RB Leipzig

Desorientiert beim Power Play - Die Spieler von RB Leipzig nach dem 1:4 gegen die Bayern in der Einzelkritik

Von Martin Henkel, Ullrich Kroemer 12.09.2021, 10:28
Oft einen Schritt zu spät: Lukas Klostermann versucht Ex-RBler Sabitzer zu stellen
Oft einen Schritt zu spät: Lukas Klostermann versucht Ex-RBler Sabitzer zu stellen imago images/Jan Huebner

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 1:4 gegen den FC Bayern gesehen:

Peter Gulacsi: Bei vier Gegentoren klingt das paradox, aber Peter Gulacsi war einer der besten Leipziger. Der Torhüter war bei den Treffern weitgehend machtlos. Maximal bei Musialas 0:2 hätte er den Fuß etwas schneller ausfahren können. Sonst entschärfte er weitere Großchancen gegen Lewandowski (49., 53.) und Sabitzer (88.) bravourös. Note: 2,5

Nordi Mukiele: Hatte die meisten Ballkontakte aller Leipziger (89), überhaupt lief viel mehr über die rechte Seite als noch in Wolfsburg. Doch der Franzose war beim Power Play der Bayern nach der Pause bei beiden Treffern desorientiert im Rückzugsverhalten. Da hatten es seine Gegenspieler zu leicht. Versuchte sich offensiv stets hoch anzubieten, doch da fehlte es bei den Hereingaben wie gewohnt an Präzision. Note: 4

Willi Orban: Stabiler Bolide in der Abwehr mit starken Zweikampf- und Passwerten, der jedoch mangels Geschwindigkeit immer mal von den Bayern-Flitzern überholt wurde. War beim 0:2 nicht an Musiala dran und war nach 80 Minuten platt und wurde durch Lukas Klostermann ersetzt. Note: 3

Mohamed Simakan: Stieß gegen Lewandowski & Co. an seine Grenzen, war unsauberer im Aufbauspiel als in den Spielen zuvor und verlor zu viele Zweikämpfe (6/16). Arbeitete aber gut mit Orban zusammen, die ihre Stellungsfehler gegenseitig ausbügelten. Hatte große Räume zu schließen, weil oft mit Orban hinten allein. Note: 3,5

Angeliño: Interpretierte seine Rolle auch in der Viererkette sehr offensiv, was hinten Löcher riss, aber auch zu Chancen führte. Hätte eine der beiden Top-Gelegenheiten verwandeln müssen (6., 35.). Noch nicht wieder in der Form wie vor einem Jahr. Note: 3,5

Konrad Laimer: Sein präziser 25-Meter-Kracher zum 1:3 brachte RB zurück ins Spiel. Ein Traumtor, für das er direkt ausgewechselt wurde. Zuvor Licht und Schatten: War stark im Pressing und Gegenpressing mit vielen Balleroberungen, leitete mit einem kapitalen Ballverlust im Mittelfeld aber auch das 0:3 ein. Note: 2,5

Kevin Kampl: Drehscheibe im Mittelfeld und emsiger Balleroberer, ballsicherer als der Routinier ist keiner. Doch ihm fehlte der Zug nach vorn, offensiv zu unsichtbar, um spielentscheidend einzugreifen. Apropos spielentscheidend: Dass ihm der Ball an den Oberarm sprang, was zum frühen Elfmeter führte, war äußerst unglücklich. Note: 3,5

Christopher Nkunku: Gibt nichts zu beanstanden an den Qualitäten des jungen Franzosen: Die sind exzellent. Aber er konnte sie gegen die Bayern kaum zur Entfaltung bringen. Wenig Einfluss auf das Konterspiel an diesem Abend und nach hinten keine große Verstärkung für Nordi Mukiele. Gegenspieler Alphonso Davies entwischte ein ums andere Mal und bediente so Musiala zum 0:2. Beste Szene: Die Vorlage zu Olmos Schuss in der 45. Minute Note: 3,5

Dani Olmo: Erster Auftritt nach einem Sommer-Mammut-Programm mit EM und Olympia für Spanien. Bis zu seiner Einwechslung bester Mann auf dem Platz bei RB, was nicht heißen soll, dass Olmo Spitzenklasse gewesen ist. War aber immer präsent, stemmte sich gegen die Klasse der Bayern, fand hin und wieder Lücken in den Pressingmaschen des Gegners. Nur die Abschlüsse waren qualitativ unter Schnitt. Einen Schuss aus guter Position schoss er weit am Tor vorbei, die größte Chance vergab er aus 15 Metern freistehend mit dem linken Fuss. Dass Neuer noch mit den Fingerspitzen dran war, täuschte darüber hinweg, dass der Ball übers Tor gegangen wäre.  Note: 2,5

Dominik Szoboszlai: Erhielt den Vorzug vor Emil Forsberg und nach dieser deftigen Packung stellt sich die Frage: warum? War ein Schatten seiner Talente. Hatte keine Bindung zum Angriffsspiel, war langsam in seinen Entscheidungen, spielte körperlos und auch sein Freistoßfuss blieb ohne Wirkung an diesem Abend. Unverständlich, wie er nach drei Spielen mit Ungarn und diesem Auftritt gegen die Bayern 90 Minuten auf dem Platz blieb. Note: 4

André Silva: Der Portugiese bemüht sich weiterhin, das RB-Spiel zu verstehen. In Frankfurt bekam er entweder Kontertore aufgelegt oder er wurde durch Filip Kostics Flanken bedient. Beides klappt bei RB bislang nur selten. Flanken erreichten den Sommer-Zukauf keine und nur einmal gelang ein Steckpass, den der Feinfuss umgehend zu einem Treffer verwertet. Die Abseitslinie im Kölner Videokeller verwehrte ihm aber die Anerkennung. Eine Zweikampfquote von elf Prozent lassen Entwicklungsraum fürs Gegenpressing und Eins-zu-Eins-Situationen Note: 3,5

Josko Gvardiol (59.): Der junge Kroate war der bessere Angeliño. Spielte mutig, ging auch mal ins Dribbling, war schnell, ballsicher, verteidigte solide und schaltete sich immer wieder ins Angriffsspiel ein. Note: 2,5

Amadou Haidara (59.): Ersetzte Konrad Laimer im zentralen, defensiven Mittelfeld. Kein überragender Job, ließ sich von Davies düpieren, der Ex-RBler Sabitzer bediente, Gulacsi hielt das 1:3 fest. Und öffnete die Gasse für Kimmich bei dessen Pass auf Choupo-Moting vor dem 1:4. Note: 3,5

Emil Forsberg (59.): War ein belebendes Element nach seiner Einwechslung: voll da, gedankenschnell, kurbelte das RB-Umschaltspiel an. Letztendlich brachte aber auch seine Einwechslung wenig. Note: 3

* Wir bewerten nur Spieler, die vor der 70. Minute zum Einsatz kamen.

(RBlive/hen/ukr)