"Keine Geduld mehr" Rose rechnet mit RB ab und sieht Demichelis vor dem Aus: "Daumen schon gesenkt"
Der frühere Trainer von RB Leipzig wirft dem Klub bei seiner Entlassung vor gut anderthalb Jahren Aktionismus und fehlenden Rückhalt vor. Seinen Nach-Nachfolger Martin Demichelis sieht er jetzt in einer ähnlichen Situation.

Leipzig/dpa, hen – Marco Rose hat mit RB Leipzig offenbar noch eine Rechnung offen. Anderthalb Jahre nach seiner Entlassung spricht der frühere Trainer ungewöhnlich deutlich darüber, was ihm in den letzten Monaten bei seinem Heimatverein gefehlt habe: Rückendeckung, Unterstützung und Geduld.
Rose bei RB: Leichtigkeit verloren
Ausgerechnet seinem Nachfolger Martin Demichelis springt Rose außerdem nun zur Seite, verbunden mit einer deutlichen Warnung an die RB-Verantwortlichen. „Die letzten Monate in Leipzig haben mit mir schon auch was gemacht“, sagte der 50-Jährige bei RTL/Sky Sport. Er habe damals ein Stück weit seine Leichtigkeit verloren. „Und natürlich brauchst du dann auch die volle Rückendeckung und Unterstützung in deiner Rolle des Vereins.“
Rose, der RB Leipzig zwischen September 2022 und März 2025 trainierte und mit dem Klub 2023 den DFB-Pokal gewann, kritisierte insbesondere die Ungeduld im Umgang mit Trainern. „Auch dort werden heutzutage viel zu früh Dinge infrage gestellt, obwohl man oft in einem Prozess ist, obwohl man hier und da verletzte Spieler hat, vielleicht auch hier und da mal das Quäntchen fehlt.“
Rose sieht Demichelis bereits angezählt
Eine Kritik, die auch als nachträglicher Vorwurf an die damalige Vereinsführung verstanden werden kann. Zum Ende seiner Amtszeit galt das Verhältnis zwischen Rose und Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff als belastet. Der hatte öffentlich beklagt, dass RB die Schwächephase des FC Bayern nicht genutzt habe. Wenig später musste Rose gehen.
Nun beobachtet Rose, der seit Beginn dieser Saison den AFC Bournemouth trainiert, wie mit seinem Nachfolger Martin Demichelis umgegangen wird. Der gebürtige Leipziger erkennt offenbar Parallelen zu seiner eigenen Situation.
"Ist nicht schön"
Er habe das Gefühl, „dass der Daumen gesenkt ist“, sagte Rose über den Argentinier. „Und das ist natürlich kein angenehmes Gefühl, und wenn sich das dann auch bestätigt, dann ist das nicht schön für die handelnden Personen.“
Rose wünsche sich deshalb mehr Verantwortungsgefühl. Allerdings, die Lage für Demichelis ist nicht ohne Grund schwierig. Nach der überraschenden Freistellung des beliebten und erfolgreichen Ole Werner im Sommer kann der 47-Jährige seine Skeptiker bislang nur bedingt überzeugen. Vor allem auswärts enttäuschte RB in Bundesliga und Champions League. Vier Pleiten, teils deftig, stehen zu Buche.
Mit Bournemouth vier Siege in Serie
Selbst beim 2:1 im DFB-Pokal gegen Drittligist Rot-Weiss Essen am Dienstagabend entging Leipzig einer Blamage erst durch zwei späte Treffer des eingewechselten Christoph Baumgartner.
Rose selbst scheint seine schwierige Leipziger Endphase inzwischen verarbeitet zu haben. Am vergangenen Sonntag feierte er mit seinem neuen Team ein 3:0 bei Manchester United und damit seinen vierten Pflichtspielsieg in Serie.
„Das Jahr Pause hat mir dann schon gutgetan, ein paar Dinge auch zu rekapitulieren“, sagte Rose. Der Trainer hat seine Leichtigkeit offenbar wiedergefunden. Und wünscht seinem Nachfolger in Leipzig jene Unterstützung, die er selbst am Ende seiner Amtszeit vermisst hat.