Investor Kölmel über Berlin, RB und Mateschitz

"Ich fiebere dann doch eher bei Union mit"

Michael Kölmel ist als Filmunternehmer und Retter zahlreicher Ostklubs bekannt. In einem Interview sprach er nun über Union Berlin und RB Leipzig.

Von Thomas Fritz 25.11.2022, 08:21
Filmunternehmer Michael Kölmel.
Filmunternehmer Michael Kölmel. IMAGO / Christian Grube

Filmunternehmer Michael Kölmel ("Kinowelt") steckte vor 20 Jahren Geld in zahlreiche Ostklubs. Er rettete unter anderem Union Berlin zweimal vor der Pleite. In Leipzig baute er das einstige Zentralstadion in die moderne WM-Arena um, 2017 kaufte ihm RB Leipzig die Red Bull Arena ab. Kölmel nutzt das Rund weiter als Veranstaltungsstätte. 

Im Interview mit der Bild sprach der 67-Jährige nun über Union Berlin und RB, die letzten beiden Klubs mit denen der Investor finanziell noch verbunden ist. Besondes die Entwicklung der Eisernen freut Kölmel, "weil bei Union eine unheimliche Identifikation herrscht. Union ist ein erfolgreiches Ost-Modell.“

Dagegen seien Dynamo Dresden und der 1. FC Magdeburg "immer latent gefährdet". Er sei stolz, dass es bei Union so geklappt hat. "In Berlin haben wir das meiste Geld investiert – das ist vollständig aufgegangen. Union schwimmt sich frei, auch durch die Fernsehgelder und die Euro League.“

Mehr Herzblut bei Union als bei RB Leipzig

Auch über die großen Erfolge von RB Leipzig ist der Unternehmer glücklich - wobei bei Union für ihn persönlich mehr Herzblut dabei ist. Bei Union ist er Ehrenmitglied und sitzt im Aufsichtsrat der Stadionbetriebs AG. Als RB in der Champions League gegen Real Madrid spielte, musste Kölmel unweigerlich daran denken, wie RB 2009 aus dem Ei schlüpfte. „Es ging mir wieder mal durch den Kopf, wie alles anfing. Es war ja am Anfang mühsam. Es war ein schönes Spiel. Aber ehrlich: Ich fiebere dann doch eher bei Union Berlin mit.“

Die Entwicklung bei RB hat er immer für möglich gehalten. "Ich habe daran geglaubt, dass sich eine Stadt wie Leipzig diesen Fußball erlauben kann, weil Zuschauer kommen – und das WM-taugliche Stadion war sicher ein Baustein."

Kölmel traf sich häufiger mit RB-Gründer Mateschitz

An den kürzlich verstorbenen Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat Kölmel nur gute Erinnerungen. Drei oder vier Mal haben sich die beiden getroffen. Als Mensch sei er angenehm gewesen. "Er war nicht mit Kohorten von Bodyguards unterwegs, kam sogar mal mit dem Motorrad.“

Kölmel hatte die Aufgabe, den SSV Markanstädt zur Kooperation mit RB zu bewegen, nachdem der angedachte Partner FC Eilenburg in die sechste Liga abgestiegen war. Mit dem FC Sachsen waren Gespräche zuvor gescheitert.

"Die wollten dann ja auch nicht und Red Bull wollte keinen Stress haben, zumal es mit Mallorca, Düsseldorf, Unterhaching andere Optionen gab. Am Ende war die Konstruktion, dass man einen neuen Verein gründet und das Spielrecht von einem anderen Klub holt", berichtet Kölmel, der bei RB noch eine Loge bis 2040 besitzt. "Wenn ich dann noch lebe, verlängert sich der Vertrag. Meine Enkelkinder müssen schon schauen, dass es mir gut geht."