André silva

Nach Fehlschuss: Wie Tedesco über eine neue Schützen-Reihenfolge denkt

Portugiese verschießt zweiten wichtigen Elfmeter im Europapokal. Sollte Leipzigs Trainer einen neuen zweiten Schützen für die Strafstöße hinter Emil Forsberg bestimmen?

Von Martin Henkel Aktualisiert: 25.02.2022, 07:45
Bläst dei Backen auf: André Silva bei seinem verschossenen Elfmeter
Bläst dei Backen auf: André Silva bei seinem verschossenen Elfmeter (imago/picture point le)

Vielleicht kann man einem Elfmeterschützen ansehen, wie sicher er sich fühlt. Kann ja sein, dass die Augen und die Gesichtsmimik etwas über seinen Gemütszustand verraten. Bei André Silva jedenfalls sah es vor seinem Strafstoß im Rückspiel der Europa-League-Zwischenrunde bei Real Sociedad so aus, als wäre er sich seiner Sache nicht sicher.

Orban mit Vorsprung in den Strafraum

Er pustete mehrfach Luft aus seinem Mund, äugte immer wieder zum Tor hin, obwohl der Schiedsrichter die Pfeife noch nicht im Mund hat, straffte sich beim Pfiff wie zur Selbstabsicherung, dass er es noch kann - und schoss genau dahin, wo der Keeper der Basken, Mathew Ryan, flog.

Nur gut, dass Willi Orban mit Anlauf zur Stelle war. Der Abwehrchef, nicht der Allerschnellste, hatte sich einen kleinen Vorsprung auf seinen spanischen Schattenmann erarbeitet und versenkte den Abpraller des Elfmeters zum wichtigen, verdienten und kurz vor der Pause psychologisch wichtigen 1:0 im Tor der Hausherren.

Dass Orban nicht an der Strafraumgrenze stand, die man nicht überschreiten darf, bevor der Schütze den Ball berührt hat, sondern weiter weg, um, mit Speedvorteil einlaufen zu können, lag vielleicht auch an seiner Skepsis, ob sein portugiesischer Kollege im Hexenkessel "Anoeta" die Nerven behalten würde.

Forsberg statistisch zielsicherer

"Er hat sich das selbst ausgedacht", sagte RB-Coach Domenico Tedesco nach dem 3:1 gegen die Basken über Orbans Laufweg. Anschließend wurde er gefragt, ob Silva gerade tatsächlich die beste Wahl für die Nummer zwei der Elfer-Schützen nach Chef im Ring, Emil Forsberg, sei, der zum Zeitpunkt des Strafstoßes auf der Bank saß.

Tedesco umschiffte die Frage nach einer vielleicht besseren Hackordnung bei den Elfmetern. Silva hatte schon in der Champions-League-Gruppenphase beim 2:2 gegen Paris Saint-Germain früh in der Partie einen Elfer verschossen. Es war der sechste von nunmehr sieben vergebenen Strafstößen in seiner Karriere bislang bei 27 verwandelten Elfmetern. Zum Vergleich: Emil Forsberg, der das 3:1 gegen Real Sociedad ebenfalls vom Punkt - und wie schon im Hinspiel - verwandelte, kommt auf 26 zu drei.

Der Unterschied ist nicht himmelschreiend, doch Silva, der später mit feinem Schuss von der Strafraumkante das 2:0 erzielte, scheint momentan noch nicht in der Top-Verfassung zu sein, die ihn selbstsicher seine Strafstöße verwandeln lässt. Auch wenn er in der Liga bereits drei Mal vom Punkt getroffen hat. Im Europapokal scheinen ihm die Nerven zu flattern. Wirklich sicher wirkt er jedenfalls nicht.

Sollte Leipzigs Trainer deshalb eine neue Nummer zwei bei den Strafstößen bestimmen? Tedesco wollte davon Donnerstagabend nichts wissen. "Wer schießt Freistöße, die Elfmeter? Da gibt es für beides jeweils zwei Schützen", sagte er, wobei die bei den Elfmetern noch von seinem Vorgänger Jesse Marsch bestimmt worden waren. "Das ist ganz klar geregelt", so der Leipziger Coach weiter und fügte etwas rätselhaft an. "Da macht es keinen Unterschied, wenn einer mal einen verschießt. Alles okay, alles gut."