„Nicht Vergnügungssteuerpflichtig”

Hansa-Trainer Härtel kündigt im Pokal gegen Ex-Klub RB einen „richtigen Fight” an

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 17.01.2022, 15:02
Faust nach oben: Der Kämpfer Jens Härtel beim Aufstieg von Hansa im vergangenen Jahr.
Faust nach oben: Der Kämpfer Jens Härtel beim Aufstieg von Hansa im vergangenen Jahr. imago/Fotostand

Training war am Montagvormittag in Rostock nicht möglich. Der Wind pfiff an der Küste zu heftig, Hansa-Trainer Jens Härtel musste die Einheit vor dem Auftritt im Achtelfinale des DFB-Pokals bei RB Leipzig (Mi., 18.30 Uhr) auf den Nachmittag verschieben.

Für den 52-Jährigen ist die Runde der letzten 16 im Pokal eine Premiere und die Rückkehr an seine alte Heimat und Wirkungsstätte. Als Spieler wurde Härtel beim 1. FC Lok ausgebildet, spielte später gleich zweimal für den FC Sachsen. In den Anfangsjahren seiner Trainerkarriere holte sich der frühere Abwehrspieler sein Rüstzeug als Coach bei RB Leipzig. In der Saison 2013/14 betreute der gebürtige Rochlitzer die A-Jugend von Rasenballsport und bildete Spieler wie Smail Prevljak (heute KAS Eupen) aus und arbeitete auch mit dem damaligen Shootingstar Joshua Kimmich.

Jens Härtel: „Richtig gutes Lehrjahr” bei RB Leipzig

„Das war für mich ein richtig gutes Lehrjahr, in dem wir trotzdem unseren Job erfüllt haben und ohne Niederlage in die Bundesliga aufgestiegen sind”, erinnert sich Härtel in der Pressekonferenz vor dem Duell. „Das war der klare Auftrag, den wir mit Bravour erfüllt haben.” Auch die Eindrücke bei der ersten Mannschaft, die damals gerade in die 2. Liga durchmarschierte, prägten Härtel. „Ich hatte einen guten Draht zu Alex Zorniger, der war sehr offen, ich konnte jedes Training von ihm anschauen, Fragen stellen und mit ihm Ideen austauschen. Jeder konnte seinen Weg finden.”

Zudem lernte er von den Koryphäen Helmut Groß und Ralf Rangnick, auch wenn es gerade zwischen Härtel und Rangnick mal krachte und die Zusammenarbeit nach nur einem Jahr auf beidseitigen Wunsch endete. Doch das ist Schnee von gestern. „Wenn man sich begegnet, kann man sich guten Gewissens in die Augen schauen und die Hand geben. Sie haben so viel Erfahrung, da nimmt man etwas mit, ohne dass man sie kopieren kann oder möchte”, sagt Härtel. Einiges habe sich verfestigt, „was ich auch aktuell bei meiner Mannschaft sehen möchte”.

Härtel: „Anteile an diesem Spiel krallen”

So wird man auch von Hansa intensives Pressing im Netz und schnelle Umschaltaktionen sehen. „Es ist auf jeden Fall eine Option, situativ zu pressen und ruhende Bälle zuzustellen. Das ist immer eine Möglichkeit, um ins Spiel zu kommen und Druck auf den Ball auszuüben”, erklärt Härtel. „Sonst wird es schwierig. Wir müssen aufpassen, dass wir ihnen nicht zu viele Räume geben, denn gerade im Umschalten sind sie richtig gut. Wir müssen zusehen, dass wir die Räume im Rücken in unserem Rücken im Griff haben.”

Die generelle Marschroute des Tabellen-15. der 2. Liga ist defensiv, aber nicht zu defensiv angelegt: „Es gilt zu verhindern, dass wir so früh in Rückstand geraten. Der Knackpunkt wird sein, wie lange wir das Spiel offen halten können und idealerweise auch in Führung zu gehen”, sagt Härtel. „Je länger die Null steht, umso nervöser und hektischer wird ein Gegner.” Dann müsse sich Hansa seine „Anteile an diesem Spiel krallen”.

Ein Problem der vergangenen Wochen: Der Zweitligaaufsteiger schießt zu wenige Tore und macht zu wenig aus herausgespielten Chancen. „Wir waren nie die schlechtere Mannschaft, aber wir haben die Spiele nicht gewonnen, weil wir die Effektivität nicht gezeigt haben”, analysiert Härtel.

„Intensität und Qualität von RB Leipzig spüren”

Zwar sei die Partie angesichts der Übermacht des Gegners in einer für Hansa heiklen Situation aus Sicht des Trainers „nicht vergnügungssteuerpflichtig”. Doch gegen einen Bundesligisten wie RB zu spielen sei schließlich „nicht selbstverständlich für uns, wir sollten uns darauf freuen, das genießen und uns gegen eine solche Mannschaft beweisen und nicht verstecken.” Ein Erlebnis ja, aber ohne Ehrfurcht. Härtels Rostocker sollten keineswegs „nur Applaus klatschen und staunen, was die Leipziger alles so gut können, sondern versuchen, sich selbst und seine Leistung in der Vordergrund zu stellen und die abzurufen und einen richtigen Fight abzuliefern.”

Denn letztlich, sagt Jens Härtel: „Man kann viel Video schauen, aber letztlich muss man die Intensität und die Qualität eines solchen Gegners im Stadion spüren und schauen, ob wir einen Fuß in die Tür bekommen.”