RB Leipzig

Mit Kung-Fu ins Finale: Die Spieler von RB Leipzig nach dem Pokal-Krimi in der Einzelkritik

Von Martin Henkel 01.05.2021, 11:30
Viel Kung-Fu im Spiel: Yussuf Poulsen
Viel Kung-Fu im Spiel: Yussuf Poulsen imago images/Picture Point LE

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 2:1 (1:1, 0:0, 0:0)-Sieg im DFB-Pokal-Halbfinale bei Werder Bremen gesehen:

Peter Gulacsi: Wie so oft: Kraken-Peter hatte nicht allzuviel zu tun gegen Bremen. Vielleicht hält er sich seine Zukunft bei RB ja deshalb offen, wer weiß... Einmal musste er einen Schuss von Sargent entschärfen (10.), einmal eine Werder-Ecke kurz vor dem regulären Ende, alle anderen Versuche der Bremer gingen drüber oder - teils knapp - daneben. Beim vermasselten Rückpass von Upamecano vor dem 1:1 sah aber auch der Ungar nicht gut aus. Die Frage, ob rauskommen oder drinbleiben, entschied er mit: irgendwas dazwischen. Note: 3.

Dayot Upamecano: Sehr wacklig, hin und wieder mit schlechtem Stand und schwachen Nerven wie bei seinem Rückpass auf Gulacsi vor dem 1:1: ein zittriger Auftritt des neuen Bayern-Spielers. Note: 3,5.

Ibrahima Konaté: Spielte im Dreierketten-Zentrum und bekam es mit Ex-RBler Davie Selke zu tun, der den langen Franzosen ab Mitte der ersten Halbzeit ein ums andere Mal nervte und ihm die Kopfbälle stahl. Fing sich erst, als der frühere Leipziger Stürmer den Platz verließ. Note: 3,5.

Willi Orban: Der Meister der kühlen Nerven bekam seit langem mal wieder das Zittern. Ließ sich von der Nervosität seiner Nebenleute anstecken und hatte vor allem gegen Sargent und Osako einige Probleme, auch Selke nervte den Abwehrchef. Setzte einen Ecken-Kopfball in Willi-Manier aufs Bremer-Tor ab, der an die Querlatte sprang. Note: 3.

Nordi Mukiele: Engagiert wie immer, athletisch, viel Verve, viel Wollen - aber kein überragendes Können an diesem Abend. Hatte in der Defensive nicht allzuviel zu tun, nach vorn lief aber auch nicht alles wie erwünscht zusammen. Kaum eine Flanke in den Strafraum, kaum ein Pass, der ankam. Hatte selbste eine große Torchance, der Pfosten verhinderte den Einschlag (53.). Hätte aber nicht gezählt, Mukiele stand im Abseits. Note: 3.

Kevin Kampl: Viel Routine war gefragt, um gegen Frikadellen-heiße Bremer die Ruhe zu behwahren. Kampl hatte sie. Hielt die Defensive zusammen, sorgte für Mentalität und Struktur - und leitete den Siegtreffer mit seinem Lupfer auf Hwang ein.  Note: 2,5.

Angeliño: Ist (noch) nicht wieder der alte "Angel" wie vor seiner Verletzung. War viel am Debattieren mit seinen Kollegen, oft genervt, bekam mehrfach spanische Anweisungen von Nagelsmann übermittelt und hatte die alten Problem, seine vielen Pässe und Flanken in den Strafraum zielgenau abzusetzen. Drei aber führten zu Großchancen. Einmal bediente er Sörloth kunstvoll mit dem Außenrist, der Pavlenka mit der Stirn herausforderte (4.), einmal Nkunku, der den Pfosten traf (78.) und ein weiteres Mal Poulsen, der den Werder-Keeper wieder prüfte (90.+4). Note: 3.

Amadou Haidara: Brachte die nötige Mentalität mit, die es für einen Pokalfight braucht. Bedeutet aber immer auch, am Rande von Verwarnungen zu spielen. Holte sich gegen Ende der ersten Hälfte von Gräfe Gelb an und musste deshalb aus Sicherheitsgründen in der Pause Nkunku weichen.  Note: 3.

