RB Leipzig

Trefferflaute im Sturm von RB Leipzig - Trainer Julian Nagelsmann: "Ist mir egal"

Von Martin Henkel 10.11.2020, 10:01
Alexander Sörloth und Gladbachs Yann Sommer (r.)
Alexander Sörloth und Gladbachs Yann Sommer (r.) Imago/Team 2

Donnerstag kommt Timo Werner zur Nationalmannschaft. Weil die gerade in Leipzig weilt, bedeutet das für den Stürmer des FC Chelsea, der alten Heimat eine Visite abzustatten. Vier Jahre war er Profi bei RB Leipzig.

Sörloth und Kluivert noch ohne Treffer

Im Sommer wechselte er in die Premier League. Im Gepräck: 34 Treffer und 13 Vorlagen. Kaum zu ersetzen, wie Nagelsmann die Folgen des Abgangs schon oft beschrieb, den der Verein mit dem Zukauf von Alexander Sörloth, Hee-chan Hwang und Justin Kluivert versucht hat, auszugleichen.

Mit mäßigem Erfolg bislang. Von den 21 Pflichtspieltreffern bislang ging nur einer auf das Konto eines Neuen: Hee-chan Hwang. Der Südkoreaner traf beim Saisonauftakt im DFB-Pokal gegen Nürnberg (0:3). Überhaupt erzielten Leipzigs Stürmer in der Summe erst vier Tore: die drei anderen Treffer markierte Yussuf Poulsen.

Ein Problem, eine Krise gar? Nein, sagt der Trainer! "Mir ist mir egal, wer die Tore schießt", sagte Nagelsmann unlängst. "Hauptsache wir treffen." In der Regel sind das seine Mittelfeldspieler und Verteidiger. Elf Schützen sind es bislang, dabei treffen sogar die aus dem Mittelfeld weniger als die Kollegen aus der letzten Reihe: Dani Olmo hat bis dato noch gar kein Tor erzielt, Christopher Nkunku erst eines. Amadou Haidara hat zwei Treffer auf dem Konto ebenso Marcel Sabitzer, bei Emil Forsberg sind es drei.

Mit Tricks in den Hinterhof

Dagegen stehen fünf Treffer von Linksverteidiger Angeliño sowie jeweils ein Tor von Marcel Halstenberg, Willi Orban, Ibrahima Konaté und Dayot Upamecano. Macht ein Verhältnis von neun zu acht.

Das hat nicht nur mit den Problemen der Neuen zu tun, die wie Hwang und Sörloth noch sichtbare Schwierigkeiten haben, sich an das vom Trainer vorgegebenen Spiel anzupassen. Es liegt auch an Leipzigs Spielweise. Meist stehen die Gegner tief, das heißt für RB, aus dem Rückraum und mit Tricks in die Hinterhöfe der Kontrahenten gelangen zu müssen. Stürmer klassischen Zuschnitts fungieren dabei eher als Toröffner, Verteiler oder erste Verteidiger.

"Das ist kein Problem", sagt Nagelsmann. "Stürmer sind auch dazu da, um Mittelfeldspieler in Szene zu setzen. Unsere Stoßstürmer sind eher Wandspieler, die Bälle festmachen und ablegen. Wir spielen sehr oft mit vier bis fünf Mittelfeldspielern. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mittelfeldspieler trifft, ist viel höher.“

Nagelsmann und die "falsche Neun"

Wenn der 33-Jährige überhaupt mit einem klassischen Stürmer spielen lässt, dann aktuell mit Yussuf Poulsen. Zehn Mal bislang: Drei Tore schoss der Däne, zwei legte er auf. 

In dieser Form erinnert das Spiel unter Nagelsmann immer mehr dem des FC Barcelona unter Pep Guardiola, der am Ende seiner Amtszeit 2011/2012 wenn überhaupt, dann auch nur mit einer Spitze agierte: meist David Villa, vom Typ her auch eher Mittelfeldspieler. Oder gar keinen Stürmer aufbot.

Die falsche Neun, bereits in den Fünfzigern bei den Ungarn und in die Siebzigern bei den Niederlangen praktiziert, wurde von Guardiola reaktiviert. Ein Mittelstürmer, der keiner ist, sondern nur so tut, um Räume für die weiter hinten postierten Kollegen zu reißen, den Gegner zu täuschen oder selbst aus der Tiefe zu kommen. Lionel Messi ist der größte Meister dieser Rolle.

Bei RB erlebt man eine Rennaissance dieses Spielertyps. Zuletzt wechselten sich Emil Forsberg und Dani Olmo in dieser Rolle ab. Aus der Not heraus geboren, weil Werners Lücke noch nicht nachbesetzt ist, aber auch mit purer Absicht. Dass Leipzigs Stürmer deshalb (noch) nicht treffen wie gewünscht, ist relativ. (RBlive/hen)