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  5. Nachwuchs-Reform bei RB Leipzig: So will David Wagner den ersten Profi aus der eigenen Akademie entwickeln

Nachwuchs-reform am Cottaweg So will David Wagner den ersten Profi für RB entwickeln

Der Ex-Bundesliga- und Premier-League-Trainer David Wagner will als neuer RB-Nachwuchschef der Erste sein, der ein Talent nachhaltig in den Profikader führt. Im Interview mit Ullrich Kroemer verrät der 54-Jährige sein Rezept.

Von Ullrich Kroemer 31.03.2026, 04:00
Finger in die Wunde: David Wagner krempelt den RB-Nachwuchs um.
Finger in die Wunde: David Wagner krempelt den RB-Nachwuchs um. (Foto: imago/Picture Point LE)

LeipzigDavid Wagner wurde von seinem guten Freund Jürgen Klopp installiert, um den Nachwuchs bei RB Leipzig auf Vordermann zu bringen. Nach einem dreiviertel Jahr setzt Wagner den neuen Kurs um, der durchaus eine Revolution für die Nachwuchsarbeit nicht nur in Leipzig, sondern in Deutschland generell darstellt. Ein Gespräch in der RB-Akademie am Cottaweg über eine grundlegend neue Denke in der Jugendförderung und Wagners Vorhaben, die RB-Akademie zu reformieren.

Herr Wagner, Sie sind jetzt ein dreiviertel Jahr in Leipzig. Wie gefällt es Ihnen im neuen Klub, in der neuen Stadt, in der neuen Rolle?
David Wagner: Privat passt alles, insbesondere seitdem meine Frau seit Januar auch mit hier wohnt. Wir haben eine schöne Wohnung gefunden, nicht zu weit weg von der Akademie, aber trotzdem ruhig. Wir freuen uns jetzt auf unseren ersten Sommer in Leipzig. Und in meiner neuen Aufgabe waren die ersten Monate sehr ereignisreich, herausfordernd, spannend, auch mal stressig, alles war neu. Aber ich bin glücklich, mich vor neun Monaten dafür entschieden zu haben.

Worin bestand Ihre Grundmotivation, als Jürgen Klopp Sie anwarb, den Job als Nachwuchsleiter zu übernehmen?
Ich hatte bewusst für mich festgelegt, dass ich nicht mehr als Cheftrainer arbeiten wollte. Aber diese Aufgabe hier hatte ich bis dato nicht auf dem Radar. Warum ich zugesagt habe, ist einfach erklärt. Erstens vertraue ich den führenden Köpfen wie Jürgen Klopp bei Red Bull Soccer und Marcel Schäfer bei RB Leipzig extrem und glaube an sie. Ich weiß, wenn die sich etwas in den Kopf gesetzt haben und umsetzen wollen, dann schaffen die das auch – und zwar mit aller Energie und allem Enthusiasmus.

Und zweitens?
Diese Akademie erfolgreicher zu machen und Nachwuchsspieler dauerhaft hier zu etablieren, ist mein innerer Antrieb. Ich habe im Fußball in den vergangenen 25 Jahren einiges erlebt – in verschiedenen Ländern, auf verschiedenen Niveaus, Ligen und Altersklassen. Das will ich einbringen und betrachte es als riesige Herausforderung, die Veränderungen anzuschieben.

„Im internationalen Vergleich hinken wir hinterher”

Wie sind Sie vorgegangen?
In den ersten vier, fünf Monaten habe ich mir einen Überblick über die Nachwuchsarbeit in Leipzig, aber auch in Deutschland generell verschafft. Ich wollte alles kennenlernen, habe viele Gespräche geführt. Danach ging es darum, die personellen und strukturellen Veränderungen anzuschieben und umzusetzen. Wir haben angefangen, neue Konzepte zu entwickeln, weil wir in Deutschland generell, aber auch hier in Leipzig weitere Entwicklungsmöglichkeiten in der Nachwuchsausbildung haben. Im internationalen Vergleich hinken wir hierzulande bei der Förderung hinterher. Jetzt geht es darum, wie wir Dinge verbessern, um wieder attackieren können.

