Neuer Red-Bull-Fußballchef Impulse vom Weltenbummler: Was Schmidt besser als Klopp machen soll
Der Red-Bull-Fußball und RB Leipzig erhoffen sich von Roger Schmidt mehr Präsenz und Expertise als Jürgen Klopp sie liefern konnte. An diesem Donnerstag beginnt der 59-Jährige seinen Job als neuer Head of Global Soccer.

Leipzig/Salzburg – Während Jürgen Klopp an diesem Donnerstag mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien schon unter Druck steht, hat sein Nachfolger Roger Schmidt bei Red Bull beim sogenannten Onboarding seinen ersten Arbeitstag in Salzburg. Der 59-Jährige ist neuer, einflussreicher Chefberater des Red-Bull-Fußballs und tritt in die großen Fußstapfen seiner Vorgänger Klopp, Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff. Mehrfach wurde Schmidt als Trainerkandidat bei RB genannt, nun nimmt er in übergeordneter Rolle Einfluss bei Rasenballsport.
Im Gegensatz zu Klopp ist Schmidt eher unter Fußballkennern ein klangvoller Name, weniger in der breiten Öffentlichkeit. Doch inhaltlich könnte es für den Job wohl kaum einen Geeigneteren geben als den Fußballlehrer aus dem Sauerland, der einst Red Bull Salzburg zu Erfolg geführt hatte und mit Stationen in Österreich, China, Portugal, den Niederlanden und zuletzt Japan ein Fußball-Weltenbummler ist. „Roger Schmidt passt mit seinem Profil perfekt ins Red-Bull-Global-Imperium. Er hat die Philosophie von Grund auf miterlebt und mitgeprägt, selbst weiterentwickelt und ausgebaut und damit bei verschiedenen Vereinen Titel eingefahren”, bewertet Professor Daniel Memmert. Der Sportwissenschaftler und Taktikexperte von der Deutschen Sporthochschule Köln ist ausgewiesener Kenner des Red-Bull-Fußballs und auch von Schmidts Arbeit.
Schmidt: „Von dem lösen, was im Fußball normal ist”
Schmidt gilt als radikaler Vertreter des Pressing-Gegenpressing-Fußballs, der diese Spielphilosophie so intensiv und konsequent denkt und umsetzt wie kaum ein anderer Vertreter. Schmidt begreift Pressing, Ballbesitz und Umschalten nicht als getrennte Spielphasen, sondern als zusammenhängendes Spielmodell. Alles mit höchstem Risiko und größtmöglicher Intensität. „Irgendwann hatte ich das Gefühl, mich von dem lösen zu wollen, was im Fußball normal ist”, wird er in einer Publikation des Werkstatt-Verlages zitiert, die man als Trainer-Handbuch lesen kann. „Das ist wie eine Identität. Diese Identität möchte ich perfektionieren.”
Nach kurzer Einarbeitungszeit hat Schmidt am 10. Oktober im Aktuellen Sportstudio seinen ersten öffentlichen Auftritt in neuer Funktion. Am 15. Oktober soll er im Rahmen des Europa-League-Spiels von Red Bull Salzburg gegen AC Milan vorgestellt werden. Lange nicht so pompös wie Klopp im repräsentativen Hangar 7, sondern wie üblich bei einer Pressekonferenz.
RB Leipzig erwartet von Schmidt mehr Präsenz und konkrete Expertise als unter Klopp
In Kürze ist er nach RBlive-Informationen auch bei Antrittsbesuchen in Leipzig gefragt, um mitzuhelfen, das Team von Trainer Martin Demichelis auf Kurs zu bringen. Grundsätzlich erhoffen sie sich bei RB mehr Präsenz und Expertise als Klopp das liefern konnte oder wollte, heißt es hinter vorgehaltener Hand am Cottaweg. Dass Klopp etwa kein einziges Mal zur gesamten Klub-Belegschaft gesprochen hat und auch wichtige Termine wie die Einweihung der neuen Geschäftsstelle verpasst hatte, war intern nicht gut angekommen. Zudem war der neue Bundestrainer im letzten halben Jahr kaum noch in der Messestadt zugegen gewesen – auch weil das Verhältnis zu Ex-Trainer Ole Werner nicht mehr existierte.
Nun muss sich in der Zusammenarbeit erweisen, wie tragfähig die Beziehung zwischen Schmidt und Demichelis ist. Beide Trainer ticken grundsätzlich ähnlich. Laut Sport-Bild soll Schmidt dem argentinischen Kollegen bislang intern auch den Rücken gestärkt haben.
Herausforderung im Multiclub-Ownership
Was Schmidt, der zugleich auch als Global Football Advisor die japanische Profiliga J1 weiterbringen soll, konkret plant – etwa in Bezug auf das 4-3-3-Grundformation, die Klopp an allen Red-Bull-Standorten etablierte –, bleibt abzuwarten. Doch es ist angesichts von Schmidts Innovations- und Gestaltungsdrang davon auszugehen, dass es Korrekturen geben wird. Sein Team ist zunächst kleiner als das von Klopp. Unter anderem der globale Torwartexperte Thomas Schlieck, Trainerscout Jürgen Kramny sowie der Klopp-Vertraute Pete Krawietz sind ebenso nicht mehr im Team wie Ernährungsexpertin Mona Nemmer. Schmidt bringt lediglich seinen Vertrauten Oliver Noe mit, der Head of Sporting Operations wird.
Roger Schmidt sei „ein sehr akribischer Arbeiter, er wird seine Fußspuren hinterlassen”, sagt Experte Memmert. Die größte Schwierigkeit in Schmidts Job sei es, die verschiedenen Red-Bull-Standorte auf eine Linie zu bringen, gibt Experte Memmert zu bedenken. Er hinterfragt, ob es überhaupt möglich sei, eine Spielidee an verschiedenen Standorten mit verschiedenen Kulturen und Nationalitäten, Sprachen und verschiedenen handelnden Personen zu installieren. „Das ist kulturell sehr schwierig und hat noch nirgends so richtig perfekt funktioniert”, weiß Memmert. Außer vielleicht in Leipzig und Salzburg in den Anfangsjahren, die Schmidt mitprägte.