig vor dem Spiel neu bewertet. Die DFL hält aber einen Bundesliga-Spieltag mit Zuschauern für "nicht realistisch". (RBlive/ukr)

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