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Lob für Krisenmanager Demichelis Was der Sieg gegen den HSV für RB wert ist

Trotz Kantersiegs gegen den HSV stehen Struktur und Stabilität bei RB Leipzig weiter auf tönernen Füßen. Wie Trainer Martin Demichelis in der Drucksituation agiert.

14.09.2026, 14:24
Mit jeder Faser: Martin Demichelis.
Mit jeder Faser: Martin Demichelis. (Foto: imago/Picture Point LE)

Leipzig/ukr/mit dpa – Am Montagvormittag stand Trainer Martin Demichelis in aller Ruhe auf dem Trainingsplatz am Cottaweg, verfolgte das Spielersatz-Training der Wechselspieler, das im Wesentlichen die Assistenztrainer leiteten, die übrigens auch Englisch mit der Mannschaft sprechen können. „Micho” beobachtete, motivierte, nahm immer mal wieder aktiv an der Trainingseinheit teil und und schlug dabei einige ausgezeichnete Flanken.   

Lesen Sie hier: Die Reaktionen nach dem 5:0 von RB gegen den HSV

Demichelis hatte trotz der Unruhe in Klub und Umfeld die Ruhe bewahrt und das Team zu einem klaren Sieg gegen den weiter torlosen HSV geführt. „Dieser Sieg kam im richtigen Moment, eine wichtige Reaktion der Jungs”, atmete er nach dem Sieg auf. Kapitän David Raum lobte die Qualitäten des Coachs als Krisenmanager. „Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, wenn einen alle gerade schlechtreden, dann zeigt, sich wie man zusammenhält”, sagte Raum. „Da hat er Größe bewiesen, hat sich mit uns allen zusammengesetzt in einzelnen Gruppen, hat vor der Mannschaft gesprochen und war direkt positiv.” Auch mit Raum habe er lange zusammengesessen und die Führungsspieler und die Kabine positiv mit in die Situation einbezogen. 

Gute Personalauswahl und Ingame-Coaching

„Micho” traf gute und mutige Personalentscheidungen, indem er etwa Neil El Aynaoui und Tidiam Gomis aufstellte und Nicolas Seiwald und Christopher Nkunku auf die Bank setzte. Als sich Assan Ouédraogo verletzte, stellte er zur zweiten Hälfte um und beorderte Gruda auf die Zehn, zog Gomis nach rechts und stellte Nkunku in die Sturmspitze. Nachvollziehbar, denn als Zehner fehlt Nkunku die Spritzigkeit, um mit nach hinten zu arbeiten.

Doch auch Demichelis weiß: Fünf Tore übertünchen nicht die Unzulänglichkeiten im RB-Spiel. „Wir haben hier zu Hause acht Tore geschossen, auswärts sieben Stück bekommen. Über dieses Thema müssen wir reden”, sagte der Argentinier. RB dürfe kein Team mit zwei Gesichtern sein. Doch das Problem hat wohl weniger etwas mit Heim- oder Auswärtsschwäche zu tun, sondern mit der weiter phasenweise ungeordneten Defensive – auch im eigenen Stadion.

RB sucht weiter nach defensiver Struktur

Selbst gegen den HSV ließ RB zehn Torschüsse zu, das Pressing griff zu Beginn der Halbzeiten nicht. Laut xGoals-Wert hätten die Hamburger ein Tor verdient gehabt. Noch immer sucht Leipzig in Phasen des Spiels nach defensiver Struktur und Stabilität, was stärkere Gegner als der HSV auch ausgenutzt hätten. Doch natürlich war das 5:0 gegen die Hamburger eine starke und auch in der Deutlichkeit eine dringend notwendige Reaktion auf die Startkrise zuvor.

„Heute war auch nicht alles perfekt, aber am Ende haben wir 5:0 gewonnen und wir brauchen uns nicht zu beschweren”, kommentierte Raum. Demichelis kündigte an, nun in dieser Woche bis zum schweren Auswärtsspiel am Sonntag in Leverkusen in Ruhe an den Schwachstellen arbeiten zu können (15.30 Uhr). Demichelis' deutsche Lieblingsvokabel lautet „quatschen” – das steht auch in dieser Woche wieder auf dem Programm. Noch steht der zarte Aufschwung auf tönernen Füßen. Die Nagelprobe, wo RB tatsächlich gegen einen ebenbürtigen Gegner steht, wartet am Sonntag. Dann entscheidet sich auch, wie ruhig oder ungemütlich die dreiwöchige Länderspielpause für Demichelis wird.