Ewiger Emil avanciert zum Pokalhelden

Tedesco: „Habe ihm auf den Weg gegeben, das Spiel zu entscheiden”

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 21.04.2022, 11:40 • 21.04.2022, 09:44
„Sowas vergisst du nie, das ist Wahnsinn, das nimmt man für immer mit”: Emil Forsberg.
„Sowas vergisst du nie, das ist Wahnsinn, das nimmt man für immer mit”: Emil Forsberg. (dpa/Jan Woitas)

Am Mikrofon tat Emil Forsberg nach dem Emotionsrausch ganz cool. „Es ist ja nix Neues, ich habe das schon ein paar Mal gemacht”, sagte der Schwede lässig. Gerade eben hatte er RB Leipzig mit seinem Treffer zum 2:1 gegen Union Berlin in der Nachspielzeit ins Pokalfinale geköpft (90.+2) und für den wohl emotionalsten Stadionmoment der Saison gesorgt. Die Eruption nach dem späten Siegtor, als jeder bereits mit einer Verlängerung rechnete, reiht sich in die größten Leipziger Stimmungsexplosionen ein, zu denen etwa Naby Keitas Siegtreffer im ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Dortmund in der Nachspielzeit oder Fabio Coltortis Treffer gegen Darmstadt gehören.

Tedesco: „Forsberg ist eine Fahne, eine Legende”

Doch Forsberg hat natürlich Recht. Genau das hat der Mann für die entscheidenden und historischen Tore bei den Leipzigern bereits ein paar Mal geschafft. Vergangenes Jahr etwa, als er RB bei Werder Bremen in der Nachspielzeit der Verlängerung ebenfalls nach Berlin schoss. Oder 2019, als der „ewige Emil” RB in der sechsten Minute der Nachspielzeit gegen Benfica Lissabon zum ersten Mal ins Champions-League-Achtelfinale beförderte – auch per Kopf. Trotz all der Matchwinner-Praxis schwärmte Forsberg: „Es ist immer wieder etwas Besonderes, so etwas vor unseren Fans zu schaffen. Sowas vergisst du nie, das ist Wahnsinn, das nimmt man für immer mit.”

Der schwedische Routinier war erst in der 62. Minute gekommen, zuvor hatte Jungstar Dominik Szoboszlai gespielt, aber ebenso wie viele eine nervöse Leistung gezeigt. „Emil ist seit sieben Jahren hier. Er ist eine Fahne, eine Legende. Und dann entscheiden zu müssen, dass er jetzt nicht spielt, weil Szobo einfach super drauf ist aktuell, ist schon schwierig", bekannte Trainer Domenico Tedesco. Also flüsterte der Coach, der bekannt für sein gutes Händchen mit Reservisten ist, dem Dribbler bei dessen Einwechslung ein: „Ich habe ihm schon mit auf den Weg gegeben, dass er das Spiel entscheiden kann." Dass er das dann per Kopf schafft, habe Tedesco „natürlich auch nicht gedacht.”

Tedescos Taktik in den zweiten 45 Minuten geht auf

Dem Tor ging übrigens eine schnelle Spielverlagerung voraus, wie sie von Tedesco in der zweiten Hälfte vorgesehen war. „Wir wollten von Außenverteidiger zu Außenverteidiger kommen, sowohl Angel als auch Benni Henrichs immer wieder in Szene setzen”, erklärte der Coach. Das ging in der spielentscheidenden Situation perfekt auf, erst hatte Angeliño eine Großchance, dann segelte gleich die nächste Flanke von Henrichs auf Forsbergs Stirn.

Tedesco erklärte seinen Mittelfeldstrategen übrigens lächelnd zum neuen „Zielspieler”. Die neue Devise bei RB laute: „Ab sofort immer Flanke auf Forsberg”.