RB Leipzig

RB Leipzigs Trainer Jesse Marsch spricht im Trainingslager in Saalfelden über EM-Fahrer wie Forsberg und Silva, über Teamgeist und den Saisonauftakt

Von Martin Henkel 25.07.2021, 21:29
Leipzigs Cheftrainer Jesse Marsch
Leipzigs Cheftrainer Jesse Marsch imago images/motivio

Anreise geschafft, das erste Training vorüber - und mit dabei so gut wie alle Spieler, die Jesse Marsch zur Verfügung stehen. Lediglich Yussuf Poulsen fehlt noch, der dänische EM-Fahrer stößt Ende der Woche dazu. Entsprechend gut gelaunt erschien der Coach von RB Leipzig nach der Auftakteinheit in sieben Tage Trainingslager in Saalfelden, Österreich zu einem kurzen Gespräch über seine Eindrücke von den ihm aus seinem Co-Trainer Jahr in Leipzig wohlvertrauen EM-Spielern, warum ihm Teambuilding so wichtig ist und was es mit einem ungarischen Omen auf sich hat.

Herr Marsch, nach Jahren in Seefeld ist RB Leipzig dieses Mal in Saalfelden untergekommen. Ihre Idee?
Jesse Marsch: Nein, das hat RB organisiert. Ich bin mal wegen Liverpool vorigen Sommer hier gewesen und habe mir ihr Training angeschaut. Ich habe heute den Witz gemacht, dass ich nur zu RB zurückgekommen bin, um noch einmal nach Seefeld zu dürfen, wo ich mit Leipzig vor drei Jahren als Co-Trainer gewesen bin.

Aber Sie mögen es trotzdem hier?
Auf jeden Fall. Es ist sehr schön hier. Wir werden viel Spaß haben und ein gutes Trainingslager.

Marsch: "Die Spieler ins bereiter als vor drei Jahren"

Sie hatten am Sonntag zum ersten Mal fast alle EM-Fahrer im Team beisammen, der Kader ist weitgehend komplett. Wie ist Ihr Eindruck von den Spielern?
Ich kenne die Jungs ja. Wir hatten eine super Einheit letzten Freitag mit allen, die nicht gegen Montpellier gespielt haben. Die Qualität war überragend. Die Gruppe ist super und mein Eindruck ist, dass die Spieler reifer als vor drei Jahren sind, erfahrener. Es ist schön für mich, mit so einer Gruppe hier zu sein.

Wieviel wert ist diese Reife für Ihre Arbeit?
Meine Leadership-Philosophie ist es, dass die Spieler innerhalb der Gruppe das Gefühl entwickeln, sie können vieles allein regeln. Sie sind bereit dafür, bereiter als vor drei Jahren.

Gibt es jemanden, der das Turnier noch nicht ganz abgehakt hat?
Nein. Ich habe das Gefühl, dass fast alle mit einem positiven Gefühl hier angekommen sind. Zuletzt hatte ich mit Pete Gulacsi und Willi Orban gesprochen, sie waren hier in Saalfelden mit Ungarn zur Vorbereitung auf die EM. Sie hatten eine sehr positive Erfahrung. Pete sagte heute zu mir: "Wenn wir genauso die Erwartungen übertreffen wie wir mit Ungarn gegen Portugal, Deutschland und Frankreich, dann werden wir eine gute Saison spielen." 

Was sind Ihre Ziele für die kommende Woche?
In erster Linie geht es um taktische Klarheiten im Spiel mit und gegen den Ball. Dazu kommen Standards und vor allem der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe, immer füreinander dazusein. Das entwickelt sich gerade und jetzt, wo wir hier zusammen sind, wird es noch enger werden. Für mich ist das die schönste Zeit mit einer Mannschaft.

Kapitänswahl und Balance

Was tun Sie, um diesen Zusammenhalt zu fördern?
Da gibt es viele Dinge. Etwas davon konnte man heute sehen. Wir haben vier Teams gebildet, die jeden Tag gegeinander mit Spaß in den Wettbewerb treten. Manchmal wird es auf dem Platz  sein, manchmal im Hotel. Ich gebe den Jungs generell immer Raum, um vor die Gruppe zu treten und etwas zu sagen. Es gibt zudem Besprechungen, Spielerrattreffen und Momente, in denen sie als Gruppe zusammenarbeiten müssen.

Apropos Spielerrat: Werden Sie im Trainingslager den neuen Kapitän bestimmen bzw. wählen lassen?
Ich habe ein paar Ideen im Kopf. Ich werde mit den Jungs reden, wie wir das umsetzen können und was meine Meinung ist. Am Ende muss ich die finale Entscheidung treffen, aber es ist wichtig, dass die Jungs spüren, sie haben Einfluss auf bestimmte Dinge.

Es sind noch zwei Wochen bis zum Pokalspiel gegen Sandhausen, sprich dem Auftakt in die Saison. Wie weit ist das Team von Ihrem erhofften Startlevel entfernt?
Ich hatte mit manchen meiner Teams in der Vergangenheit nicht vier Wochen wie jetzt, sondern acht Wochen Zeit. Und trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass wir ganz bereit sind. Es ist ein Prozess. Das Herausfordernde in der Bundesliga ist: Man muss sofort bereit sein. Jeder Tag wird deshalb wichtig für uns sein. Aber die Gruppe hat in den vergangenen Wochen sehr, sehr gut gearbeitet und macht einen starken Eindruck. Ich bin sehr stolz auf sie.

Startelf im Kopf?

Sie müssen den Abgang von zwei top Innenverteidigern kompensieren - Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté - und zwei Neue in diesen Verbund integrieren. Braucht die Abwehr besondere Fürsorge?
Nein, das Thema ist ein anderes: Wie finden wir eine Balance zwischen Belastung und Erholung? Und zwar in der Gruppe, denn manche trainieren schon seit drei Wochen, andere fangen gerade erst an. Da müssen wir genau aufpassen, damit jeder bekommt, was er braucht. Ansonsten ist der Kader überragend. Man kann die Freude spüren und der Gruppenzusammenhalt ist sehr stark. Wenn wir gesund bleiben, können wir viele Ziele erreichen.

Haben Sie bereits eine Elf im Kopf, mit der Sie in die Saison starten wollen?
Es kommt langsam, die Dinge fügen sich zusammen.

(RBlive/hen)