RB Leipzig

Endspurt beim Umbau der Red-Bull-Arena: RB Leipzig zeigt sein umgebautes Stadion

Von Ullrich Kroemer 19.06.2021, 07:00
Stahltraversen im Sektor B: Die Fans stehen künftig auf Stahl.
Stahltraversen im Sektor B: Die Fans stehen künftig auf Stahl. motivio/RB Leipzig

Wenn es auf Freitagmittag zugeht, ist auf Baustellen oft nicht mehr viel Betrieb, doch in der Leipziger Red-Bull-Arena wird auch am letzten Arbeitstag bei über 30 Grad Hitze noch eifrig gewerkelt. Ein Drehkran lässt gerade die neuen Stahl-Traversen auf die Ränge des neuen Stehblocks in Sektor B herunter. Vor dem Fanblock wird der alte Betonbelag lautstark abgeschliffen und neu aufgetragen.

RB Leipzigs Bauleiter Falk Jänicke hat zur Baustellenbegehung geladen. Im Herbst 2019 hat der Klub mit dem etwa 60 Millionen Euro teuren Umbau des Stadions begonnen. In knapp zwei Monaten – eine Woche vor Start der Bundesligasaison am 14. August – muss nach weniger als zwei Jahren Bauzeit alles fertig sein.

Bauleiter Jänicke: „Mussten ursprünglichen Zeitplan über Bord werfen”

Jänicke – 50 Jahre alt, eigentlich Jurist, seit 2015 im Verein, Typ „Macher” – ist guter Dinge, dass bis dahin fast alles fertig ist: „Unseren ursprünglichen Zeitplan mussten wir über Bord werfen, aber wir sind der festen Überzeugung, dass wir alle Funktionalitäten bis zum 30. Juli fertigkriegen, sodass wir Anfang August ruhigen Gewissens Zuschauer ins Stadion lassen können”, kündigt er an. „Da wird noch nicht die letzte Wand gestrichen sein und das letzte Poster hängen, aber wir werden das Stadion zu Saisonbeginn nutzen können.”

Der Bauleiter hat den Durchblick: Falk Jänicke.
Der Bauleiter hat den Durchblick: Falk Jänicke.
motivio/Thomas Eisenhuth

Und die Fans können sich auf das komplett renovierte und umgebaute Zuhause freuen. RBlive stellt die wichtigsten Neuerungen vor:

Generelle Neuerungen: Das Stadion wirkt auf den Zuschauerebenen nun viel klarer, luftiger und weniger verbaut als zuvor. Es gibt mehr Platz für die Fanströme, Kioske, die im Weg standen, wurden verlegt, verschachtelte Treppenaufgänge umgebaut. Um die künftig 10.500 Fans in Sektor B zu fassen, wurde das Stadion zwischen Wall und bisheriger Stadionmauer um einen Halbkreis erweitert. Vor dem Fanblock ist ein weitläufiges Areal entstanden. „Es war uns wichtig, den Leuten Luft zum Atmen zu verschaffen”, sagt Jänicke.

Glaswände für mehr Atmoshäre

Sektor B: Das neue Prunkstück des umgebauten Stadions ist die 10.500 Fans fassende Stehplatztribüne, die bei Bedarf auf 6170 Sitzplätze umgewandelt werden kann. Das geschieht mithilfe von Stahltraversen, die zwischen die Betonstufen eingelassen werden und die beim Umbau auf Sitzplätze nach oben geklappt werden. Ein Teil des Publikums steht dann also nicht auf Beton-, sondern auf Stahlstufen. Wo das oder die neuen Capopodeste angebracht sein werden, ist noch unklar und wird noch mit der aktiven Fanszene besprochen. Die Vorsänger wünschen sich mehrere Podeste, weil es von einem Stand aus schwierig sein dürfte, alle 10.500 Anhänger zu erreichen und zum Mitsingen und -hüpfen zu animieren.

Festmontierte Klappsitze für Europapokalspiele im Stehblock.
Festmontierte Klappsitze für Europapokalspiele im Stehblock.
motivio/RB Leipzig

Stimmung: Nicht nur durch die größere Anzahl an Fans dürfte es im Stadion künftig lauter sein. Für besseren Hall sorgt auch, dass die bisher offenen Stirnseiten des Runds nun verglast werden und den Schall so im Stadion belassen, was auch dafür sorgt, dass es draußen leiser ist. Das Glas hätte eigentlich längst verbaut sein sollen, doch weil die Fracht am Suezkanal im Stau stand, wurden die Glaswände erst viel zu spät geliefert. Nun wird im Akkord gearbeitet, um den Rückstand aufzuholen.

