RB Leipzig

Rasenballisten positionieren sich gegen L.E. United

02.07.2017, 19:21
Zehn Prozent aus Sachsen-Anhalt: Fans von RB.
Zehn Prozent aus Sachsen-Anhalt: Fans von RB. imago

Der Rasenballisten e.V. hat sich auf seiner Facebookseite gegen die umstrittene Fangruppierung L.E. United des Bundesligisten RB Leipzig positioniert. In einem als „Blickpunkte zur aktuellen Entwicklung innerhalb der Fans von Rasenballsport Leipzig“ genannten Erklärung schreiben die Rasenballisten u.a.: „Wir wollen und werden keine Gruppe akzeptieren, die sich über andere hinwegsetzt, Nährboden für rechte Fans bietet und antirassistische AnhängerInnen bedroht!“Spätestens seit dem letzten Spiel der vorigen Saison, einer Auswärtspartie bei Eintracht Frankfurt, ist die Fanszene von RB Leipzig erstmals  mit einem hausinternenen Gewaltproblem konfrontiert, das für Unruhe und Zerwürfnis sorgt. L.E. United ist ein inoffizieller Zusammenschluß von RB-Fans, die als teils gewaltbereit gelten, sich selbst aber auf die Fahnen geschrieben haben, mitgereiste Fans zu organisieren, um sie angeblich so besser vor Ausschreitungen wie beim Spiel gegen Köln oder Dortmund beschützen zu können. Und sei es mit Gegengewalt, wie erst kürzlich ein Sprecher der Gruppe der Mitteldeutschen Zeitung bei einem Treffen erklärte. Zwar betont er, dass seine Gruppe keineswegs „aktiv Randale provozieren oder gegnerische Fans angreifen” wolle. Doch: „Wenn uns einer an die Wäsche will und keine Polizei zur Stelle ist, werden wir von unserem guten Recht Gebrauch machen, uns selbst zu schützen. Das kann uns niemand verwehren.”

Aggressive Agitation

Die von anderen Fans als „Blockpolizei“ bzw. „Bürgerwehr“ wahrgenommene Gruppierung, deren Markenzeichen schwarze Fischermützen sind, stellt RB und seine Anhänger erstmals vor eine Gewaltdebatte, die das bisherige Bild von friedfertigen und gewaltfreien Leipziger Fans beschädigt. So sollen Mitgieder von L.E. United auch gegen eigene Fans vorgegangen und diese bedroht haben. In Frankfurt kam es zu einem Handgemenge. Auch die Rasenballisten berichten in ihrem Schreiben auf Facebook von Übergriffen. Beim Frankfurt-Spiel, heißt es, „wurden Fans von Mitgliedern der Gruppe agitiert, beschimpft oder gar körperlich bedroht. Auch der Versuch, gegen eine ‚Refugees welcome‘-Fahne vorzugehen, sowie die dahinter stehenden Gruppen als „Scheiß Zecken“ zu betiteln, fällt ebenfalls in das Auftreten der Gruppe hinein.“

Stark alkoholisierte „Alt-Hools“

Mitglieder von L.E. United wurden der MZ von Szenekennern als teils gewaltsuchend, mit „Alt-Hool”-Charakter und zum Teil stark alkoholisiert beschrieben. Sie stammten u.a. aus dem Umfeld der beiden Leipziger Alt-Klubs Lok Leipzig oder Chemie Leipzig, die früher eine großes Gewaltproblem hatten. Rechte Gesinnung bzw. stramm konservative Haltungen seien keine Seltenheit. Der Rasenballisten e.V., der sich dagegen verwehrt, ungefragt „beschützt zu werden“, warnt davor, dass L.E. United die Kurve dominieren könnte. Er fordert, ihnen keinen Platz in der Kurve zu geben: „Wir brauchen keine Bürgerwehr im Block, die sich an der Dicke ihrer Arme  misst. Wir brauchen keine selbstermächtigte Gruppe, die Fans ihre Mündigkeit entziehen will.“

L.E. United wehrt sich

L.E. United wehrte sich am Wochenende ebenfalls via Facebook gegen eine Pauschalisierung als „Problemfans“, „Alt-Hauer“ und anderes „dummes Zeug“. Die Autoren nehmen darin Stellung zu den konkreten Vorwürfen, dass Mitglieder der Gruppe in Frankfurt einen kleinen Jungen umgeschubst und mit seinem Vater in Händel geraten seien. Man habe die Vorfälle intern aufgearbeitet, heißt es, und eine andere Sicht auf die angeblichen Vorfälle gewonnen. Darüberhinaus setzt sich das Schreiben vorwiegend mit konkreten Vorwürfen zu Gewaltbereitschaft bei Heimspielen und Auswärtsfahrten auseinander. Abschließend kommt die Gruppe zu dem Ergebnis, dass „von den meisten gegen uns erhobenen Vorwürfen praktisch nichts mehr übrig“ bliebe.

L.E United wittert hinter der angeblich negativen Berichterstattung über sie, auch in der MZ, den verschwörerischen Plan „anderer“. Konkret wird die Gruppe dabei nicht, aber Szenekenner wüßten Bescheid. Ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit, Toleranz und Vielfalt im RB-Block, die Grundlage des Zusammenhalts in der Kurve ist und Konsens seit vielen Jahren, findet sich nicht.