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Von Ullrich Kroemer

Auszug aus neuem RB-Buch Wie es zum Bruch zwischen Zorniger und Rangnick kam

„Wir waren nicht immer zu einhundert Prozent einer Meinung. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass er mir etwas grundsätzlich nicht zutraut” Alexander Zorniger und Ralf Rangnick.

„Wir waren nicht immer zu einhundert Prozent einer Meinung. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass er mir etwas grundsätzlich nicht zutraut” Alexander Zorniger und Ralf Rangnick.

Im Buch „RB Leipzig – Der moderne Fußball” (Verlag Die Werkstatt), der Mitte März  umfassend erweitert und ergänzte erschienenen Neuauflage des Vorgängers „Aufstieg ohne Grenzen”, kommen unter anderem alle Trainer von RB Leipzig in Interviews und Porträts zu Wort.

Im Gespräch mit Buchautor Ullrich Kroemer, der auch als Autor für RBlive/Mitteldeutsche Zeitung tätig ist, berichtet Ex-Chefcoach Alexander Zorniger über seine außergewöhnliche Zeit bei Rasenballsport. Vor allem in Regionalliga und 3. Liga erlebte er den „perfekten Mix aus Zielgerichtetheit auf der einen und extremer Menschlichkeit auf der anderen Seite”.

Erstmals äußert er sich detailliert über die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Ralf Rangnick und die Gründe für den Disput, der 2015 zur Trennung führte. RBlive veröffentlicht das Gespräch in Auszügen.

Herr Zorniger, welchen Stellenwert hat die Karrierestation RB Leipzig für Sie?
Alexander Zorniger: Ganz klar: Wenn Ralf Rangnick mich damals nicht geholt hätte, wäre ich niemals Bundesliga-Trainer geworden. Obwohl (überlegt)... Vielleicht hätt’ ich’s trotzdem geschafft. In jedem Fall war es der Auslöser für den nächsten Karriere-Schritt, auch weil ich bei RB unglaublich viel gelernt und unheimlich viele Leute kennengelernt habe.

Ich könnte aus fast jedem Spiel die Startformationen aufzählen.
Alexander Zorniger

Was hat Sie am meisten geprägt?
Wie dieses Team zusammengewachsen ist, habe ich so im Profifußball kaum erlebt. Die Aufstiegsspiele in Lotte, der Pokalsieg gegen Chemnitz. Spieler wie Daniel Frahn, Tim Sebastian, Niklas Hoheneder, Fabio Coltorti, Diego Demme, Fabi Franke, Yussuf Poulsen, Christian Müller, Hendrik Ernst, Matze Morys, Dominik Kaiser oder Joshua Kimmich. Ich möchte da keinen ausnehmen. Zu vielen Spielern habe ich immer noch enge Kontakte, könnte aus fast jedem Spiel die Startformationen aufzählen. Das war genau das, was ich mir immer gewünscht habe: eine Truppe, mit der es bei einem Treffen in zehn Jahren nach fünf Minuten wieder so ist, als wären wir erst vor ein paar Tagen auseinandergegangen. Wir hatten damals einen perfekten Mix aus Zielgerichtetheit auf der einen und extremer Menschlichkeit auf der anderen Seite.

Sie sprechen immer wieder den menschlichen Umgang untereinander an. Eine Rarität im Profigeschäft?
Diese Menschlichkeit konnten wir uns damals noch erlauben. Ich weiß nicht, ob die im Profigeschäft irgendwann mal automatisch abbricht. Irgendwann ist die fußballerische Qualität so hoch, dass es auch ohne diesen extremen Teamgeist läuft.

„RB Leipzig – Der moderne Fußball” ist ein Mix aus Vereinschronik und thematischem Sachbuch über die Rolle von RB Leipzig als Prototyp des modernen Fußballklubs. Zur Wort kommen Trainer, Spieler, Funktionäre ebenso wie Fans und Kritiker.

„RB Leipzig – Der moderne Fußball” ist ein Mix aus Vereinschronik und thematischem Sachbuch über die Rolle von RB Leipzig als Prototyp des modernen Fußballklubs. Zur Wort kommen Trainer, Spieler, Funktionäre ebenso wie Fans und Kritiker.

Wie groß war die Hürde für Sie, die Mannschaft nach zwei misslungenen Spielzeiten in diesen Zustand zu versetzen?
Ich habe das im Nachhinein erst selbst richtig erfasst, was es auch für die Mannschaft bedeutet hat. Jedes Jahr wurde der Trainer geschmissen, die Vertrauenspersonen ausgewechselt. Als ich kam, war das Team ja schon eine Woche im Training, als Manager und Trainer wieder gewechselt wurden. Die Spieler dachten: Was ist denn jetzt schon wieder los?

