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Von Ullrich Kroemer

Neuer Jahresabschluss So erzielte RB den Rekordumsatz

Goldgrube Lissabon: Klubboss Oliver Mintzlaff freut sich ĂŒber ungeplante Zusatzeinnahmen.

Goldgrube Lissabon: Klubboss Oliver Mintzlaff freut sich ĂŒber ungeplante Zusatzeinnahmen.

Durch die Erfolge in der Champions League holt RB Leipzig wirtschaftlich in großen Schritten zu den Konkurrenten FC Bayern und Borussia Dortmund auf. Wie aus dem gerade veröffentlichten GeschĂ€ftsbericht der Saison 2019/20 (Quelle: Bundesanzeiger) hervorgeht, hat RBL seinen Umsatz auf 320 Millionen Euro erhöht. Das sind etwa 50 Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Eine stattliche Entwicklung. Doch das hatte die DFL bereits kĂŒrzlich in ihrem Finanzreport veröffentlicht:

So setzt sich der Umsatz von RB Leipzig zusammen

Neu ist die konkrete Zusammensetzung des Rekordumsatzes. 257 Millionen Euro der Einnahmen bezog RB aus dem laufenden Spielbetrieb und durch TV-Gelder. Darunter dĂŒrften auch die Transfers von Bruma (PSV Eindhoven), Diego Demme (SSC Neapel), Matheus Cunha (Hertha BSC Berlin) und Stefan Ilsanker (Eintracht Frankfurt) fallen. 4,5 Millionen Euro wurden durch Handel generiert, also Merchandising etc.; und 58 Millionen Euro werden unter Sonstigem gefĂŒhrt. Damit sind zwar nicht ausschließlich, aber wohl insbesondere Sponsoringerlöse gemeint. Zumindest stellt die Zahl eine ungefĂ€hre GrĂ¶ĂŸenordnung dar, wie viel RB von Hauptsponsor Red Bull und den anderen Geldgebern bezog. Im GeschĂ€ftsjahr zuvor wurden unter der Rubrik noch 78 Millionen Euro gebucht. Offenbar musste Red Bull aufgrund der guten Einnahmesituation weniger in den Klub stecken.

Der Bilanzexperte Prof. Ludwig Hierl von der DHBW Heilbronn schĂ€tzt ein: „Wer sich fĂŒr die Champions League qualifiziert und dort erfolgreich agiert, kann dadurch unter anderem durch die Coronakrise fehlende Zuschauer-Einnahmen ĂŒberkompensieren.” Dabei sind die PrĂ€mien fĂŒr das Erreichen des Halbfinales der „Königsklasse” im August noch nicht einmal in der Bilanz enthalten, da diese nur bis zum 30. Juni 2020 datiert ist.

RB Leipzig muss halbe Million Dividende an Red Bull zahlen

AuffĂ€llig gestiegen sind die RĂŒckstellungen in Höhe von 25,6 Millionen Euro. Darunter sind Kosten wie etwa Boni und PrĂ€mienzahlungen verbucht, die etwa fĂŒr den Halbfinaleinzug in der Champions League fĂ€llig werden, die aber erst spĂ€ter ausgezahlt wurden. „HĂ€tte RB diese RĂŒckstellungen nicht mit im GeschĂ€ftsjahr 2019/20 verbucht, wĂ€re der Gewinn noch deutlich höher als 3,38 Millionen Euro ausgefallen”, sagt Experte Hierl.

Ein so hoher Gewinn ist vielleicht gar nicht unbedingt gewĂŒnscht, weil sonst auch eine deutlich höhere Dividende an Red Bull hĂ€tte gezahlt werden mĂŒssen. Als Gegenleistung fĂŒr die Umwandlung von 100 Millionen Euro Schulden in die KapitalrĂŒcklage im vergangenen GeschĂ€ftsjahr bezieht der Hauptgeldgeber nun eine jĂ€hrliche Dividende, die 2020 erstmals in Höhe von 583.000 Euro fĂ€llig wurde. Eine etwaige nochmalige Kapitalzufuhr aus Fuschl am See gab es nicht.

Und auch die Schulden von RBL bei Red Bull sanken im Vergleich zum Vorjahr um 18 Millionen von 86 auf 68 Millionen Euro. Der Gesamtschuldenstand erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr dennoch, weil die Verbindlichkeiten aus Transfers gegenĂŒber anderen Klubs von 19 Millionen auf 53 Millionen Euro anwuchsen. Insgesamt hat RB 164 Millionen Euro Schulden. Doch das ist Teil des GeschĂ€ftsmodelles, mit Krediten Spieler zu finanzieren und diese dann durch verkĂ€ufe wieder zu refinanzieren.

RBL zahlt weniger Stadionmiete

Was die Bilanz sonst noch verrĂ€t: Der Mietvertrag zwischen der RBL GmbH und der Red Bull Arena Besitzgesellschaft wurde wohl coronabedingt von rund neun Millionen Euro auf 6,75 Millionen angepasst. Und die Maximalhöhe an Bonuszahlungen gegenĂŒber Spielerberatern und Klubs, die zusĂ€tzlich fĂ€llig werden, wenn bestimmte Bedingungen eintreten, betrĂ€gt stolze 65 Millionen Euro. Neben HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Oliver Mintzlaff zeichnete erstmals auch Finanz-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Florian Hopp fĂŒr den Jahresabschluss verantwortlich. Im GeschĂ€ftszeitraum beschĂ€ftigte RB durchschnittlich 403 Mitarbeiter, die insgesamt 140 Millionen Euro Gehalt kassierten (20 Millionen mehr als 2018/19).

Trotz der Coronaeinbußen von etwa 30 Millionen Euro pro GeschĂ€ftsjahr, wie Mintzlaff ankĂŒndigte, dĂŒrfte RB auch im kommenden Jahr kaum Umsatzverluste haben. Denn dann werden der Transfer von Timo Werner sowie die zusĂ€tzlichen Millionen fĂŒr das Halbfinale in Lissabon verbucht. Der „sehr positive finanzielle Entwicklungspfad” von Rasenballsport setze sich vorerst weiter fort, schĂ€tzt Hierl ein. (RBlive/ukr)