Die RB-Spieler in der Einzelkritik

Der Rose-Effekt: BVB zerschellt am Alpen-Bollwerk

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer Aktualisiert: 11.09.2022, 11:19
Kein Durchkommen für Dortmunds Bellingahm gegen Forsberg, Raum und Szoboszlai (v.l.)
Kein Durchkommen für Dortmunds Bellingahm gegen Forsberg, Raum und Szoboszlai (v.l.) (imago/jan huebner)

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 3:0 gegen Borussia Dortmund gesehen:

Peter Gulacsi: Hatte nach seinem Patzer des Jahres gegen Donezk nun gegen den BVB Gelegenheit, sich in aller Ruhe Sicherheit zurückzuholen. Bei Rückpässen war ihm anfangs die Unsicherheit mit dem Ball am Fuß in einigen Situationen noch anzumerken. Bekam aber nichts zu Halten, weil der BVB keinen einzigen Schuss aufs Tor brachte, und war zur Stelle, als sich Reus nach Doppelpass mit Brandt mal bis zur Grundlinie durchkombinierte. Gulacsi fing die Hereingabe ab. Ein geruhsamer Nachmittag für „Pete”. Note: 3.

Mohamed Simakan: Eigentlich ist Simakan kein Außenverteidiger, und das sieht man an seinen Bewegungen. Doch der Franzose hat viel Leidenschaft in sich, und das macht ihn unter Marco Rose noch wertvoller. Eroberte vor dem 2:0 den Ball und schob ihn zu Szoboszlai, dessen Schuss traumhaft ins Tor rauschte. Note: 2,5.

Willi Orban: Zog dem BVB mit seinem frühen Kopfball-Treffer den Stecker – ein immens wichtiges Tor. War gallig und extrem zweikampfstark (78 Prozent), verfolgte seine Gegenspieler auch mal bis ins Mittelfeld. Modeste & Co. sahen keinen Stich gegen den Abwehrchef. Note: 1,5.

Abdou Diallo: Hatte gleich zu Beginn einen Ausrutscher im eigenen Strafraum, der den Fans den Atem stocken ließ. Doch Wolf ist eben nicht Haaland und so hatte der Fauxpas des Zugangs keine Folgen. Stabilisierte sich danach schnell und wagte auch Vorstöße, als er sich gegen seinen Ex-Klub erfolgreich durchs BVB-Mittelfeld dribbelte. Note: 2,5.

David Raum: Das mit Abstand beste Spiel des neuen Flügelflitzers. Entwickelte erstmals im RB-Trikot jene Wucht, die ihn in Hoffenheim zum Nationalspieler machte. Spulte über Links elf Kilometer ab und zeigte ebenfalls zum ersten Mal, welche Klasse seine Flanken haben können, als er Nkunku perfekt bediente, dem der hohe Ball aber bei der Annahme versprang (54.). Absoluter Gewinner unter Rose. Note: 2.

Konrad Laimer: Sein Einsatz war fraglich: die Wade. Biss sich durch - und rein in Spiel und Gegner. Der beste Laimer seit einiger Zeit. Stopfte mit Schlager an seiner Seite sämtliche Löcher im Zentrum, grätschte, rannte, trieb an, und steckte ein, was es einzustecken gab. Musste deshalb nach 67 Minuten mit Schmerzen vom Platz.  Note: 1,5.

Xaver Schlager: War der heimliche Mann des Spiels. Bildete gemeinsam mit Konrad Laimer das Alpen-Bollwerk im defensiven RB-Mittelfeld, an dem Jude Bellingham & Co. abprallten. Zeigte unbändige Lauf- und Kampfbereitschaft. Darf im Spiel nach vorn gern noch etwas weniger fehleranfällig werden. Ein Fehlpass mitten ins BVB-Zentrum hätte teuer werden können, hätte der BVB einen besseren Tag gehabt. Note: 1,5.

Dominik Szoboszlai: Bestes Spiel im RB-Trikot für den mitunter eigenwilligen Ungarn. Erzielte das 2:0 mit einem Strahl von Schuss aus 30 Metern, zirkelte die Ecke auf Orbans Stirn vor dessen 1:0 und leitete das 3:0 ein. Vor allem aber machte er auch die Dreckarbeit im Mittelfeld mit Anlaufen, attackieren, Pressinglinien halten. Sein frühere Salzburg-Trainer scheint Wunder beim Feinfuß zu wirken. Note: 1.

Christopher Nkunku: Ist durch die Stilumstellung und Werners Rückkehr nicht mehr Konter-Zielspieler Nummer eins, was man dem Franzosen anmerkt. Die Chancen, die er bekam, misslangen ihm. Manche Körpergeste verriet Frust, dennoch der eleganteste Spieler im RB-Orchester, der jederzeit den Unterschied machen kann. Note: 3.

Emil Forsberg: Zeigte sich vom Rose-Effekt besonders betroffen. War eine Kopie seiner Ausgabe von 2016, als er der lauffreudigste Spielmacher der Liga gewesen war. Sein Gefühl für Räume und seine Technik sind unbestritten, gegen den BVB aber rannte sich der Routinier auch die Lungen aus dem Leib. Note: 2.

Timo Werner: Die Fehlschuss-Dramen aus seiner Zeit bei Chelsea sind noch nicht vorbei: Bekam durch seine Mitspieler eine Handvoll vielversprechender Bälle zugespielt, die samt und sonders (bis auf eine) misslangen. Entweder war er nicht schnell genug, oder es fehlte ihm das Vertrauen fürs Dribbling, seine Schüsse gingen vorbei oder auf den BVB-Keeper, und seine Pässe kamen entweder nicht an, oder waren zu ungenau. Trotzdem ein Unruheherd für die Dortmunder Viererkette, die sich deshalb nicht aus der eigenen Hälfte traute. Legte das 3:0 auf. Note: 3,5.

Benjamin Henrichs (67.): Ersetzte Laimer und bekam gleich zwei Mal auf die Socken, dass Gefahr bestand, er müsste gleich wieder runter vom Feld. Spielte akkurat aber ohne große Wirkung. Eine gute Einschussmöglichkeit flog gegen einen Dortmunder Schuh. Note: 3.*

*Wir bewerten nur Spieler, die vor der 70. Minute eingewechselt wurden.

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