Schlüsselspieler unter Demichelis Der Spielmacher auf der Sechs
Neil El Aynaoui ist einer der Schlüsselspieler von RB-Trainer Martin Demichelis, der den marokkanischen Nationalspieler unbedingt haben wollte. Nach seinem turbulenten Einstand stellte sich der 25-Jährige vor.

Leipzig – Neil El Aynaoui hockte zu Wochenbeginn im Schneidersitz an einer Eckfahne auf dem Rasen des Trainingsgeländes am Cottaweg und schaute sich das Spielersatztraining der Leipziger Auswechselspieler an. Er hatte sein Maniküreset dabei und nutzte den bis auf ein paar Regenerationsläufe freien Montag, um sich zu pflegen. Schließlich waren die vergangenen Tage für den Marokkaner turbulent gewesen.
El Aynaoui tänzelt und dirigiert
Erst am letzten Tag des Transferfensters verpflichtet, wurde er sofort ins kalte Wasser geschmissen und bestritt drei Spiele in acht Tagen – jeweils von Beginn an. Bislang galt bei Zugängen, dass sie Zeit benötigen, um das komplexe RB-System zu verstehen – zumal in der Schaltzentrale im zentralen Mittelfeld. Doch für El Aynaoui galt das nicht. Der Marokkaner fand sich plötzlich in einer insgesamt überforderten RB-Elf wieder und schaffte es nach einem ersten schwächeren Spiel in Bremen, sich bereits in der letzten halben Stunde in Como zu steigern.
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Am vergangenen Sonntag gab der 25-Jährige beim 5:0 gegen den HSV ein durchaus gelungenes Heimdebüt auf der Sechser-Position bei RB. Der Last-Minute-Zugang von der AS Rom interpretiert die Rolle aktiver, mutiger, spielstärker und leichtfüßiger als die bisherige Stammkraft auf der Position, Nicolas Seiwald. Wenn El Aynaoui andribbelt, tut er das in kurzen, tänzelnden Schritten. Dazu dirigierte er seine Nebenleute immer wieder verbal und auch mit Gesten. „Neil ist ein Spielmacher auf der Sechser-Position, der dennoch unheimlich viel läuft”, lobte Trainer Martin Demichelis. „Mit ihm waren wir im Ballbesitz dominant, er hat mehr Drang nach vor. Es ist es mehr gewohnt, die Lücken zu finden und feine Pässe in die Schnittstellen zu spielen”, so der Coach.
El Aynaoui: „Marokkaner laufen gern viel”
Genau diese beiden Attribute – Lauf- und Spielstärke – vereint El Aynaoui in sich. „Marokkaner laufen gerne viel. Ich glaube, das liegt mir im Blut, aber es ist auch harte Arbeit”, sagt er strahlend. „Ich weiß, dass das eine meiner Stärken ist. Daran habe ich schon von klein auf gearbeitet.” Coach Demichelis ermuntert ihn, nicht nur Sicherheitsfußball, sondern mutig zu spielen und Lücken zu suchen. „Der Trainer hat mir auch von Anfang an gesagt, dass er gerne Fußball spielt. Er ist ein echter Liebhaber des Spiels. Das gefällt mir auch: das Spiel zu gestalten, meine Mitspieler ins Spiel zu bringen”, so El Aynaoui.
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Bereits nach wenigen Tagen ist zu spüren, dass der in Frankreich geborene Akteur mit französischem und marokkanischem Pass nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in der Kabine ein Bindeglied zwischen den Mannschaftsteilen sein kann. Er spricht fließend Französisch, Englisch und Spanisch, dazu etwas Italienisch und Arabisch und bewegt sich als Weltbürger mit viel positiver Ausstrahlung zwischen den Grüppchen im RB-Team. Das Polyglotte kommt nicht von ungefähr. Neil El Aynaoui ist der Sohn von Ex-Tennisprofi Younes El Aynaoui, der mal Weltranglisten-14. war und es bis in die Viertelfinals von Grand Slams schaffte.
„Bundesliga ist ein Offensivspiel mit viel Action”
Als kleiner Junge reiste er mit seiner Familie auch auf der Tour durch die Welt. Doch eine Karriere als Tennisprofi hat Neil nie interessiert. „Er uns selbst entscheiden lassen, welche Sportart wir ausüben wollten. Er hat uns nie gezwungen, Tennis zu spielen”, sagt er über seinen Vater. Er probierte viele Sportarten aus. „Aber es war für mich ganz selbstverständlich, Fußball zu spielen.”
El Aynaoui wuchs in Nancy unweit von Straßbourg nahe der deutschen Grenze auf und beobachtete so auch immer den deutschen Fußball. Über AS Nancy und RC Lens kam er zur AS Roma. Nun wollte er eine andere Liga kennenlernen. „Ich finde, die Bundesliga ist ein echtes Offensivspiel mit viel Action”, vergleicht er. „Die Serie A ist meiner Meinung nach defensiver, vielleicht mit weniger Toren, eher ein enges Spiel. Und die Ligue 1 ist eine Art Mischung aus beidem, aus der Serie A und der Bundesliga.”
Wechsel zu RB eine „einfache Wahl”
Von seinem Papa schaute er sich die Professionalität ab. „Im Fußball kann er mir nicht viel beibringen, aber abseits des Platzes sehr wohl. Die Professionalität eines Tennisspielers ist höher als die eines Fußballers. Also versuche ich, da so viel wie möglich mitzunehmen.” Bereits als Kind habe ihn der Papa gelehrt, „dass es am meisten bringt, gut zu schlafen, gut zu essen, gut zu trinken und sich gut zu erholen.” Für El Aynaoui heute ganz selbstverständlich.
Bei RB war er bereits lange auf dem Radar. „Wir hätten ihn gern viel früher verpflichtet, als er noch in Lens war, aber das war wirtschaftlich nicht möglich. Als die Tür dann einen Spalt aufging, sind wir sofort hindurchgerannt”, sagte Sportchef Marcel Schäfer. Und El Aynaoui musste nicht lange überlegen, als die Anfrage einging. „Es ist einer der größten Klubs des Landes. Als sie mich kontaktiert haben, war es eine einfache Wahl”, sagt er. Wie er seine Zukunft plant, darüber denkt er noch nicht nach. „Ich versuche, nicht so weit vorauszuschauen, konzentriere mich voll und ganz auf Bayer Leverkusen am Sonntag (15.30 Uhr) und versuche, im Hier und Jetzt zu bleiben”, sagt er. Sicher nicht die schlechteste Strategie, sich zum Start zu fokussieren. Vielleicht auch eine Strategie, die er von seinem Vater übernommen hat.