Riesige LED-Wand umrahmt Portal zu Sektor B

Zugänge: Die Arena wird durch 79 Drehkreuze zu betreten sein. Durch welchen Eingang man ins Stadion gelangt, ist ab der kommenden Saison egal, weil alle Bereiche – bis auf den Gästeblock – erreichbar sein werden. Denn: Sektorenbegrenzungen wie bisher gibt es nur noch am Gästeblock. Sonst können die Fans sich im Stadion erstmals frei bewegen, Freunde und Familie in anderen Sektoren besuchen.

Durch einen Einschnitt in den Wall ist das Stadion von der Festwiese nun ohne großes Treppensteigen zu betreten. Über eine Brücke gelangt man an einem Fanshop und einem Servicegebäude vorbei zu einer Art Eingangsportal, das komplett von einer LED-Wand eingerahmt ist, die an Spieltagen mit Grafiken etc. eindrucksvoll auf die Partien einstimmen soll.

Riesige LED-Wand um das neue Eingangsportal zu Sektor B (Eingang vom Glockenturm).
Riesige LED-Wand um das neue Eingangsportal zu Sektor B (Eingang vom Glockenturm).
motivio/RB Leipzig

Kioske: Das vor allem zu Saisonstart und an heißen Tagen bekannte Kiosk-Chaos gehört wohl der Vergangenheit an. Statt wie bisher 21 Kioske wird es 34 Imbiss- und Getränkestände geben. Alle klimatisiert und mit begehbaren Kühlkammern ausgestattet, die von hinten befüllt werden können. Durch einen neuen Lastenaufzug und bessere Zufahrt können die Caterer ihre Waren nun ohne Probleme nachliefern.

Drei Kioske sollen sogenannte Spezialitätenkioske sein, an denen es immer mal wieder neue Gerichte gibt. RB will hier mit externen Restaurants und Anbietern zusammenarbeiten, um auch mal zu experimentieren und unübliche Stadionkost anzubieten. Alle Kioske sind mit Bildschirmen ausgestattet, auf denen das Angebot digital zu sehen sein wird. Dazu gibt es an jedem Kiosk zwei LED-Fernseher, auf denen das Spiel auch während des Gangs zum Bier- und Bratwurstholen verfolgt werden kann.

Toiletten: Auch die Anzahl der auch optisch aufgewerteten Toiletten wurde deutlich erhöht. Alle Waschbecken sind coronakonform kontaktlos zu bedienen.

Schick: Neue Toiletten in der Red-Bull-Arena.
Schick: Neue Toiletten in der Red-Bull-Arena.
motivio/RB Leipzig

VIP-Plätze: 2080 VIP-Plätze gibt es künftig in allen Ebenen des Stadions. Zuvor waren es 1950 – hier macht RB also nur einen kleinen Sprung, um mehr Einnahmen zu generieren. So sollen auch die VIP-Zelte bestehen bleiben, um etwa bei Europapokal- und Länderspielen auch mehr Kontingente anbieten zu können. Zudem gibt es drei neue Sky-Boxen. Der große VIP-Raum für bis zu 520 Personen wird komplett modernisiert, ebenso der nach wie vor ins neue Stadion integrierte traditionsreiche Musiksaal des alten Zentralstadions, der mit einer 7Meter mal 3,50 Meter großen Videoleinwand beeindruckt, auf der VIP's das Spiel verfolgen können.

Der historische Musiksaal bekommt eine riesige Videowand.
Der historische Musiksaal bekommt eine riesige Videowand.
motivio/RB Leipzig

Weitere Erweiterung des Stadions aktuell unwahrscheinlich

Fassungsvermögen: 47.069 Plätze bietet das einstige Zentralstadion, wenn der Umbau komplett abgeschlossen ist. Es gab auch mal Planungen für 52.000 und sogar 57.000. Laut Baugenehmigung der Stadt dürfte das Stadion bis auf knapp 53.500 Plätze ausgebaut werden. Doch RB entschied sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten dagegen. „Das Stadion auf knapp 53.500 Zuschauer zu erweitern wäre möglich, aber das Verhältnis zwischen baulichem und finanziellen Aufwand und dem Nutzen macht das nicht sehr wahrscheinlich.” Dazu zählt auch die anfängliche Überlegung, die Zuschauerränge wie in England bis zum Rasen nach unten zu ziehen.

(RBlive/ukr)