RB Leipzig

Vergebener Big Point: RB Leipzig spielt in Unterzahl gegen Hertha nur remis

Von Ullrich Kroemer 27.05.2020, 20:33
RB-Schütze mit Hilfe des Hertha-Keepers: Patrick Schick
RB-Schütze mit Hilfe des Hertha-Keepers: Patrick Schick Imago/Poolfoto

RB Leipzig leidet weiter an Geister-Heimspiel-Schwäche. Auch in der zweiten Partie im eigenen, leeren Stadion verpassten die müden Leipziger einen Sieg und damit den Sprung auf Rang zwei. Beim 2:2 (1:1) gegen Hertha BSC mühte sich Rasenballsport in einer körperlich hart umkämpften Partie – in der letzten halben Stunde nach Gelb-Roter Karte gegen Marcel Halstenberg dezimiert – zu einem Punkt.

Kampl fällt kurzfristig aus

Kurz vor Beginn der Partie waren die personellen Pläne von Trainer Julian Nagelsmann durchkreuzt worden. Weil Taktgeber Kevin Kampl beim Aufwärmen Leistenprobleme bekam, musste kurzerhand Tyler Adams einspringen. Dafür rückte Konrad Laimer auf die Kampl-Position ins defensive Mittelfeld.

Der Österreicher hatte dann auch gleich zu Beginn eine aussichtsreiche Schussposition, zog aber unplatziert mittig auf Hertha-Keeper Rune Jarstein ab (7.). Eine der raren Schussgelegenheiten in der ersten Hälfte. Viele solcher schön herausgespielten Angriffe brachte Rasenballsport nicht mehr zustande.

Klostermann gleicht aus

Denn Hertha presste teilweise hoch und kompakt, spielte hart und körperbetont, eng am Mann, sodass die Leipziger nicht in ihr gefürchtetes Kombinationsspiel kamen. Vielmehr lief RB einem frühen Rückstand hinterher, der wie schon gegen Freiburg nach einem Standard gefallen war. Nach einer Ecke von Marvin Plattenhardt war Abwehrhüne Dayot Upamecano in einem Tiefschlaf gefallen und ließ den in die Lücke springenden Marko Grujic ohne Gegenwehr gewähren (9.).

RB kam im Vergleich zum 5:0 in Mainz nie so recht in einen Lauf. Die Rufe von Keeper Peter Gulacsi und Trainer Nagelsmann verhallten gellend in der leeren Schüssel. Hertha verursachte Unordnung in der Leipziger Hintermannschaft und hatte durch Vladimir Darida eine weitere gute Gelegenheit (15.). Wenn RB mal einen Ball eroberte, gerieten Kontersituationen über Dani Olmo und Adams zu ungenau.

Da es aus dem Spiel heraus zäh war, schlug RB ebenfalls mit einem Standard zurück. Christopher Nkunku bediente Lukas Klostermann auf dem ersten Pfosten, der den Ball perfekt erwischte und an den Innenpfosten ins Tor köpfte (24.). Dritter Ligatreffer der Saison für den Abwehrmann.

Doch der Ausgleich machte das RB-Spiel nicht flüssiger. Immer wieder klatschte  Videoanalyst Benjamin Glück auf der Tribüne enttäuscht die Hände zusammen, wenn eine Szene nicht so ausgespielt wurde, wie geprobt. Auch aussichtsreichste Szenen wie die nach einem dicken Bock von Hertha Innenverteidiger Dedryck Boyata wusste RB nicht für sich zu nutzen. Die Abstimmung zwischen Kapitän Marcel Sabitzer und dem kaum wahrnehmbaren Timo Werner, der ohne Torchance im ganzen Spiel blieb, passte nicht.

Gelb-Rot für Halstenberg

Die Hertha war auch in den zweiten 45 Minuten hellwach, stand defensiv hervorragend und setzte offensiv forsch Nadelstiche, wie durch Schüsse von Maximilian Mittelstädt und Darida zu Beginn der zweiten Hälfte. Typischer Labbadia-Fußball.

Zum Spielverlauf aus Leipziger Sicht passte, dass RB die letzte halbe Stunde zu zehnt gegen die Berliner ankämpfen musste. Marcel Halstenberg hatte den Ex-Kollegen Matheus Cunha gefoult und dafür zu Recht Gelb-Rot gesehen (64.).

Doch RB ließ sich von der Unterzahl nicht schocken. Laimer fing nach einem Lookman-Angriff einen zweiten Ball ab, drang in den Hertha-Strafraum, wo er Schick fand. Der Tscheche zog aus 19 Metern ab, Hertha-Keeper Jarstein hatte den Ball eigentlich schon, bekam das Spielgerät aber nicht richtig zu fassen, sodass der Ball ins Tor trudelte (68.).

Der eingewechselte Ademola Lookman brachte sein Team dann allerdings wieder um den Lohn der mühsam erarbeiteten Führung, als er den starken Cunha ungeschickt im eigenen Strafraum foulte. Den verdienten Elfmeter verwandelte der eingewechselte Krzysztof Piatek zum gerechten Endstand (82.). (RBlive/ukr)