RB Leipzig

Nächster Auswärts-Flop: Die zwei Gesichter von RB Leipzig

Von Ullrich Kroemer 30.08.2021, 06:38
Kein Platz für Genies: Xaver Schlager und Anthony Brooks gegen Dominik Szoboszlai.
Kein Platz für Genies: Xaver Schlager und Anthony Brooks gegen Dominik Szoboszlai. dpa/Swen Pförtner

Wolfsburgs Trainer Mark van Bommel war nach dem verdienten 1:0 (0:0)-Erfolg gegen RB Leipzig hoch zufrieden. „So wie wir das Spiel vorbereitet haben, so ist es auch gelaufen: die Räume, die Leipzig bespielen wollte und die wir selbst bespielen wollten – das hat gut gepasst”, sagte der Niederländer. Selbst ein wenig verblüfft, dass der Plan eins zu eins aufging.

Dabei war es stets die Stärke von RB, den Gegner so zu stressen und spielerisch so unberechenbar zu agieren, um sie vor Überraschungen zu stellen. Doch auswärts läuft das in dieser Bundesligasaison bislang umgekehrt. Wie bereits beim 0:1 in Mainz ließ sich Rasenballsport durch konsequentes Gegenpressing, Leidenschaft und Kampf des Gegners niederringen. Das Spiel nach vorn ist zu statisch, durchschaubar und viel zu harmlos. So blieb Leipzig auch im zweiten Auswärtsspiel hintereinander auf fremden Plätzen torlos – ein Novum.

„Wir haben nicht genug Duelle gewonnen, waren zu passiv und vorn nicht dynamisch und gefährlich genug”, sagte Trainer Jesse Marsch. Der Coach sprach den „Unterschied zwischen Spielen zu Hause und auswärts” direkt an: „Es muss klar sein, dass wir auswärts besser spielen und mehr Kontrolle im Spiel haben, sodass die gegnerischen Fans nicht so viel Leidenschaft einbringen können.”

Klostermann: „Ideen im Freilaufverhalten haben gefehlt”

Im offensiven Mittelfeld, gegen Stuttgart daheim noch das Prunkstück, lief nicht viel zusammen, Stürmer André Silva hatte wieder keine Bindung zum Spiel. Emil Forsberg und Christopher Nkunku waren zu sehr im Künstler-, anstatt im Kampfmodus, probierten Ablagen mit der Sohle, wo ein sicherer Ball angebracht gewesen wäre. Viel lief über die linke Seite, Dominik Szoboszlai auf Rechts stand oft sehr weit außen und wurde wenig gesucht. „Wir haben ihn etwas breiter in einem Dreieraufbau postiert, manchmal auch auf der Zehnerposition in der Roten Zone, um mehr Bälle in den Sechzehner oder in die Halbspur zu kriegen”, erklärte Marsch zur taktischen Idee.

Doch die Spieler wie Lukas Klostermann scheinen vor allem auswärts, wenn die Gegner aggressiver spielen und Leipzigs Techniker nicht nach Belieben kombinieren können und die Bälle nicht so präzise gespielt werden, mehr Anleitung zu brauchen. „Der allerletzte Punch, die letzten Ideen im Freilaufverhalten und Power haben gefehlt, um klare Torchancen herauszuspielen. Das muss besser werden”, sagte Klostermann einigermaßen ratlos. Wie der Kontrast zwischen Heim- und Auswärtsauftritt aus seiner Sicht zustandekommt? „Dafür habe ich keine Erklärung”, räumte der Nationalspieler ein. „Wir müssen es in Zukunft hinkriegen, dass wir sowohl daheim als auch auswärts das Gesicht zeigen, für das wir stehen.”

Dass Marsch nach dem zu passiven Start die Grundordnung gegen den Ball umstellte, brachte die Leipziger nur kurzzeitig zum Ende der ersten Hälfte besser ins Spiel. „Ob es daran lag, dass wir es nicht gut genug umgesetzt haben oder dass der Gegner sich darauf eingestellt hat, müssen wir analysieren”, sagte Klostermann.

Marsch: „Wir müssen bereiter für den dynamischen Moment sein”

Trainer Jesse Marsch forderte vor den kommenden Spitzenspielen gegen den FC Bayern München im eigenen Stadion und bei Manchester City in der Champions League: „Wir müssen schärfer und bereiter für den dynamischen Moment sein. Da müssen wir klarer sein, was die Aufgaben vorn sind, damit wir gefährlichere Momente haben. Das ist der nächste Schritt für uns.”

Nach dem schlechtesten Start von RB in der Bundesliga überhaupt ist Marsch bewusst: „Wir haben einen hohen Anspruch hier, um gute Spiele zu absolvieren und Erfolg zu haben. Das habe ich vor drei Jahren gelernt.” Als er damals in der Saison 2018/19 als Co-Trainer unter Ralf Rangnick bei RB in die Lehre ging, stabilisierte sich das Team nach unruhiger Anfangsphase durch konsequente Rückbesinnung auf die reine Pressing-Gegenpressing-Lehre und eine stabile Defensive. Damit sich die Gegner – auch auswärts – wieder die Zähne an RB ausbeißen und von Leipzigs Spielweise verblüfft sind, und nicht umgekehrt. (RBlive/ukr)