Österreicher dreht in 30 Minuten das Spiel Baumgartner schockt die Hafenstraße: Hat er Demichelis den Job gerettet?
Mit zwei Toren rettet Christoph Baumgartner RB Leipzig vor dem Pokal-Aus in Essen. Und bewahrt damit auch Trainer Martin Demichelis vor einer neuen Debatte über seine Zukunft.

Leipzig/Essen/sid, hen - 0:1 im Rückstand, kein Torschuss in 45 Minuten und ein Platzverweis für Nicolas Seiwald kurz vor der Pause (44.): So lag das Pokalspiel von RB Leipzig beim Drittligist Rot-Weiss Essen vor Christoph Baumgartner, als der Österreicher in der 62. Minute eingewechselt wurde. Baumgartner kommt aus einer mehrmonatigen Verletzung - schoss zwei Treffer, drehte damit die Partie und wurde mit seinem Doppelpack zum Gegner-Held an der Hafenstraße.
"Bin noch nicht bei 100 Prozent"
"Vor einer Woche hatte ich viereinhalb Monate lang kein Spiel gemacht. Ich freue mich sehr über das Spiel und weiß auch, dass es nicht selbstverständlich ist, wie das jetzt alles für mich gelaufen ist. Ich merke schon noch, dass mir eine gewisse Power trotzdem fehlt", sagte der Mann des Abends nach dem hart erkämpften 2:1 (0:1) in der 2. Runde: "Ich bin noch lange nicht bei 100 Prozent und die 30 Minuten Spielzeit waren bereits sehr, sehr am Limit. Trotzdem bin ich froh, dass ich jetzt schon einen Einfluss auf Spiele nehmen kann."
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Kein Wunder, dass Trainer Martin Demichelis für seine Verhältnisse überschwänglich wurde. Im Vorfeld der Partie hatte der Argentinier vier Auswärtsspiele in Folge verloren, teils krachend. Sein Job ist momentan nicht der sicherste der Bundesliga. "Jeder weiß, welche Qualitäten er hat. Baumi ist ein Leader, eine besondere Persönlichkeit", sagte er: "Ich möchte ihn eigentlich sofort von Anfang an spielen lassen. Aber wir müssen noch Geduld haben nach seiner Verletzung."
Erstes Saisontor für Baumgartner gegen Elversberg
Seit seinem Comeback nach einem Sehnenabriss im Oberschenkel, den er sich in der Vorbereitung auf die WM zugezogen hatte, zeigt Baumgartner, warum er für RB und seinen kritisch betrachteten Trainer aktuell eine Art Lebensversicherung ist. In der Champions League bei Real Madrid steuerte der verkappte Stürmer einen Assist zum späteren 1:4 bei, beim jüngsten 4:0 gegen die SV Elversberg gelang ihm sein erstes Saisontor.
Obwohl noch nicht in Topform, bewahrte der 27-Jährige die Demichelis-Elf bei RWE nicht nur vor dem Pokal-Aus, sondern wohl auch vor der nächsten Debatte über die eklatante Auswärtsschwäche. Zuvor war von einem Zwei-Klassen-Unterschied nämlich nicht viel zu sehen gewesen.
RB-Star sieht Leipzig auswärts verbessert
Der Drittligist hatte dem Bundesligisten einen harten Kampf geliefert. Angetrieben vom frenetischen Anhang, der jeden gewonnenen Zweikampf bejubelte, kaufte die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat dem Favoriten in der ersten Halbzeit den Schneid ab.
Das RB trotz Unterzahl die Partie drehte, war für Baumgartner ein "deutliches Zeichen, dass wir auswärts dagegenhalten können." Zu seiner persönlichen Situation sagte er: "Heute waren 30 Minuten das absolute Limit, das mit der Doc (Mannschaftsarzt, Anm. Red.) gesetzt hat. Wären wir in die Verlängerung gegangen, wäre es lustig geworden."