Zu schmächtig für RB Warum DFB-Shootingstar Philipp Treu einst Leipzig verließ
Von 2015 bis 2017 spielte der neue DFB-Rechtsverteidiger Philipp Treu bei RB Leipzig – unter heute sehr prominenten Nachwuchstrainern. Doch er verließ den Klub, weil er zu wenig Perspektive sah.

Leipzig – Philipp Treu ist derzeit in aller Munde. Der Rechtsverteidiger des SC Freiburg reüssiert gerade mit 25 Jahren als Newcomer im Nationalteam. An diesem Sonntag wird er nach seiner starken Premiere gegen die Niederlande gegen Griechenland wohl erneut in der Startelf stehen. Treu gilt unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp als Frontfigur der Garde der bislang übersehenen deutschen Spieler, die jedoch internationale Klasse aufweisen und mit ihren Aufgaben wachsen.
Lesen Sie hier: Interview mit Nachwuchsleiter David Wagner – So will RB endlich den ersten Profi entwickeln
RB legte damals im Nachwuchs den Fokus auf Physis und System
Interessant in diesem Zusammenhang: Treu war mal Spieler von RB Leipzig. Von 2015 bis 2017 schnürte der gebürtige Heidelberger die Schuhe für Rasenballsport und trainierte damals unter heute so prominenten Trainern wie Sebastian Hoeneß (VfB Stuttgart) und Matthias Jaissle (Newcastle United). Treu spielte im Jahrgang mit Tom Krauß (1. FC Köln), Erik Majetschak (Jahn Regensburg) und Fabrice Hartmann (Hallescher FC). Warum aber verließ Treu die Leipziger so rasch wieder, wo doch Außenverteidiger als rares Gut im Profifußball gelten?
Das fragten sich nun auch die Verantwortlichen am Nachwuchszentrum und kramten auf RBlive-Anfrage nochmal in den Akten. Man sei damals keineswegs im Zwist auseinandergegangen, sondern beide Seiten waren der Meinung, dass es für Treus Entwicklung besser wäre, es anderswo zu versuchen. Hintergrund war, dass unter den damaligen Nachwuchsleitern Frieder Schrof und Thomas Albeck vor allem auf Physis und Spielsystem geachtet wurde, weniger auf individuelles Talent und Technik. Heute ist das anders. „Wir trainieren, um unsere Topspieler besser zu machen”, sagte der derzeitige Nachwuchsleiter David Wagner im RBlive-Interview. „Darum geht es, daran messen wir uns.”
Zu wenig Perspektive für Philipp Treu
Da der kleine, nur 1,72 Meter große Treu damals körperlich noch nicht weit genug entwickelt war, wurde er erst nach einem halben Jahr bei der U16 in die U17 hochgezogen und absolvierte vor allem Teileinsätze. Mehr Spielzeit konnten ihm die Trainer nicht garantieren.
Bei dem Wechsel soll auch eine Rolle gespielt haben, dass RB im Jahr 2017 seine zweite Mannschaft einstellte. „Der Nachwuchs hechelt hinterher”, erklärte Sportdirektor Ralf Rangnick damals. Die zweite Mannschaft wurde aufgrund der immer größer klaffenden Lücke zwischen Qualität im Nachwuchs und den Anforderungen im Profiteam nicht mehr als adäquates Sprungbrett in den Profikader angesehen. Für Treu bot das insgesamt zu wenig Perspektive. So entschied der Spätzünder, zum SC Freiburg weiterzuziehen. Dort schaffte er über die zweite Mannschaft den Sprung zum FC St. Pauli, ehe ihn Freiburg 2025 für etwa 5,5 Millionen Euro wieder zurückkaufte und zum Nationalspieler entwickelte.