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Von Moritz Schefers, Thomas Fritz

Pro & Contra zum Bundesliga-Spitzenspiel Darum gewinnt RB (nicht) gegen den FC Bayern

Alle Jahre wieder: Gerangel zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern.

Alle Jahre wieder: Gerangel zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern.

RB Leipzig empfängt am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) den FC Bayern in der heimischen Red-Bull-Arena. Kann die Elf von Jesse Marsch bei der erstmaligen Rückkehr von Trainer Julian Nagelsmann, Ex-RB-Kapitän Marcel Sabitzer und Dayot Upamecano an ihre alte Wirkungsstätte den zweiten Sieg gegen den deutschen Meister feiern? Ein Pro & Contra.

Pro von Moritz Schefers

Von Jahr zu Jahr ist es dasselbe Spiel: Spieler, Trainer und Experten werden vor der Saison gefragt, die Antwort lautet gleich. Meister werden die Bayern, beim nächsten Mal vielleicht zum zehnten in Folge. Wer mag da widersprechen, wenn nun auch Wunschtrainer Julian Nagelsmann, gebürtiger Bayer, vom stärksten Konkurrenten abgeworben werden konnte?

Was aber RB in den vergangenen Spielen immer gezeigt hat: Die direkten Duelle stehen auf Messers Schneide. Mehr noch als Borussia Dortmund hatte das Team zuletzt unter Nagelsmann konstant Paroli geboten, auch wenn der erste und einzige Sieg noch von 2018 datiert. Aus den letzten sechs Spielen gegen München holte Leipzig vier Punkte, Dortmund hingegen Null. Dortmund kam zeitweise unter die Räder, gegen RB tat sich München zuletzt schwerer.

Zum Schlüssel gegen die Bayern wird die Herausforderer-Rolle. RB knöpfte im Sommer dem Rekordmeister keine Punkte ab, dafür aber Millionen. Und düpierte die Verantwortlichen in der Causa Upamecano, als Bayer vergaß, dass der Franzose zum Trainingsstart eigentlich noch ein Leipziger Spieler war. Seitdem er mit Nagelsmann, und nun auch mit Marcel Sabitzer trainiert, ist der Ehrgeiz noch größer, dem Rekordmeister zu zeigen, dass die Strategie der Sachsen aufgeht. Das machten die RB-Bosse umgehend klar, als sie sich mit Jesse Marsch wieder auf den Fußball aus der Abteilung Attacke konzentrierten und den Teamgedanken höher denn je hingen.

Es läuft nicht alles rund bei den Bayern

Leipzig überzeugte in den letzten Bayern-Duellen mit einem klaren Plan, den nun Jesse Marsch entwickeln wird. Der vorherige Hoffnungsträger Nagelsmann ist nun ein Münchner, dort aber nicht mehr Fixstern des Teams. In der Vorbereitung rumpelte es kräftig. Der Gewinn des Supercups gegen Dortmund glättete ein wenig die Wogen, aber die Spiele gegen Gladbach (1:1) und auch gegen Köln (3:2) zeigten, dass nicht alles rund läuft bei den Bayern.

Das tat es auch bei RB und vor allem bei der überraschenden Niederlage gegen Mainz nicht. Aber die hochtalentierte Mannschaft wächst mit ihren Aufgaben am liebsten gegen größere Gegner. Sinnbildlich dafür stehen auch die Erfolge in der Champions League in den vergangenen beiden Spielzeiten. Wenn nun die Bayern in das gut gefüllte Leipziger Stadion reisen, wo RB zuletzt über den VfB Stuttgart hinweg fegte, ist für die Marsch-Truppe durchaus ein Sieg möglich.

Contra von Thomas Fritz

Es ist ein wenig wie im Kultfilm "Und täglich grüßt das Murmeltier" mit Bill Murray. Jahrein, jahraus will RB den großen Widersacher Bayern München bezwingen - und scheitert doch fast jedes Mal. In den Ligaspielen genau wie im Kampf um die deutsche Meisterschaft. Mit nur zehn Prozent Siegquote seit dem Bundesliga-Aufstieg 2016 ist die Bilanz gegen den Rekordmeister desaströs. Und daran wird sich auch am Samstag nichts ändern.

