Faktor Fans

Welchen Einfluss das "Ibrox" auf das Rückspiel zwischen RB und Rangers haben wird

Das Hinspiel-Ergebnis ist mit 1:0 für RB knapp, die Entscheidung über den Finaleinzug wird deshalb im Stadion der Rangers fallen. Ein Kessel und Mythos der europäischen Arena-Kultur. Wird es zum Faktor für oder gegen Leipzig?

Von Martin Henkel 29.04.2022, 11:45

Es war ja nur das Hinspiel in einem Zwei-Partien-Duell gegen die Rangers aus Glasgow, weshalb niemand bei RB Leipzig dieses 1:0 aus dem Hinspiel zu hoch hängen wollte. Halbe Miete, das Finale in Sevilla noch weit, mehr nicht. Oder wie es Trainer Domenico Tedesco am Donnerstagabend nach dem Hinspiel im Halbfinale der Europa League ausdrückte: "Wir freuen uns über den Sieg. Schön, Tor geschossen. Aber wir müssen noch ein Spiel spielen."

Stimmung im Ibrox: Ist eben so

Die Frage, die der schwer erkämpfte Sieg des Bundesligisten gegen den schottischen Traditionsklub aufwarf, war die nach den Umständen, die das Team aus der Messestadt im Ibrox-Stadion erwartet. Ein Hexenkessel der besonderen Art, wo 50.000 Fans die Trbünen in ein Tollhaus verwandeln können, wenn es nottut. Was so gut wie bei jedem Heismpiel der "Gers" der Fall ist. Ist eben so.

Nur 1000 Leipziger reisen wohl zum Rückspiel in den Norden Großbritanien. Das ist gerade mal ein Zehntel der Fans, die die Rangers nach Leipzig begleiteten, was sich beim Spiel allerdings nicht sonderlich bemerkbar machte, weil viele Fans über das gesamte Stadion verteilt Platz genommen hatten. Ihr Kontingent war bei 2600 gedeckelt. Und weil sie vom vielen Trinken den Tag über vielleicht auch schon müde waren.

Muss sich Tedesco deswegen Sorgen machen, dass sein Personal vor der Kulisse eventuell in die Knie geht und das knappe 1:0 schnell nichts mehr wert ist? Der 36-Jährige verneinte. "Rangers muss daheim irgendwann anders spielen als heute, das glaube ich schon. Das kann dem Spiel und auch uns nur gut tun." Heißt: RB wird mehr Räume bekommen, als das im Hinspiel der Fall war.

Vielleicht sogar ein Nachteil?

Der Coach meinte deshalb: "Wir können dort bestehen. Wir gehen die Partie ohne Angst an. Ich denke, es ist ein Vergnügen, in solch einem Stadion vor so einer Kulisse zu spielen." Das Stadion sei natürlich speziell, doch man habe "in Bergamo gesehen, dass wir in so einer Athmospähe bestehen können."

Das Stadion der Italiener fasst zwar nur die Hälfte der 50.000, die ins Ibrox passen, doch die Stimmung war vergleichbar. Dennoch hielten sich die Gäste aus Sachsen schadlos - und gewannen 2:0. Einen nervösen Eindruck machte dabei keiner der RB-Profis.

Im Gegenteil. Der Tabellenvierte der Liga tut sich leichter auswärts, und dies vor allem, wenn der Gegner von seinen Fans (oder durch ein Hinspielresultat) in die Offensive gebrüllt wird. Insofern könnte sich die Heimspielkulisse für die Rangers in doppelter Hinsicht sogar als Nachteil erweisen.