DFL macht Druck auf Politik

Leipziger Epidemiologe warnt vor Omikron: "Hygienekonzepte sind gescheitert"

Von SID/RBLive 19.01.2022, 16:31
Die Corona-Verordnung in Sachsen sorgt für weitgehend leere Ränge in der Red Bull Arena
Die Corona-Verordnung in Sachsen sorgt für weitgehend leere Ränge in der Red Bull Arena (Foto: imago/Picture Point LE)

Die vier großen deutschen Profiligen haben in der Zuschauerfrage den Druck auf die Politik erhöht und machen sich für eine Rückkehr zu standortbezogenen Konzepten stark.

Nach SID-Informationen fordern die Deutsche Fußball Liga (DFL), die Deutsche Eishockey Liga (DEL), die Handball-Bundesliga (HBL) und die Basketball Bundesliga (BBL) in einem gemeinsamen Brief an das Kanzleramt und an die Ministerpräsidenten das Ende des Pauschalverbotes.

„An einigen Stellen ist sogar die Existenz bedroht“, heißt es in dem Schreiben, das von Donata Hopfen (DFL), Gernot Tripcke (DEL), Frank Bohmann (HBL) und Stefan Holz (BBL) unterzeichnet wurde. Ticketeinnahmen seien in allen Ligen wesentlicher Part der Refinanzierung, die Corona-Pandemie bereite „massive Probleme“. Zuerst hatten der kicker und die Bild-Zeitung berichtet.

DFL und Profisport wollen "Rückbesinnung auf standortbezogene, differenzierte Konzepte"

„Es geht uns darum, dass bestimmte Personengruppen, zum Beispiel 2G-Plus, wie auch in anderen Bereichen zugelassen werden“, sagte Tripcke dem SID, „es geht nicht um irgendwelche absoluten Zahlen oder Prozentsätze.“

Die Vertreter der Initiative Profisport Deutschland schlagen mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen am 24. Januar „die Rückbesinnung auf standortbezogene, differenzierte Konzepte vor – und damit eine Abkehr von pauschalen Verboten und Reduzierungen“. Nach dem Beschluss kurz vor Weihnachten für bundesweite Geisterspiele sind derzeit nur wenige Fans in den Arenen erlaubt.

Die Ligen wiesen zudem auf das Engagement des Profisports in der Pandemie hin. Verbände und Klubs hätten „nimmermüde für Impfung und Vorsicht geworben, zudem ein weltweit beachtetes Hygienekonzept entwickelt“. Daher sei es „nicht nachvollziehbar, dass der Profi-Sport aktuell an vielen Stellen objektiv schlechter gestellt ist als andere Lebensbereiche“, heißt es in dem Brief.

Leipziger Epidemiologe warnt: Omikron kann Teamsporarten komplett lahmlegen

Nach Ansicht des Epidemiologen Markus Scholz stellt die Omikron-Variante hingegen eine neue Form der Bedrohung dar und könnte insbesondere sämtliche Teamsportarten lahmlegen.

„Ich sehe die Hygienekonzepte im Mannschaftssport als gescheitert an. Mit der Omikron-Variante ist Mannschaftssport kaum noch sicher durchführbar“, sagte Scholz, der im Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie der Universität Leipzig tätig ist, dem Nachrichtenportal watson.

Dabei bezieht sich der Wissenschaftler nicht nur auf die Fälle bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft während der aktuell laufenden EM, sondern auf sämtliche Sportarten. „Generell sind alle körpernahen Mannschaftssportarten zurzeit durch die wesentlich ansteckendere Omikron-Variante beeinträchtigt“, sagte Scholz.