„Hemmungen und Blockaden lösen” So will Löw Openda und Xavi Simons bei RB in die Spur bringen
Feinfühlige Einzelgespräche und öffentliche Appelle: Zsolt Löw weiß, dass er die Stars von RB Leipzig ganz unterschiedlich anpacken muss. Lois Openda braucht eine andere Ansprache als Xavi Simons. So will der Interimstrainer die blockierten Genies wieder befreien.

Leipzig – Nur zwei Treffer hat RB Leipzigs Topstürmer Lois Openda in diesem Kalenderjahr bislang erzielt. Aus dem strahlenden 28-Tore-Mann der Vorsaison, der stets zu Scherzen aufgelegt war und ansteckende gute Laune verbreitete, ist ein Spieler geworden, der zumindest auf dem Platz mit sich hadert und ringt und selbst nach Gründen für seine Torkrise sucht.
Interimstrainer Zsolt Löw hat sich nun in einem langen Einzelgespräch bei einem Waldspaziergang vor dem DFB-Pokal-Spiel beim VfB Stuttgart ausgiebig Zeit genommen, um dem Belgier neues Vertrauen zuzusprechen und nach Gründen für die Flaute zu forschen. Vor dem Spiel gegen die TSG Hoffenheim (Sa., 15.30 Uhr) gab Löw nun ausgesprochen offen Einblicke in das Gespräch.
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Löw: „Ich kann Openda das Umfeld bieten, in dem er sich wohlfühlt”
„Ich habe ihm gesagt, dass ich möchte, dass er befreit spielt, nicht so viel nachdenkt, er hat so viel Qualität”, berichtete Löw. Wenn RB in der neuen, alten 4-2-2-2-Formation wieder mehr Chancen herausspiele und Opendas Stärken besser einsetze, werde der 25-Jährige auch wieder treffen. Durch das aktivere Pressing hat die Mannschaft wieder höhere Ballgewinne und kann Openda besser mit Schnittstellenpässen füttern. „Schritt für Schritt, wenn er zwei, drei Chancen hat, wird einer reingehen, dann löst das diese kleine Hemmung und Blockade auf und dann wird er noch viele Tore schießen bis Ende der Saison”, prophezeite der Interimstrainer.
Löw hat eine außergewöhnlich empathische Art, und kann sich hervorragend in Menschen hineinversetzen. „Ich war lange genug Spieler und Trainer, um zu verstehen, was einem Spieler in einer solchen Phase durch den Kopf geht. Keiner von denen ist eine Maschine, im Leben jedes Menschen und Sportlers gibt es schlechte Phasen”, sagte Löw.
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Gerade Openda sei ein „sehr sensitiver, feinfühliger Mensch, ihm sind viele Sachen wichtig wie seine Familie und ein stabiles Umfeld. Das braucht er alles dazu, um glücklich zu sein. Ich kann ihm dieses Umfeld bieten, in dem er sich wohlfühlt und wachsen kann und wieder zu alter Stärke zurückfinden kann”, betonte Löw selbstbewusst.
Löws Appell an Xavi Simons: „Er muss an die Mannschaft denken”
Bei Xavi Simons – der nächste Star-Problemfall – liegen die Dinge etwas anders. Statt langer Einzelgespräche fütterte Löw den Niederländer bislang mit kurzen Hinweisen rund um die Trainingseinheiten. Und er packt den Jungstar durchaus härter an als Openda. Das funktioniert, weil Löw Xavi bereits bei Paris St. Germain als ganz jungen Spieler kennengelernt und dadurch ein Vertrauensverhältnis zu ihm hat.
Bereits in Stuttgart hatte der Coach ohne Umschweife aufgezählt, was er sich von Xavi gewünscht hätte. „Wir haben Xavi weniger ins Spiel bekommen, als wir uns das gewünscht haben, aber er hatte in großen Bereichen des Spielfeldes die Möglichkeit, sich einfach freizulaufen”, hatte er erklärt. „Das ist ihm nicht gelungen. Wir arbeiten weiter daran, dass er seine Form kontinuierlich verbessert.”
Löw über Xavi Simons: „Muss sehr viel mannschaftsdienlicher denken”
Nun betonte Löw, dass sich Xavi weniger als Einzelkämpfer begreifen dürfe, sondern als Teil des Teams. „Xavi ist ein Ausnahmetalent, aber er muss soweit kommen, dass er sehr viel mannschaftsdienlicher denkt. Seine Einzelleistung ist sehr wichtig, aber er muss an die Mannschaft denken”, appellierte Löw. Gerade in der Defensive habe er bereits beim Pokal-Aus in Stuttgart viel Gutes von dem Schlüsselspieler gesehen: „Er war sehr fleißig unterwegs, hat die Räume geschlossen”, lobte Löw. „Er wird Schritt für Schritt in bessere Form kommen, und ich hoffe, dass er in den nächsten sieben Spielen unserer absoluter Leistungsträger sein wird.“