Die RB-Profis in der einzelkritik

Harmonie im Sturmgetümmel

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 02.10.2022, 18:12
Feinjustiertes Spiel im gegnerischen Sechzehner: Timo Werner und Christopher Nkunku.
Feinjustiertes Spiel im gegnerischen Sechzehner: Timo Werner und Christopher Nkunku. (imago/Christian Schroedter)

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 4:0 (2:0) gegen den VfL Bochum gesehen:

Peter Gulacsi: Geruhsamer Nachmittag für den Kapitän, der nichts Erntshaftes zu halten hatte. Bochum brachte in 90 Minuten einen Schuss aufs Tor. Herausragend die Quote seiner Pässe: 100 Prozent. Jeder Ball, auch die langen, landeten beim Mitspieler. Das passiert nicht oft in einer Karriere. Note: 2.

Mohamed Simakan: Sehr aktive Leistung des Mentalitätsspielers, der als Aushilfs-Rechtsverteidiger unter Rose gesetzt ist und den neuen Job mit defensiver Zweikampfhärte, gutem Stellungsspiel und Zug nach vorn gut macht. In der ersten Hälfte lief viel über seine rechte Seite. Und doch merkt man bei aller Hingabe, dass Simakan von seinen technischen Qualitäten her kein Außenverteidiger ist. Flanken beispielsweise gehört nicht zu seinen Stärken. Musste nach einer Stunde angeschlagen raus. Note: 2,5.

Willi Orban: Hatte alles im Griff, ordnete seine Kollegen gut, wachsam in der Restfeldverteidigung, aber auch nicht wirklich geprüft. Ein Offensivkopfball bei einer Ecke. Note: 2,5.

Josko Gvardiol: Deutlicher Formanstieg des Kroaten, strahlte wieder die Extraklasse der Vorsaison aus, war spielfreudig und passsicher, hatte 134 (!) Ballkontakte und baute das Spiel stabil auf.  Note: 2.

Marcel Halstenberg: Guter, erster Auftritt des Linksverteidigers unter Marco Rose. Stimmiges Wechselspiel auf der linken Seite mit Timo Werner. Bereitete das 1:0 vor, indem er gallig nachsetzte und gut positioniert war und holte den zweiten Elfmeter heraus. Kann in der Viererkette wieder besser seine Stärken ausspielen. Note: 2.

Kevin Kampl: Präsente Anspielstation und Ruhepol im Mittelfeld, muss sich aber seine zu häufigen Pirouetten abgewöhnen, wenn er bisweilen auch ohne große Bedrängnis um die eigene Achsel kreiselt und nach hinten passt. Das verschleppt das Spiel, wird Rose auf Dauer nicht gefallen. Generell ließ sich aber auch Kampl von der neuen Aktivität anstecken, wenngleich er selbst noch zwingender und zielstrebiger werden kann. Note: 3.

Xaver Schlager: Emsiger Balleroberer, Meister des Gegenpressings, der sich immer wieder auch lange Diagonalpässe auf Timo Werner traute. Gerade in Abwesenheit von Laimer ein immens wichtiger Faktor im Spiel, der auch abseits des Spielfelds als Sprachrohr der Mannschaft wichtiger wird. Note: 2,5.

Dominik Szoboszlai: Hatte selbst zwei gute Abschlusssituationen, in denen er zu mittig abzog. Absolvierte als präsenter Spielmacher, der immer auch den Rückwärtsgang einlegte, wenn es nötig war, eine gute Partie. An vielen gefährlichen Angriffen beteiligt. Bisweilen noch eine Spur zu sehr schlampiges Genie. Hat noch viel mehr im Tank, wie Marco Rose sagen würde. Note: 2,5.

Timo Werner: Seine mit Abstand beste Partie seit seiner Rückkehr nach Leipzig. Fühlt sich auf der linken Seite als Flügelstürmer wohl, ließ sich bisweilen tief fallen und schuf sich selbst Räume, hatte auch gute Aktionen am Ball, bisweilen aber zu einfache Ballverluste. Wichtig, dass er gleich zu Beginn traf und sch Selbstvertrauen holte. Stand beim zweiten Treffer goldrichtig. Hatte acht (!) Abschlüsse und Chancen für mindestens zwei weitere Tore. Note: 1,5.

Christopher Nkunku: Erzielte wie Werner einen Doppelpack und vergab dabei sogar noch einen Elfmeter, den er besonders elegant verwandeln wollte. Den ersten, den er selbst herausgeholt hatte, brachte er sicher im Tor unter. Glänzte vor allem durch viele Schussvorlagen. War viel am und im gegnerischen Strafraum unterwegs, wechselte häufig die Positionen. Zeigte, dass er gemeinsam mit Timo Werner und André Silva gut funktionieren kann. Note: 1,5.

André Silva: Erhielt nach der Partie ein Extralob von Trainer Rose, weil er gut mitspielte, viele Situationen kreierte, gut mitpresste und sogar nach hinten arbeitete. So aktiv hat man den Portugiesen selten gesehen. Muss sich aber auch selbst belohnen, zögerte bei seiner Großchance einen Tick zu lange, sodass er noch bedrängt wurde und der Ball an den Pfosten ging und Werner profitierte. Note: 2,5.

Benjamin Henrichs (65.): Kam für den angeschlagenen Simakan, ist unter Rose nicht gesetzt, sondern muss an seiner Form arbeiten, damit er seinen Platz im Team wieder findet. Ordentliche Leistung, doch nach vorn fehlt etwa bei Flanken die Präzision. Note: 3.

* Wir bewerten nur Spieler, die vor der 70. Minute eingewechselt wurden.

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