Selbstkritik und Appell an die Spieler

Mintzlaff: „Trainerentlassung geht auch auf das Konto der Mannschaft”

Hire and fire bei RB Leipzig: Die schnellen Trainerentlassungen nimmt Klubchef Oliver Mintzlaff auf seine Kappe. Doch er nimmt auch das Team in die Verantwortung, dem dritten Trainer in 15 Monaten endlich wieder dauerhaft zu folgen.

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 09.09.2022, 10:56
„Wir haben erwachsene und erfahrene Spieler bei uns, da habe ich die Erwartung, dass die Mannschaft Verantwortung übernimmt”: Oliver Mintzlaff nimmt das Team von RB Leipzig in die Pflicht.
„Wir haben erwachsene und erfahrene Spieler bei uns, da habe ich die Erwartung, dass die Mannschaft Verantwortung übernimmt”: Oliver Mintzlaff nimmt das Team von RB Leipzig in die Pflicht. (imago/motivio)

Der Kader von RB Leipzig wird für Trainer immer mehr zur Herausforderung. Schon Julian Nagelsmann hatte im ersten Jahr Probleme, mit seinen neuen Ideen durchzudringen. Den wilden Umschaltfußball von Jesse Marsch lehnten die Spieler nach wenigen Monaten ganz ab; im tiefer angelegten Spielstil von Domenico Tedesco mit viel Ballbesitz entwickelten die Leipziger nach anfänglicher Begeisterung Lethargie statt Dynamik. Dass das Team hinter der Idee des Trainers steht, war in den letzten Spielen nicht mehr zu erkennen – auch verbal nach den Partien.

Mintzlaff zu den Spielern: „Aufpassen, dass sich keine Ich-AGs entwickeln”

Oliver Mintzlaff nahm das zum Anlass, im Zuge der Entlassung von Tedesco auch erneut an die Mannschaft zu appellieren. „Ich habe die Mannschaft in die Pflicht genommen und ihr gesagt, dass die Trainerentlassung auch auf ihr Konto geht”, sagte der Klubchef. „Natürlich führt der Trainer die Mannschaft, gibt die Taktik vor und die Strategie, aber am Ende stehen die Spieler auf dem Platz und müssen etwas leisten. Wir müssen aufpassen, dass sich keine Ich-AGs entwickeln, dass die Jungs nicht meinen, dass wir mit unserer individuellen Qualität die Spiele in der 88. Minute doch noch für uns entscheiden können.”

Und weiter: „Wenn du nicht 100 Prozent bringst, verlierst du diese Spiele wie bei Union. Das hat etwas damit zu tun, wie viel Mentalität ich auf den Platz bringe und inwieweit ich bereit bin, im Team zu agieren. Da vermisse ich ein paar Dinge. Es ist Aufgabe des Trainers, diese Dinge anzusprechen und einzufordern. Aber wir haben auch erwachsene und erfahrene Spieler bei uns, da habe ich die Erwartung, dass die Mannschaft die Verantwortung übernimmt, die sie zu übernehmen hat.”

RB Leipzig wollte Rose schon 2021 als Nagelsmann-Nachfolger

Nun schlägt das Pendel unter Marco Roses wieder mehr in Richtung Pressingfußball aus, „aktives Vorwärtsverteidigen” lautet das Stichwort. Doch ob das Team diesmal gewillt ist, diesen Fußball umzusetzen, ist fraglich. „Bei Marco haben wir von vornherein eine klare Überzeugung was die Spielphilosophie angeht”, sagte Mintzlaff. der 47-Jährige verriet, dass er Rose bereits im Frühjahr 2021 verpflichten wollte, als Nagelsmann zu Bayern München ging.

„Es gab schon eine Kontaktaufnahme, bevor Marco zu Dortmund gewechselt ist, wo wir ein Engagement diskutiert haben, aber da war bei ihm die Entscheidung schon getroffen”, so Mintzlaff. Heißt im Umkehrschluss auch, dass Marsch damals höchstens zweite Wahl war. Rose bringe nun „all die Dinge mit, die uns in unserer DNA auszeichnen: die Dynamik des Fußballs, er findet einen guten Mix aus Ballbesitz und Pressingelementen. Dass er verfügbar war, ist eine glückliche Fügung”, sagte Mintzlaff.

Mintzlaff über zwei Trennungen von Marsch und Tedesco: „Das geht auf mein Konto”

Übrigens: Der Boss übte auch Selbstkritik. „Ich lasse mir ankreiden, dass wir zwei Trainer in kürzester Zeit verabschieden mussten. Das geht auf mein Konto, weil ich hier die Gesamtverantwortung habe.” Auch für die „lange und nicht glückliche Odyssee” der Sportdirektorensuche übernahm er die Verantwortung. „Jetzt gucken wir mal, dass wir gemeinsam wieder in die richtige Richtung laufen”, so der Geschäftsführer.

></div></div><div class=