Nur ein Bundesligator seit Oktober Rätsel um Openda
RB Leipzigs Stürmer Lois Openda befindet sich in einer Schaffenskrise und war zuletzt Opfer des umgestellten Systems. Doch der Stürmer soll bald in die Startelf zurückkehren.

Leipzig – Es war Lois Openda im Dezember fast ein wenig peinlich, dass er so lange nicht zum Gespräch nach dem Spiel vorbeigeschaut hatte. Stürmer kommen nach Matches nur vor die Mikrofone und Kameras, wenn sie Tore erzielen – und das hatte RB Leipzigs Goalgetter mit zwei Treffern im DFB-Pokal und einem in der Liga gegen Eintracht Frankfurt sowie einem Tor in der Champions League gegen Aston Villa endlich wieder getan. Der Belgier entschuldigte sich achselzuckend, dass er den gesamten November nicht getroffen hatte, stand mit einem Teller Obst vor den Journalisten und bot gut gelaunt Südfrüchte an. „Ich mag das nicht, möchte jedes Spiel treffen, Assists geben und für das Team kämpfen”, hatte er damals über seine Trefferflaute gesagt.
Doch seit dem 15. Dezember – seinem bis dato letztem Saisontor – ist Openda wieder abgetaucht; seit über zwei Monaten hat der Vollblutstürmer nicht mehr getroffen; überhaupt kann er nur ein einziges Bundesligator seit Ende Oktober vorweisen. Zuletzt nach einem peinlichen, komplett kopflosen Auftritt bei Union Berlin ist der 43-Millionen-Euro-Mann erstmals seit seinem Wechsel zu RB im Sommer 2023 nicht mehr gesetzt.
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Viel weniger Abschlusssituationen als 2023/24
Noch im Oktober hatte der ebenso freundliche wie stets positive Openda vollmundig verkündet, dass er mehr Tore schießen wolle als vergangene Saison – und da waren es allein in der Bundesliga 24. Aktuell steht er nach zwei Dritteln der Saison bei sechs Treffern. Was also ist los mit „Lolo”, wie sie den 25-Jährigen nennen?
In dieser Saison kommt er in viel zu wenige Abschlusssituationen. Von durchschnittlich 3,6 Abschlüssen pro Spiel wie in der Vorsaison ist er auf 2,3 abgesackt. Mit der ohne Xaver Schlager verloren gegangenen Statik des Spiels hat auch Openda sein Gespür verloren, in welchen Räumen er sich auf dem Feld aufzuhalten hat. Der Stürmer verzettelt sich, versucht, sich tief Bälle zu holen, hielt diese aber zuletzt kaum und war letztlich oft überall und nirgends zu finden. Eine Ausnahme war zuletzt nur das Spiel gegen St. Pauli, als er eingewechselt wurde.
Openda-Bounce verschwunden
Sein berühmter Openda-Bounce, der Kontakt mit dem Oberkörper gegen den Gegenspieler im entscheidenden Moment beim Umschalten, war nicht mehr zu sehen. „Das setze ich systematisch ein”, hatte er im Herbst im ZDF-Sportstudio erklärt. „Ich muss mich durchsetzen gegen meine Gegner. Auch psychisch bin ich robust genug gestrickt, dass ich mich wehren kann”, sagte er. Doch davon war wenig zu sehen in den vergangenen Wochen.
Dazu kamen private Probleme wie ein Todesfall in der Familie, wegen dem er den Trainingsauftakt ins Jahr 2025 verpasste, und rassistische Anfeindungen im Netz, die Openda öffentlich machte und gegen die RB und Trainer Marco Rose öffentlich deutlich Stellung bezogen.
Rose: „Manchmal sehr hart für ein Tor arbeiten”
„Ich gebe ihm Vertrauen, fordere aber auch ein", erklärte Rose und deutete an, dass er mit einem Stürmer gerade ein wenig über Kreuz liegt: „Vielleicht ist das gerade der kleine Kampf, den wir ausfechten. Lois sollte realisieren, dass es, um wieder zu treffen, ein paar Attribute braucht. Dazu gehört, dass er sich nicht nur über Tore definiert, sondern auch über den Weg dorthin."
Auch wegen der Formschwäche seines zuverlässigsten Knipsers baute der Coach das Spielsystem um und ließ zuletzt statt des gewohnten 4-2-2-2 in einer 3-4-2-1-Grundordnung beginnen, mit nur einem echten Stürmer – und ohne Openda. Rose wollte so die Unwucht im unrunden Übergangsspiel beheben, mehr spielstarkes Personal auf dem Feld haben, um Angriffe mit mehr Ruhe sauberer zu Ende spielen zu lassen. Doch gerade bei den Auswärts-Nullnummern gegen Union und Augsburg ging das zu Lasten der Offensivgefahr.
Im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim (So., 15.30 Uhr) nun ist es denkbar, dass Rose zurück zum dominanteren 4-2-2-2-System findet – mit Lois Openda. Man werde den Stürmer „zeitnah wieder in der Startformation finden”, kündigte Rose an. „Manchmal fallen die Dinger rein, und manchmal gibt es Phasen, da musst du sehr, sehr hart für ein Tor arbeiten”, erklärte der Trainer. „Aber irgendwann wird bei Lois der Knoten auch wieder platzen. Er wird treffen, er wird wieder unorthodox Tore schießen, er wird uns helfen, er wird wieder wie über beide Backen strahlen”, prophezeite der Coach. Grundlage dafür sei eine sehr energetische und gute Trainingswoche des Belgiers gewesen.