RB Leipzig

Ralf Rangnick kritisiert auf DAZN Ex-Klub RB Leipzig für den Verkauf von Julian Nagelsmann zu Bayern München

Von Martin Henkel 29.09.2021, 11:30
Shakehands unter Fachleuten: Ralf Rangnick (r.) und Julian Nagelsmann
Shakehands unter Fachleuten: Ralf Rangnick (r.) und Julian Nagelsmann imago/Thomas Frey

Pünktlich zur nächsten Pleite von RB Leipzig, dem 1:2 in der Champions League gegen den FC Brügge, kocht eine Kritik des früheren Baumeisters, Sportdirektors und Trainers der "Roten Bullen", Ralf Rangnick hoch, die er bereits vor wenigen Tagen in seiner neuen Rolle als DAZN-Experte geäußert hat. Dabei bezieht sich der 63-Jährige vor allem auf den Wechsel von Ex-Trainer Julian Nagelsmann im Sommer zum FC Bayern. Ihn zugelassen zu haben, hält Rangnick für eine Fehlentscheidung!

"Wir haben Julian 2019 geholt, weil wir überzeugt waren, er hebt uns auf die nächste Stufe", sagt Rangnick im neuen DAZN-Format "Decoded". "Dann kommt der größte Konkurrent in Deutschland in Not, was die Trainerfrage betrifft, und man lässt ihn für Geld ziehen. Dabei ist Geld – das unterstelle ich mal – angesichts der Verkäufe von Upamecano, Konaté oder Sabitzer das, was RB am wenigsten gebraucht hätte. Ich hätte ganz sicher nicht zugestimmt und dem FC Bayern auch noch aus der Patsche geholfen."

Rangnick: "Ich hätte ganz sicher nicht zugestimmt"

Da Rangnick 2020 das Unternehmen RB verließ, führen jetzt Oliver Mintzlaff, Florian Scholz und Christopher Vivell die sportlichen Geschäfte. Die sahen die Sachlage vor wenigen Monaten anders und ließen Nagelsmann trotz Vierjahresvertrag ohne Ausstiegsklausel ziehen. Ein Unding in den Augen des früheren starken Mannes am Cottaweg, der 2019 seinen Abschied vom Fußballklub nahm und ein Jahr später ganz ausschied. "Ich hätte ganz klar, auch noch zu einem früheren Zeitpunkt gesagt: 'Pass auf Julian, auf gar keinen Fall, wir haben hier noch eine spannende Zeit vor uns und du bleibst'!", so Rangnick.

Wie zu hören ist, waren nach nur zwei Spielzeiten wohl Nagelsmann als auch Klubchef Mintzlaff nicht mehr vollends überzeugt davon, dass die Zusammenarbeit noch großen Spaß macht. Kaum anders ist zu verstehen, dass die RB-Führung bereits beim ersten Gespräch dem Trainer signalisierte: Wir sind offen, wenn du weg willst.

Nagelsmann: „Ich habe nicht auf die Tränendrüse gedrückt“

Im selben TV-Format beschreibt der 34-Jährige die Situation im April dieses Jahr: "Das erste Gespräch mit Oliver Mintzlaff verlief offen und total anders, als ich es erwartet habe", so Nagelsmann ebenfalls bei DAZN. "Da wurde ein Wechsel nicht kategorisch ausgeschlossen. Auf die Tränendrüse habe ich garantiert nicht gedrückt und ich wäre nicht böse gewesen, wenn ich in Leipzig hätte bleiben sollen."

So ging man nach einer Vizemeisterschaft, zwei Champions-League-Qualifikationen, einem - allerdings krachend verlorenen - Pokalfinale und einem erreichten Königsklassen-Halbfinalen nach nur zwei Jahren auseinander. Nagelsmann folgten nach München drei Assistenztrainer, ein Sportpsychologe sowie die Spieler Dayot Upamecano und Kapitän Marcel Sabitzer. In Leipzig übernahmen Jesse Marsch übernahm, Achim Beierlorzer und Marco Kurth.

Die Wunschlösung von Mintzlaff, der vor dem Spiel gegen Brügge auf die Kritik seines einstigen Berater-Klienten Rangnick angesprochen wurde. "Natürlich darf jeder Experte seine Meinung äußern, es gibt ja Meinungsfreiheit", sagte er. "Fakt ist, dass Ralf Rangnick Großartiges für den Klub geleistet hat. Nichtsdestotrotz war Rangnick die letzten zwei Jahre sportlich nicht verantwortlich. Da wurde auch gute Arbeit geleistet. Ich bin nicht gekommen, um über Julian Nagelsmann zu sprechen. Wir haben Jesse Marsch mit voller Überzeugung verpflichtet. Wir freuen uns auf die Zeit mit ihm." 90 Minuten später hatten Marsch und sein Team gegen Brügge 1:2 verloren. Es ist die fünfte Pleite im neunten Pflichtspiel unter dem Neuen. (RBlive/hen)