Was spricht für den deutschen Serienmeister? In erster Linie natürlich die Qualität des Kaders. Der ist zwar weniger breit besetzt als in den Vorjahren, aber in der Spitze immer noch der stärkste der Liga. Neben Weltfußballer Robert Lewandowski dürften mit Thomas Müller, Serge Gnabry, Leon Goretzka, Josua Kimmich, Niklas Süle und Manuel Neuer gleich sechs Stützen der deutschen Nationalmannschaft gegen RB auf dem Rasen stehen. Und die reisen - abgesehen vom zuletzt angeschlagenen Müller - nach den tollen Siegen gegen Armenien (6:0) und Island (4:0) mit reichlich Selbstvertrauen nach Sachsen. Hinzu kommt: Die miese FCB-Vorbereitung ohne einen einzigen Sieg ist nach dem guten Bundesliga-Start nur noch kalter Kaffee.

Anders sieht es bei RB aus. Nach dem unerwarteten Stolperstart in der Liga - nur einem Sieg aus drei Spielen, Platz zehn - und offensiv ideenlosen Vorstellungen gegen coronadezimierte Mainzer sowie Tabellenführer VfL Wolfsburg (je 0:1) ist das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten derzeit weit vom Siedepunkt entfernt. Dass sich der schmerzlich vermisste Dribbelkönig Dani Olmo nach seinem verlängerten Urlaub ausgerechnet gegen den FC Bayern in der Startelf zurückmelden dürfte, kann funktionieren. Kann aber auch in die Hose gehen.

Kann Jesse Marsch Julian Nagelsmann das Wasser reichen?

Klar ist: Die ersten Partien unter Marsch werfen Fragen auf. Warum hat das viel beschworene aggressive Gegenpressing nur bedingt funktioniert? Hat die Mannschaft nach den Abgängen der Leistungsträger Ibrahima Konaté (FC Liverpool), Dayot Upamecano und nun auch Marcel Sabitzer (beide FC Bayern) schon eine neue Hierarchie entwickelt? Wer ist nach Sabitzers Abgang der neue "aggressive Leader"? Wie lange benötigt Neuzugang André Silva (1 Saisontor) noch, um sich im neuen System zurechtzufinden? Und: Was ist überhaupt der offensive Plan von Neu-Coach Jesse Marsch mit Ball?

Im Trainer-Duell mit Julian Nagelsmann hat Marsch die schlechteren Karten. Taktikfuchs Nagelsmann hat immer einen Plan B, C, D und E in der Tasche. Er kennt viele Leipziger Spieler und ihre Tendenzen aus dem Effeff und hat mit Ex-RB-Kapitän Marcel Sabitzer jetzt auch einen "Spion" in den eigenen Reihen, der die Vorbereitung in Leipzig mitgemacht hat und über die Vorlieben Marschs aus dem Nähkästchen plaudern kann. Der US-Amerikaner kann seinem Vorgänger taktisch (noch) nicht das Wasser reichen. Ja, er gilt als begnadeter Motivator. Aber Begeisterung zu entfachen allein wird gegen den FC Bayern nicht reichen.

In Sachen Erfahrung liegt der 13 Jahre jüngere Bayern-Coach auch ohne Titelgewinn klar vorne - mit einer Vizemeisterschaft, einem DFB-Pokalfinale und dem Champions-League-Halbfinale auf der Habenseite. Marsch hat in Österreich mit Serienmeister Red Bull Salzburg zweimal das Double geholt. Und er wurde mit den New York Red Bulls Trainer des Jahres 2015 in der Major League Soccer. RB ist seine erste Station auf Spitzenniveau, das Bayern-Spiel seine Feuertaufe.

Außer dem Heimvorteil spricht am Samstag wenig für einen Dreier von RB Leipzig. Schon ein Unentschieden wäre angesichts der Vorzeichen ein kleiner Sieg. Auf der anderen Seite könnte der FC Bayern mit einem Erfolg gegen den Herausforderer bei einem Wolfsburger Patzer die Tabellenspitze erobern - mit dann sieben Zählern Vorsprung vor Rasenballsport. Diese Chance wird sich das Star-Ensemble von Julian Nagelsmann ganz sicher nicht entgehen lassen.