Wie haben Sie es geschafft, das zu überwinden?
Es war die Bereitschaft der Spieler und die Dynamik des Staffs und des gesamten Vereins, in dem wirklich jeder jeden Morgen richtig Bock aufs Training hatte. Wenn ich auf die Geschäftsstelle gekommen bin, hatte ich das Gefühl, jeder zog an einem Strang. Sportlich sind wir mit unfassbar hoher Intensität eingestiegen, wodurch schnell sehr viele Dinge funktioniert haben und eine Leistungsatmosphäre akzeptiert wurde. Das war der ausschlaggebende Punkt. Was die Mannschaft da auch mental geleistet hat, nötigt mir höchsten Respekt ab. Wie schnell sich die Mannschaft darauf eingelassen hat, kann man gar nicht hoch genug anerkennen.

Zorniger über die Zusammenarbeit mit Rangnick: „War schwierig, das Vertrauensverhältnis weiter aufzubauen”

Wie war die Zusammenarbeit mit Rangnick?
Es ging Ralf immer um die Verbesserung der Mannschaft, des Spiels, die Entwicklung der Spieler und des gesamten Personals. Unser Austausch war stets auf Augenhöhe. Wir waren nicht immer zu einhundert Prozent einer Meinung. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass er mir etwas grundsätzlich nicht zutraut. Im Gegenteil: Er hat mir und dem ganzen Trainerstab immer total vertraut. Auch durch ihn herrschte vom ersten Trainingslager an unfassbare Energie im gesamten Team.

Was hat Sie schließlich entzweit? Ging es da auch um die Kompetenz-Hoheit?
Ralf hatte alles Recht der Welt, die Mannschaft so zu planen, wie er es für richtig hält. Weil er die Hauptperson in dem ganzen RB-Kosmos ist. Aber als er dann in der 2. Liga mehr in Leipzig war als in den Dritt- und Viertligajahren zuvor, kamen immer mehr Einflüsse von außen dazu. Dann war es schwierig, das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und mir weiter aufzubauen.

Es gibt Kernbereiche, bei denen nur der Trainer entscheidet. Niemand anderes.
Alexander Zorniger

Was war der Kern des Konfliktes?
Erstens der Faktor Geschwindigkeit der Entwicklung und zweitens das Personal. Aber auch, dass ich nun mal bin wie ich bin. Vor allen Entscheidungen hole ich mir das gesamte Wissen von allen Mitarbeiterin ab. Aber meine Entscheidungen sind immer nur von mir getroffen worden. Das habe ich Ralf auch immer gesagt. Es gibt Kernbereiche, bei denen nur der Trainer entscheidet. Niemand anderes.

Zum Beispiel?
Mannschaftsführung und Trainingsgestaltung sind meiner Ansicht nach ausschließlich Sache des Trainerteams und in der Entscheidung Sache des Cheftrainers. In Leipzig bin ich mit dieser Art und Weise bestätigt worden.

Zorniger: „Mir war Demut wichtig”

Welche Differenzen gab es in puncto Aufstiegsdruck?
Wir hatten vor der Saison abgesprochen: Wenn wir in einer Saison nicht unbedingt aufsteigen müssen, dann in diesem ersten Zweitligajahr. Es hieß: Lass uns gucken, was wir jetzt noch brauchen. Natürlich wollten wir immer Erfolg haben. Aber mir war Demut wichtig. Wir hatten Spieler, die Integrationsfiguren waren, denen man den Sprung in die 2. und 1. Liga nicht zugetraut hat. Aber geplant war, dass wir im Laufe des ersten Zweitligajahr schauen, bei wem es langt und bei wem nicht, und dann wollten wir Konsequenzen ziehen.

Welche Rolle spielte eigentlich die ominöse Pressekonferenz, auf der Ihr berühmter, ironisch gemeinter Satz fiel: „Ralf will aufsteigen, und ich net”?
Eigentlich gar keine so große. Ich habe mich danach mit Ralf in der Kabine getroffen, und er hat mir gesagt, dass er seinen Trainern immer vertraut hat und er auch mir vertraut. Aber er hat mir auch gesagt, dass wir aufpassen müssen, wie wir unsere Ambitionen kommunizieren. Dann folgte nach dem verlorenen Spiel in Aue allerdings sehr schnell der nächste Schritt.

War es mit dem Abstand von mehreren Jahren betrachtet letztlich die rechte Zeit, sich zu trennen?
Für mich war es der richtige Zeitpunkt, weil ich immer am Anschlag gearbeitet habe, und weil ich gerade am Anfang in der 3. und 4. Liga jeden Tag hundert Detail-Entscheidungen treffen musste, weil niemand anderes da war. Das kostet Kraft. Aber ich will das nicht bemängeln. Es war ein unglaublicher Vorteil, dass Ralf und ich Entscheidungen auf dem ganz kurzen Dienstweg treffen konnten.

Informationen zum Buch:
Seiten: 224
Format: 17,0 × 24,0 cm
Hardcover
ISBN 9783730704233
Erscheinung: 1. Auflage, März 2020Preis: 22 €

(RBlive/ukr)

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