Dani Olmo: Nagelsmann wollte den Spanier in der zweiten Hälfte eigentlich vom Feld nehmen und durch Forsberg ersetzen. Der Mittelfeldspieler kam mit der Gangart des Gegners lange nicht zurecht, schien genervt, hatte kaum Anbindung ans Spiel, verhedderte sich im Bremer Netz oder spielte konventionelle Pässe. Mitte der zweiten Hälfte aber ging ein Ruck durch den 22-Jährigen, der fortan überall zu finden war, clever dribbelte, den Gegner stresste, Bälle klaute und gefährliche Pässe spielte - darunter den auf Poulsen, der zum 1:0 führte. Note: 2,5.

Marcel Sabitzer: Erster Einsatz nach seiner Wadenverletzung, die ihn im "Irrenhaus" Weserstadion nach 74 Minuten zwang, das Feld zu räumen. Bis dahin kaum auffällig, hatte auf der "Acht" keinen großen Einfluss aufs Spiel, wurde bei Ballbesitz meist gedoppelt und weitgehend an den linken Feldrand gedrängt. Hatte nur 45 Ballkontakte, aber immerhin: laut "kicker" eine Zweikampfquote von 100 Prozent. Ein Sabitzer ist auch gehandicapt immer heiß. Note: 3,5.

Alexander Sörloth: Dritter Starteleinsatz des Norwegers in Serie, der Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker gab, auch denen in der Kabine. War bis auf seinen Kopfball in der 4. Minute komplett ungefährlich, hatte keine Bindung zum Spiel, bewegte sich schwerfällig wie ein Zementsackschlepper, verlor viele Zuspiele, verlor so gut wie jedes Kopfballduell (der Stürmer ist 1,98 Meter groß), und scheint im Team nicht sonderlich gelitten. Wurde ein ums andere Mal für seine Laufwege oder Zuspiele gerüffelt und ansonsten weitgehend ignoriert.  Note: 4.

Christopher Nkunku (46.): Ersetzte den Gelb-Rot-gefährdeten Haidara und sollte mehr Ballkontrolle und Spielwitz in die Partie bringen. Veränderte für eine Weile die Dynamik im Spiel entscheidend, indem er in alle Richtungen klug die Fäden zog und Bälle verteidigte. Hatte einmal einen Treffer auf dem Fuß, sein Schuss klonkte aber gegen den Pfosten (78.) und bereitete Orbans Lattentreffer vor (65.). Musste in der 114. wegen einer Verletzung wieder runter, was ihn freilich nur halb gegrämt haben dürfte. Er machte Platz für Matchwinner Emil Forsberg. Note: 2,5.

Yussuf Poulsen (74.): Spielte erst an der Seite seines Turm-Partners Sörloth im Sturm, danach allein auf weiter Flur in der Spitze der RB-Elf. Brachte wie immer die nötige Power mit, diesmal im Kung-Fu-Style, den sein skandinavischer Buddy Forsberg spätzer zum 2:1 aufnahm. Allerdings fehlte dem Dänen ein wenig Fortune. Kam drei, vier Mal in gute Abschlusspositionen, letztenlich aber war sein Kopfball, den Pavlenka kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit abwehrte, Poulsens gefährlichste Aktion. Er kann sich immerhin zugutehalten, dass er am 1:0 beteiligt war, in dem er das Zuspiel von Olmo seinem Gegenspieler Gebre Selassie ans Bein spitzelte. Von dort flipperte der Ball Hwang vor die Füße. Note: 3.

Hwang (90.): Der nächste Kurzeinsatz (20.) des stillen Südkoreaners - und der erste Ausweis der Klasse, die in ihm steckt. War agil, präsent, immer anspielbar und fand stets die richtigen Gassen. So wie vor seinem 1:0 und der Kopfballvorlage auf Forsberg zum Last-Minute-Siegtreffer. Ein kurzer Einsatz mal wieder, aber knackig. Note: 1,5.

(RBlive/hen)