Wer hat den "besseren Deal" gemacht?Angelino vs. David Raum: Die Linksverteidiger im Duell Mann gegen Mann

Von RBlive/bbi Aktualisiert: 04.11.2022, 11:28
Wer spielt die bessere Saison: Angelino (l.) in Hoffenheim oder David Raum (r.) bei RB Leipzig?
Wer spielt die bessere Saison: Angelino (l.) in Hoffenheim oder David Raum (r.) bei RB Leipzig? (Foto: imago/motivio/Kirchner-Media)

Am Samstag kommt es beim Bundesliga-Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und RB Leipzig (15.30 Uhr live bei Sky) zu einem brisanten Wiedersehen. Angelino, von RB aktuell an die Kraichgauer ausgliehen, trifft auf seinen Ex-Klub mit seinem Nachfolger David Raum.

Der Transfer-Tausch der Linksverteidiger war in der Sommervorbereitung ein heiß diskutiertes Thema, auch bei den Fans. Angelino spielte eine gute Saison 2021/22 mit drei Toren und 13 Vorlagen, bekam dann aber Shootingstar Raum vor die Nase gesetzt und hatte keine Perspektive mehr bei RB.

Als Reaktion wechselte der bei den Leipziger Fans sehr beliebte Spanier zu Hoffenheim, zunächst auf Leihbasis. Seine Sicht des Linksverteidiger-Tauschs hatte der meinungsfreudige 25-Jährige bereits geschildert: "Die TSG hat den besseren Deal gemacht. Ganz einfach."

Aber stimmt das wirklich? Ein Blick in die Statistiken, "Mann gegen Mann"!

Spielminuten und Startelfeinsätze: David Raum kommt auf 1437 für Leipzig, Angelino auf 996 für Hoffenheim. Beide gehören damit zum festen Inventar ihres Klubs. Angelino stand in 92 Prozent aller TSG-Spiele in der Startelf (zwölf Einsätze ingesamt), Raum in 83 Prozent bei RB. (19 Einsätze insgesamt). Die etwas geringere Quote bei Raum lässt sich durch die deutlich höhere Belastung durch Champions League und Länderspiel-Reisen und die damit verbundene Rotation erklären. 

Tore und Vorlagen: Dass David Raum bei RB offensiv noch kein großer Faktor ist, räumte der 24-Jährige jüngst selbskritisch ein. Lediglich eine Torbeteiligung steht bei 19 Einsätzen in der Statistik. Was hier aber immer etwas untergeht: Auch Angelino ist da nicht wirklich stärker. Der Spanier kommt auf ein Tor und zwei Vorlagen. Zwei dieser Scorerpunkte holte er aber beim 5:1-Kantersieg im DFB-Pokal gegen ein desolates Schalke 04. Auch hier ist also reichlich Luft nach oben.

Flanken und Torschussvorlagen: Kein Bundesligaprofi schlägt laut dpa-Statistik mehr Flanken als Angelino (41). Effektiv sind diese aber selten - siehe seine Torbeteiligungen. Bei Raum sind es 33, Platz sieben in der Liga. Auch der Leipziger Linksfuß ist also fleißig aber glücklos. Deutlich besser als Angelino ist Raum bei den Torschussvorlagen: 2,7 sind es beim RB-Profi, 2,1 bei seinem Vorgänger.

Laufleistung: Auf fast identische Werte kommen beide in diesen Punkt. 11,2 Kilometer sind es bei Raum im Schnitt pro Partie, Angelino weist 11,11 Kilometer auf. 

Kicker-Noten: David Raums bislang überschaubere Leistung bei RB Leipzig schlagen sich auch im Notenschnitt wieder. Beim Fachmagazin "kicker" steht da eine schwache 4,05 zu Buche - nur Emils Forsberg und Kevin Kampl sind schlechter. Angelino ist mit einer 3,85 geringfügig besser als sein Leipziger Vorgänger. Doch ist der Spanier tatsächlich der schwächste Hoffenheim-Profi in dieser Kategorie.

Preis/Leistung: RB hat sich den Raum-Transfer im Sommer stolze 26 Millionen Euro kosten lasten - obwohl in Angelino bereits ein starker Linksverteidiger langfristig unter Vertrag stand. Hoffenheim machte aus der Situation das Beste, lieh Angelino aus und sicherte sich eine Kaufoption, die 20 Millionen Euro betragen soll. Die TSG ging also kein großes Risiko ein, RB schon eher.

Fazit: Bei "Preis/Leistung" hat der Deal tatsächlich Vorteile für die Kraichgauer gebracht. In allen sportlichen Belangen ist Angelinos forsche Aussage zum "besseren Deal" nicht wirklich haltbar: Er in dieser Saison nicht wirklich stärker als Raum, wird aber offenbar in der Regel positiver wahrgenommen als sein Nachfolger bei RB Leipzig.

Die nackten Zahlen zeigen lediglich: Beide Profis spielen bei ihren neuen Vereinen deutlich schwächer als in der Vorsaison bei ihren alten. So gesehen, wartet der Linksverteidiger-Tausch des Sommers noch auf einen echten Gewinner, weil beide unter ihren Möglichkeiten bleiben.