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Von Ullrich Kroemer

Nagelsmann in der Leipziger Uni: „Ein großes Mannschaftsziel funktioniert heute nicht mehr”

RB Leipzig präsentiert sich an der Uni Leipzig.

RB Leipzig präsentiert sich an der Uni Leipzig.

Das Podium des Audimax der Universität Leipzig erstrahlte am Dienstagabend komplett in RB-Rot; gummibärchensüßer Duft hing schwer in der Luft, weil am Eingang jedem eine Dose Energy-Limonade in die Hand gedrückt wurde; zur Sicherheit stand auf der Mitte der Bühne wie ein Schrein ein kleiner Kühlschrank gefüllt mit Dosen bereit; und im Vorraum des größten Hörsaals der Uni Leipzig waren Liegestuhl-Sitzgruppen mit RB-Leipzig-Logos aufgebaut, von denen man die Veranstaltung drinnen via Bullen-TV verfolgen konnte. Kein Zweifel: RB Leipzig inszenierte die Einladung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zur zweiten Gastvorlesung nach 2017 zur komplett durchgebrandeten Marketingveranstaltung. 

So voll sei es hier sonst nur bei den Gastvorträgen von Joachim Gauck, Hans-Dietrich Genscher oder Friedrich Merz gewesen freute sich Dekan Johannes Ringel. Das Fußball-Start-up RB Leipzig auf einer Stufe mit den konservativen Altvorderen der deutschen Politik. Zwar war das Audimax mit etwa 1000 Plätzen gut gefüllt, doch große Trauben wie vor zwei Jahren mit den Gastrednern Ralph Hasenhüttl und Ralf Rangnick bildeten sich diesmal nicht an den Eingängen.

Der eine will mehr Follower bei Instagram, der andere würde gern Titel gewinnen.
Julian Nagelsmann

Der Klub war mit großem Aufgebot vertreten: Trainer Julian Nagelsmann, Spieler Kevin Kampl, Sportdirektor Markus Krösche und Medien- und Marketingdirektor Florian Scholz wurden von Stadionsprecher Tim Thoelke – nicht etwa von Studierenden, Wissenschaftlern oder einem unabhängigem Moderator – über Motivation und Führungsmanagement befragt.

Julian Nagelsmann: Persönliche Ansprache der Spieler sehr wichtig

Durchaus spannende Themen, zu denen insbesondere Nagelsmann, der wie Krösche mit einer Dose voran in den Hörsaal schritt, viel zu sagen hat. Der 32-Jährige, der während seiner Karriere ein BWL-Studium begann und später einen Bachelor in Sport und angewandter Trainingslehre absolvierte, überraschte mit einer höchst individuellen Motivationsstrategie. „Das Bedeutendste im Mannschaftssport ist, dass jeder einzelne Spieler das Gefühl hat, dass er seine Bedürfnisse und Ziele erreichen kann”, sagte Nagelsmann. Es gehe darum, jeden einzelnen abzuholen: „Was triggert den, was begeistert den, was braucht der für eine Ansprache, welches persönliche Ziel hat er?”

Das sei ganz unterschiedlich: „Der eine will die meisten Follower bei Instagram haben, der andere würde gern mal einen Titel gewinnen. Du musst versuchen, dass jeder einzelne Spieler sein eigenes Ziel erreichen kann. Wenn er das spürt, wird er umso wertvoller für die Mannschaft. Es funktioniert heute nicht mehr, dass es nur ein großes Mannschaftsziel gibt, weil jeder Spieler selbst eine Marke sein will.”

Doch Nagelsmann bekannte auch, dass die Spieler, die die Ziele des Klubs zu ihren eigenen machen, letztlich oft den Stamm der Mannschaft bilden. „Es wäre mir lieber, der Spieler hätte auch Interesse, irgendwann mal eine Schale in der Hand, einen Pott mit Henkeln oder eine goldenen Kelch in der Hand zu halten.” Dass das Nagelsmanns Ziele ebenso wie die des Klubs sind, bestätigte der Trainer. „Die Benennung des Ziels ist das alles Entscheidende. Nicht wischiwaschi drumherum zu reden, sondern klar aussprechen, was wir erreichen wollen.” Dann gehe es darum, Etappen auf dem Weg zum Ziel festzulegen und diese mit den Einzelzielen der Spieler in Einklang zu bringen. Durchaus interessantes Führungsmanagement, bei dem sich auch Wirtschaftsunternehmen etwas abschauen können.

Markus Krösche: „Wir verkaufen eine Story”

Sportdirektor Krösche berichtete aus seiner Perspektive über die Kunst der Motivation bei der Spielerverpflichtung. Dabei setzt er gelegentlich auch Image-Videos ein, um Begeisterung zu entfachen. „Letztlich verkaufen wir eine Story, ich erzähle unsere Geschichte”, so der 39-Jährige.

Einen wichtigen Teil zur Motivation eines Teams kommt auch Führungsspielern wie Kevin Kampl zu. „Die Eigenregulation in der Kabine ist sehr wertvoll”, sagte Nagelsmann. „Wenn Kevin zu Nordi Mukiele sagt, lauf' mal nach rechts, macht er das lieber als wenn ich das sage.”

Kevin Kampl: Als junger Spieler von Ballack, Vidal & Co. „zusammengeschissen”

Kampl füllt die Rolle mit viel Gespür für die Bedürfnisse der jungen Kollegen aus. Auch, weil er das in jungen Jahren selbst noch anders erlebt hat. „Ich versuche für die jungen Spieler da zu sein, die eine führende Hand gebrauchen können. Als ich in Leverkusen Profi geworden bin, hat mir das gefehlt, dass die älteren die jüngeren an die Hand nehmen.” Kampl habe deswegen damals gehemmt agiert. „Du hast dich auch nicht getraut, alles aus dir herauszulassen, weil du Angst hattest, den Ball zu verlieren. Damals waren große Spieler wie Michael Ballack und Arturo Vidal da, da wurdest du bei Fehlern zusammengeschissen. Das hat sich geändert.”

Kampl habe nicht mehr das Ziel, zu Barcelona oder Real zu wechseln, sondern Titel zu gewinnen. Seit dem Einzug von Bayer Leverkusen 2002 ins Finale der Königsklasse hat er die Vision, das auch zu schaffen. „Selber mal im Champions-League-Finale zu stehen, ist ein sehr großer Traum”, verriet der Spielmacher.

Die Studenten durften in den letzten 20 Minuten der anderthalbstündigen Veranstaltung auch Fragen stellen. Dabei ging es um Nachhaltigkeit, der Bedeutung von Frauenfußball, die Rolle von Investor Red Bull und Nachwuchsstrategie, was die Runde auflockerte. Etwas weniger Marketing-Inszenierung, dafür mehr wissenschaftliche Unabhängigkeit wären einer möglichen Neuauflage der sogenannten Gastvorlesung zuträglich. (RBlive)