Was ist Ihnen in Leipzig bei Ihrer Analyse aufgefallen?
Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen: Bisher haben wir die Zwölf- bis Dreizehnjährigen aus ihren Familien heraus in unser Internat geholt, obwohl die Talentprognose in diesem Alter fast unmöglich ist. Wir brauchen die Stärke, in Ausnahmefällen frühestens in der U15 oder dann in der U16 Spieler zu uns zu holen – selbst wenn wir dann ein, zwei Talente verlieren und die U15 ein bisschen weniger erfolgreich ist. Aber wir müssen uns vielmehr auf die konzentrieren, bei denen die Talentprognose wahrscheinlicher ist.

„Die Engländer machen grundlegende Dinge besser als wir”

Was verändern Sie konkret?
Wir sollten uns im Allgemeinen für neue Themen öffnen. Ich habe fast sieben Jahre in England gearbeitet und dort festgestellt, dass die Engländer ganz grundlegende Dinge besser machen als wir. Dazu gehört beispielsweise, dass sie ein besseres games programme haben. Spieler in England spielen im Alter von 16 bis 19 Jahren etwa 60 bis 65 Wettbewerbsspiele pro Saison, unsere U19 bei RB hat in dieser Saison etwa 30 Partien – je nachdem, wie weit sie in der Deutschen Meisterschaft kommt. Das muss man mal über vier Jahre hochrechnen. Wir sind jetzt dabei, das games programme umzustellen, zum einen durch externe Impulse wie die Einführung der U21-Liga. Zum anderen durch die bewusste Teilnahme an weiteren Formaten wie zum Beispiel dem Premier League International Cup.

Was noch?
Jugendausbildung in Deutschland ist wahnsinnig fokussiert auf Ergebnisse und den Mannschaftserfolg. Auch die Mannschaften hier trainieren die Woche über, um am Wochenende ein Resultat zu erzielen. Doch das ist meiner Meinung nach nicht der richtige Ansatz. Eine Profimannschaft trainiert überwiegend für Resultate, aber eine Mannschaft in der Jugendakademie sollte über Wochen und Monate trainieren, um Toptalente besser zu machen – und wenn möglich auch Spiele zu gewinnen. Aber der Zweck des Trainings sollte es hier nicht primär sein, Spiele zu gewinnen, sondern höchstens eine Konsequenz aus der Trainingsarbeit und Entwicklung. Das ist in Deutschland der riesige Unterschied zu anderen Ländern: Wir trainieren Profifußball mit Jugendmannschaften. Wir sollten deshalb Grundsätzliches verändern, weil wir nicht immer weiter das Gleiche tun können.

Was heißt das konkret für RB?
Wir müssen uns hier in Leipzig öffnen, neue Wege zu gehen, bunter werden, internationale Einflüsse und Knowhow von außen zulassen.

Sie haben bereits personelle Änderungen vorgenommen.
In Steve Weaver haben wir einen Waliser als Akademieleiter verpflichtet, der 20 Jahre Akademieerfahrung bei guten Akademien auf der Insel gesammelt und Spieler entwickelt hat, die für viele Millionen Pfund weiterverkauft wurden. Als ich Cheftrainer in England war, hat er für meine Teams bei Huddersfield und Norwich Spieler entwickelt, mit denen ich bei den Profis gut arbeiten konnte. Und diese Akademien waren hinsichtlich Infrastruktur und Standards weit weniger gut ausgestattet als unsere.

„Wir trainieren, um unsere Topspieler besser zu machen”

Das klingt erstmals nach einem tiefgreifenderen Wandel, seitdem hier ab 2013 strukturiert Nachwuchsausbildung betrieben wurde.
Ich bin nach Leipzig gekommen, um Themen anzupacken und zu verändern. Derzeit befinden wir uns mitten in diesem Prozess. Der Plan ist, bis zum Sommer einen Großteil so umgesetzt zu haben, dass wir mit einem angepassten Mindset, mit einer anderen Herangehensweise angreifen können. So wollen wir dafür sorgen, Topspieler auszubilden, die sich nachhaltig in unserem Profikader festsetzen können.

Was heißt nachhaltig?
Nachhaltig bedeutet für mich, dass einer aus der eigenen Akademie zum Beispiel 100 Spiele für die Profis macht. Ja, das ist ambitioniert und ja, wir sind ein junger Verein, aber das haben wir eben noch nicht geschafft, und das macht den Job ja auch so spannend.

