RB Leipzig

Hat FC Bayerns Mentalcoach Max Pelka gelogen? Abgang wirft Schlaglicht auf RB Leipzigs Probleme

Von Martin Henkel 04.12.2021, 08:35
Der Meister und seine Gehilfen: Ralf Rangnick mit Jesse Marsch und Psychologe Pelka
Der Meister und seine Gehilfen: Ralf Rangnick mit Jesse Marsch und Psychologe Pelka imago/Picture Point LE

Ein Psychologe, der die Widersprüche und Blockaden bei RB löst, das wär’s jetzt. Aber da ist niemand, seit Maximilian Pelka im Sommer RB verließ, wobei nie ganz klar war, was der 33-Jährige eigentlich an den Köpfen der Spieler so verzapft hat. Pelka war immer irgendwie mit da, oft sah man ihn mit dem Trainerstab kicken – mehr schlecht als recht.

Dennoch hätte RB-Coach Jesse Marsch gern mit dem ehemaligen Amateurfußballer und Sportpsychologen zusammengearbeitet. Aber Pelka wurde im Sommer die Last seines Jobs zu schwer. Angeblich. Nein, winkte er das Angebot des US-Amerikaners ab. So erzählte es Marsch unter der Woche. „Er sagte, das hätte private Gründe und er bräuchte mehr Zeit für seine Familie.“

Hat Pelka gelogen?

Wie verblüfft aber war der 47-Jährige, als Pelka „drei Wochen später bei Bayern München“ anheuerte. Hat der Mentalcoach sich aus Leipzig weggelogen? Fast muss man es annehmen.

Ob es ein Verlust ist, lässt sich nur aus der Innenperspektive am Cottaweg beantworten. Marsch erklärte: „Es war schade für mich. Ich kenne Max aus der Vergangenheit und ich hatte gehofft, dass wir uns miteinander zusammentun können.“ Er will den Vereinsoberen deshalb „sofort danach gesagt“ haben, „dass wir Unterstützung im Mentalbereich brauchen. Für mich, für den Stab, für die Spieler. Das ist gang, ganz wichtig“, so Marsch weiter, der auf seine Ehefrau verwies. „Sie arbeitete in den USA auf diesem Gebiet für viele Jahre. Ich weiß deshalb, wie wichtig es ist, dass eine Mannschaft mental gesund ist. Und: auch der Trainer.“

Das Ganze ist ein Stückwerk

Die Vereinsspitze ließ den Posten trotzdem unbesetzt. Jetzt macht sich das Fehlen bemerkbar. Monate zuvor hatte Marsch allerdings noch gesagt, er könne den Job erstmal mit übernehmen. Das war zu einer Zeit, als die Sonne noch über dem neuen Trainer und dem Personal des Vorsaisonzweiten schien.

Mittlerweile erweist es sich als Fehlentscheidung, wie sich in Berlin einmal mehr zeigte, wo der Kader der Sachsen wie mit schwerem Feldgepäck über den Rasen der Alten Försterei stiefelte. Das Ergebnis: die nächste Pleite für den Champions-League-Teilnehmer, man steckt bei 18 Punkten fest und spürt den Sog nach unten.

Kein Sportdirektor, kein Sportpsychologe – zwar „alles Ausreden“ für Marsch bei der Suche nach den Ursachen für die vermurkste Hinrunde, aber da ist für diese wichtigen Positionen trotzdem niemand. Das Ganze bei RB erweis sich so immer mehr als Stückwerk, verantwortet in den Glasbüros im oberen Stock der Akademie, wo man so langsam mit den Folgen konfrontiert wird, nämlich: bald auch kein Trainer mehr. Zumindest nicht den aktuellen. (RBlive/hen)