RB-Aufsteiger Xaver SchlagerDer wendigste Traktor der Liga

Von Ullrich Kroemer 16.11.2022, 08:00
„Ich wollte mich nicht hinfallen lassen, weil ich nicht so oft vorn bin”: Xaver Schlager.
„Ich wollte mich nicht hinfallen lassen, weil ich nicht so oft vorn bin”: Xaver Schlager. (imago/Picture Point LE)

Xaver Schlager ist zwar ein Bursche vom Land, doch mit einem Traktor wollte er nach seinem ersten Bundesliga-Tor für RB Leipzig nicht verglichen werden. „Jeder sagt Traktor, ich weiß nicht, ob ich so langsam bin”, sagte Schlager nach dem 2:1 in Bremen lächelnd. Doch es gibt schließlich auch wendige Hochgeschwindigkeits-Traktoren, die bis zu 218 km/h schnell sind und dennoch äußerlich robust aussehen.

So verhält sich das auch mit Xaver Schlager. Obwohl Bremens Abwehrspieler Amos Pieper regelrecht an seinem Unterkörper hing, blieb der nimmermüde Sechser auf den Beinen und pflügte sich mit Wucht in den Werder-Strafraum. Fallenlassen? „Das ist nicht mein Stil”, sagte Schlager.

Sinnbild für den Aufschwung bei RB Leipzig

Der Österreicher steht sinnbildlich für den Aufschwung von RB Leipzig unter Trainer Marco Rose. Ex-Trainer Domenico Tedesco hatte ihn mit Verweis auf körperliche Probleme zum Saisonstart ignoriert. Nun lieferte der seit Wochen beständige und immens wichtige Schlager als Box-to-box-Spieler seine wohl beste Partie für RB ab. Als abkippender Sechser ließ er sich tief in den Spielaufbau fallen, presste gegen den Ball höher im Mittelfeld und stieß sogar nach vorn, als er den Siegtreffer erzielte.

„Ich habe gesehen: Die Lücke ist da. Ich wusste nicht genau, wo der Gegner ist, ich wusste nur, er ist irgendwo. Ich habe probiert, einfach stehenzubleiben, den Ball nicht zu verlieren. Ich wollte mich nicht hinfallen lassen, weil ich nicht so oft vorn bin, das wollte ich mir nicht entgehen lassen”, schilderte er sein Tor.

Rose über Schlager: „Xaver gibt uns Balance und Stabilität”

Die Kollegen waren voll des Lobes über den durchsetzungsstarken Kämpfer und Strategen. „Er wollte sich nicht fallenlassen, das zeigt seinen Charakter”, zollte Kapitän Willi Orban Respekt. Es freut mich für ihn, dass er sich belohnen kann und auf der Scorerliste steht, weil er sonst viel Drecksarbeit leistet, Räume schließt und zweite Bälle aufsammelt, was sehr wichtig ist.”

Trainer Marco Rose betonte, wie wichtig die Achse Orban-Schlager-Nkunku für sein Spiel sei. „Xaver gibt uns im Zentrum Balance und Stabilität, er führt gegen den Ball viele wichtige Zweikämpfe und trifft mit dem Ball viele gute Entscheidungen beim Umschalten”, so Rose. Xaver spiele die „Pässe, die uns Raum geben und ins Tempo kommen lassen”. Auffällig sind seine präzisen langen Bälle aus dem Fußgelenk, die er so technisch sauber und perfekt spielt wie kein anderer Leipziger. Rose bemerkte jüngst, dass Schlager nicht bloß ein Arbeiter sei, sondern auch technisch und strategisch höchst wertvoll.

Mentalitätsspieler Schlager: „Haben nicht aufgegeben, mit der Überzeugung, man kann das Spiel drehen”

Dazu gehört der Ex-Salzburger zu den Mentalitätsspielern im Team, die die Fabelserie gerade tragen. Schlager kann genau sagen, wann und wo der aktuelle Flow von RB Leipzig seinen Ursprung hat. „Das waren die Spiele gegen Mainz und Augsburg, beides eklige Auswärtsspiele, wir waren zweimal in Rückstand, aber haben nicht aufgegeben, mit der Überzeugung, man kann das Spiel drehen”, sagte Schlager. „Sinnbildlich war vor allem das Augsburg-Spiel. Das gibt Energie.” Energie, die Treibstoff für den wohl wendigsten Traktor der Liga ist.

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