Worauf liegt dabei Ihr Fokus? Steht für Sie ausschließlich die individuelle Entwicklung von einzelnen Toptalenten im Vordergrund oder auch die Red-Bull-Spielphilosophie als Akademie-Markenkern?
Wir trainieren, um unsere Topspieler besser zu machen. Dass wir neulich 4:3 gegen den FC Bayern gewonnen und das Spiel gedreht haben, war ein toller Erfolg. Aber richtig happy war ich darüber, dass zum Beispiel ein Samba Konaté ein richtig gutes Spiel gemacht, zwei Tore geschossen hat und noch drei weitere Großchancen hatte. Darum geht es, daran messen wir uns.

Das heißt, die gemeinsame Spielphilosophie der Red-Bull-Klubs ist eher nachgeordnet?
Nein, aber sich in ein Spielsystem einzuordnen und trotzdem Spieler zu entwickeln, beißt sich ja nicht. Wir haben klare Prinzipien, wollen mit Viererkette und Flügelspielern spielen. Das wurde von Red-Bull-Soccer für alle Clubs und Nachwuchsteams erarbeitet und zusammen mit Jürgen Klopp vorgestellt.

„Es funktioniert nur mit Veränderungen”

Der Einschnitt bringt personelle Änderungen mit sich. Dass Aufstiegsheld Sebastian Heidinger als U19-Trainer aufhören muss, hat in der Fanszene hohe Wellen geschlagen. Weshalb war das notwendig?
Ich habe in dem Fall aber für mich entschieden, einen Cut zu machen und uns hier neu aufzustellen. Keine angenehme Entscheidung, denn ich weiß um seinen Stellenwert und seine Verdienste im Verein. Aber wie gesagt: Wir wollen uns in Teilen auch in den Trainerteams mit Einflüssen von außen neu aufstellen, Trainer dazuholen, die in kleineren Akademien sehr erfolgreich gearbeitet haben. Man kann Veränderung nicht nur aus sich selbst heraus schaffen. Das hat nichts mit dem Typ oder der Expertise von Sebastian Heidinger und anderen zu tun. Wir haben hier sehr viele gute und fleißige Mitarbeiter. Aber am Ende funktioniert es meiner Meinung nach nur mit Veränderungen, wenn du etwas entwickeln willst.

Es gab mal die Idee, Identifikationsfiguren aus vergangenen Tagen wieder in den Klub zu holen, um die RB-DNA der frühen Jahre weiterzugeben. Aber das ist Ihnen weniger wichtig als frischer Wind?
Nicht unbedingt, ich nehme gern beides. Tim Sebastian zum Beispiel ist neuer U17-Trainer. Das eine schließt das andere überhaupt nicht aus.

Wie lief das bei Ihnen als junger Spieler Anfang der 1990er Jahre. Sie haben unter dem früheren Leipziger Jörg Berger bei Eintracht Frankfurt Ihr Bundesligadebüt gegeben.
Richtig, ich wurde als 19-Jähriger für eine halbe Stunde für Anthony Yeboah eingewechselt. Ich bin in der Nähe von Frankfurt groß geworden, wechselte dann zur A-Jugend zur Eintracht und spielte ein Jahr Amateure. Da habe ich bei den Profis immer wieder mittrainiert und plötzlich saß ich bei diesem Heimspiel gegen Bochum zum ersten Mal im Mannschaftsbus, war zum ersten Mal im Kader und habe gleich gespielt. Leider nur remis und dann war Jörg Berger einen Monat später nicht mehr Trainer und wurde von Dragoslav Stepanovic abgelöst. Da war meine Karriere bei Eintracht Frankfurt beendet und ich wechselte zu Mainz 05.

Inwiefern ist das mit der Situation heute vergleichbar?
Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, aber im Kern war das nicht anders als heute. Es brauchte das Momentum, das bei den Profis der Bedarf da war, und einen Trainer, der mutig war und sich traute, mich spielen zu lassen. Ich muss bei ihm anscheinend nachhaltig Eindruck hinterlassen haben, weil er mich 1995 aus Mainz aus der 2. Liga zu Schalke holte, obwohl ich aufgrund eines Schien- und Wadenbeinbruchs neun Monate nicht gespielt hatte.

Lesen Sie morgen in Teil 2 des Interviews mit David Wagner mit RBlive, woher seine Seelenverwandtschaft zu Jürgen Klopp rührt und wie ihn der legendäre Uefa-Cup-Sieg von Schalke 1997 geprägt hat.

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