RB Leipzig

Manager von Dynamo Dresden: Rivalität zu RB Leipzig wird nach der Krise weitergelebt

Von Ullrich Kroemer 16.04.2020, 10:31
Dynamo Dresdens Manager Michael Born.
Dynamo Dresdens Manager Michael Born. imago/Dennis Hetzschold

Im Rahmen der Interessensvertretung Teamsport Sachsen arbeiten 21 sächsische Topteams sowie inzwischen auch der Olympiastützpunkt Leipzig zusammen, um gemeinsam die Folgen des Coronavirus' zu bewältigen. Initiiert von Karsten Günther, Manager des Handball-Erstligisten DHfK Leipzig, finden sich die Verantwortlichen der Profiklubs aus Fußball, Eishockey, Handball, Volleyball, Basketball und American Football regelmäßig in nächtlichen Videokonferenzen zusammen, um Problemlagen und Lösungsansätze auszutauschen, wirtschaftliche Schieflagen und Insolvenzen zu verhindern sowie im Gespräch mit der sächsischen Landespolitik mit gemeinsamer, starker Stimme aufzutreten.

Die Konstellation ist bislang einmalig. Sonst rivalisierende Klubs wie etwa BSG Chemie und Lok Leipzig, Dynamo Dresden und RB Leipzig oder Erzgebirge Aue, Chemnitzer FC und FSV Zwickau präsentieren sich in der Krise als Einheit.

Die Mitteldeutsche Zeitung/RBlive hat bei vier der Fußballklubs aus Leipzig und Dresden nachgefragt, wie sie die aktuelle Zusammenarbeit begreifen.

RB Leipzig: Austausch „intensiver” als sonst

RB Leipzig: Der Fußball-Erstligist in Person von Ulrich Wolter, Direktor Operations von RBL, war von Beginn an dabei, als Günther anfragte, um die Kräfte der sächsischen Spitzenklubs zu bündeln. Es sei absolut sinnvoll, heißt es aus dem Verein, dass die „wichtigsten Stakeholder des sächsischen Sports” zusammenkommen, um Know-how, Kontakte und Informationen auszutauschen und die besprochenen Themen dann wieder in die jeweiligen Ligen deutschlandweit weiterzutragen.

Was die Zusammenarbeit mit den Rivalen angeht, betonen sie bei RB, sei man auch sonst im Beirat des Fanprojektes, bei Ligaversammlungen oder Nachwuchsspielen in Kontakt miteinander. Doch aktuell ist der Austausch „intensiver”, weil im Mittelpunkt stehe, dass die „Institutionen” des sächsischen Sports an einem Strang ziehen.

Dynamo-Manager Born: „Rivalität begründet sich auf tiefgreifenden Überzeugungen”

SG Dynamo Dresden: Für Michael Born, kaufmännischer Geschäftsführer von Fußball-Zweitligist SG Dynamo Dresden, steht der Austausch mit der sächsischen Politik im Mittelpunkt des Klub-Zusammenschlusses. Der Dialog sei „offen, eng und für alle Seite gewinnbringend”, sagt Born auf Anfrage. „Wir versuchen uns dort im Interesse des Sports in Sachsen einzubringen. Das ist für uns als mitgliederstärkster Fußballverein des Bundeslandes selbstverständlich.”

Born betont, dass die Funktionäre von „Dynamo Dresden und Rasenballsport Leipzig auch in der Vergangenheit bereits zusammen an Tagungen teilgenommen haben und dabei auch ins Gespräch gekommen” seien. Zu eng sollen die Bande zwischen den beiden so unterschiedlich geführten und geprägten Klubs aber nicht werden. „Die Rivalität zwischen Dresden und Leipzig begründet sich im Alltag doch auf tiefgreifenden Überzeugungen. Sie können sich sicher sein, dass der Weg und die Methode, Profi-Fußball zu leben, in Dresden und Leipzig sich auch in Zukunft für jeden erkennbar voneinander unterscheiden werden”, so der Ex-Paderborner.

Born betont: „Wir sind ein demokratischer Traditionsverein mit über 23.000 Mitgliedern, die den Verein mitgestalten. Gestern, heute und auch übermorgen wird Dynamo Dresden den Menschen und keinem Unternehmen gehören. Die Rivalität wird auch in Zukunft ganz sicher weitergelebt werden, wenn Normalität in unser Leben Einzug gehalten haben wird.” Doch momentan habe der Wettbewerb Pause. „Es geht für die gesamte Gesellschaft gerade darum, große Herausforderungen gemeinsam zu stemmen. Der Fußball steht gerade nicht an erster Stelle”, sagt Born.

Lok-Präsident Löwe: „Aktuelle Situation ist eine Zäsur”

1. FC Lok Leipzig: Präsident Thomas Löwe, der die „Loksche” bei Teamsport Sachsen vertritt, weist auf die bereits vom Freistaat bereitgestellten zehn Millionen Euro für den sächsischen Spitzensport hin. „Dieses Rettungspaket gibt Sicherheit, dass kein Verein unverschuldet in die Insolvenz gehen muss”, sagt Unternehmer Löwe. „Wir erfahren gerade weltweite Hilfe und müssen noch nicht darauf zurückgreifen, aber keiner kann sagen, wie lange die Krise dauert.” Lok hat bereits über 128.000 virtuelle Solitickets zum Preis von einem Euro verkauft. Die Käufer kommen aus der ganzen Welt.

Was die Solidarität auch mit den Stadtrivalen Chemie und RB angeht, betont Löwe, dass es „keine Berührungsängste” gebe. „Die Offiziellen der Vereine haben schon immer sachlich zusammengearbeitet, wo es nötig war. Aber die aktuelle Situation ist auch eine Zäsur: Themen, die vor sechs, sieben Wochen noch im Mittelpunkt standen, spielen derzeit gar keine Rolle mehr. Heute geht es darum, wie man sich unterstützen kann. Ich habe noch keinen Fan erlebt, der sich darüber beschwert hätte.”

Chemie-Manager Müller-Papra: „Es geht nicht um Befindlichkeiten”

BSG Chemie Leipzig: „Nicht nur die BSG ist in diesen Zeiten davon abhängig, Hilfe von außen zu erhalten”, sagt Chemie-Geschäftsführer Andy Müller-Papra. Chemie bringe sich vor allem dadurch ein, „die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus in Sachsen umzusetzen und gehen mit gutem Beispiel voran. Wir setzen unsere Sportlerinnen und Sportler als Vorbilder und Multiplikatoren für die Werte ein, die den Sport ausmachen und gerade jetzt für uns alle so wichtig sind - für Disziplin und Durchhaltevermögen, Kampfgeist und Fair Play, vor allem aber für Teamgeist und Zusammenhalt.”

Über den konkreten Dialog auch mit Stadtrivale Lok sagt er nur: „Es geht hier überhaupt nicht um irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten, sondern vielmehr darum sich gegenseitig zu unterstützen.” (RBlive/ukr)