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Von Martin Henkel, Ullrich Kroemer

Pro & Contra zur Freigabe von Nagelsmann Rationale Entscheidung vs. Rückschritt im Titelkampf

Kroemer vs. Henkel: Pro & Contra

Kroemer vs. Henkel: Pro & Contra

Mit der gerade verkündeten Entscheidung, Julian Nagelsmann zum ärgsten Konkurrenzen Bayern München ziehen zu lassen, hat RB Leipzig eine strategische Entscheidung mit Tragweite getroffen. Die Frage ist nur, ob Rasenballsport richtig oder falsch abgebogen ist? Ein Pro & Contra:

Pro von Ullrich Kroemer

Zu Oliver Mintzlaffs liebsten Formulierungen gehört die Phrase, dass RB bei Verhandlungen entweder im drivers seat sitze oder eben nur auf der Beifahrerseite. Bei Trainer Julian Nagelsmann saß RB Leipzigs Klubboss vorne links und hätte – den Fuß fest auf dem Gaspedal – unbeirrt geradeaus fahren, also Nagelsmann auf Grundlage seines Kontrakts ohne Ausstiegsoption auf Gedeih und Verderb in Leipzig halten und den Bayern die Stirn bieten können. Viele sagen: müssen.

Doch hätte das wirklich Sinn ergeben? Die RB-Klubführung hätte einen wechselwilligen, im schlechtesten Falle unzufriedenen Trainer gehabt, der eigentlich lieber beim ärgsten Konkurrenten arbeiten würde, sich mit dem FC Bayern angelegt und weitere Spekulationen und Unruhe ins Haus geholt sowie auf deutlich über 20 Millionen Euro (inklusive Boni) verzichtet. Bei zusätzlichen Einnahmen in dieser Größenordnung, die in keinem Bilanzszenario vorgesehen waren, ist auch Investor Dietrich Mateschitz eingebunden. Gut möglich, dass auch er den Daumen für die Freigabe gehoben hat.

Neue Erzählung statt riskantes Überholmanöver mit ungewissem Ausgang

Denn RB benötigt angesichts der gewaltigen Ausgaben für Stadionumbau und Kader auch Einnahmen, die in dieser Saison eingefahren werden müssen: Etwa 65 Millionen für Upamecano und Nagelsmann von den Bayern, eventuell rund 35 für Konaté plus 40 für Marcel Sabitzer und weitere Einnahmen etwa für Marcel Halstenberg helfen, Schulden bei Red Bull abzutragen, das Financial Fairplay einzuhalten und weiter in den Kader zu investieren.

So ist es rational durchaus nachvollziehbar, dass die Leipziger dem Drängen Nagelsmanns und der Münchner nachgegeben haben. Auch, weil unter Nagelsmann alles außer die Meisterschaft als Niederlage gewertet worden wäre. Das war bereits in dieser Saison so, die Stimmung im RB-Umfeld ist gerade nicht viel besser als bei einem Abstiegskandidaten. Stattdessen will RB mit einem frischen Kader und neuen Trainer wieder zurück zur bewährten Erzählung vom „angriffslustigen” Klub (O-Ton Mintzlaff), dem es als Erfolg ausgelegt wird, die Bayern zu ärgern und nicht als Niederlage, „nur” Zweiter zu werden. Die Entscheidung, Nagelsmann gehen zu lassen, bedeutet freilich auch, dass Mintzlaff im drivers seat dem Boliden Bayern im Meisterschaftsrennen den Vortritt lässt, anstatt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein riskantes Überholmanöver mit ungewissem Ausgang zu starten.  

Contra von Martin Henkel:

Sich zu entwickeln, ist bei RB Leipzig das Mantra der vergangenen Jahre gewesen. Zielgerichtet, Schritt für Schritt – und weil man sich immer irgendwohin entwickelt, wo man nicht schon war, lief dieser Prozess zwangsläufig auf einen Titel hinaus. Pokal, Meisterschaft, um die beiden zu nennen, die nicht so verwegen klingen wie Champions League oder Weltherrschaft.

Der Pokal ist weiter in Reichweite, Julian Nagelsmann ist ja noch Trainer am Cottaweg. Beim Thema Meisterschaft aber wird es knifflig, denn mit dem Abgang des 33-Jährigen schwächen die Macher bei RB nicht nur die eigenen Ambitionen, sondern stärken auch noch den ärgsten Konkurrenten FC Bayern, weil sie ihm den hierzulande besten Trainer überreichen.

Nun ist es kein Naturgesetz, dass man ständig wachsen, sich entfalten, reifen, besser werden muss. Man kann auch mal ein Päuschen einlegen. Das ist nicht die schlechteste hygienische Maßnahme, um Entwicklungserfolge zu vertiefen; kennt man aus der Pädagogik.

Mitten in einem Schritt aber abzubrechen, ist eine seltsame Maßnahme – und birgt eher die Gefahr, dass es dabei nicht bleiben wird. Rückschritte sind immer auch die Folge von aufgegebenen Zielen.

Nicht die Kaufleute sollten bei RB Leipzig entscheiden

Nagelsmann vor zwei Jahren zu verpflichten, erfolgte, um den „nächsten Schritt“ zu gehen. Und der lief in dieser Saison darauf hinaus, den Bayern endlich Paroli zu bieten. Hat bekanntlich nicht geklappt, doch die jüngste Auseinandersetzung, das 0:1 vor vier Wochen, zeigte erstmals, dass RB unter Nagelsmann mit dem Klubweltmeister auf Augenhöhe spielen kann. Noch ein weiteres Entwicklungsjahr unter dem 33-Jährigen, und die Chancen auf die Meisterschaft wären exzellent gewesen.

Vorbei. Egal, wen RB als Nachfolger verpflichtet, wieder wird und muss der Klub Anlauf nehmen, um sich an die Bayern heranzuentwickeln. Nicht nur, weil auch die Spieler erstmal verdauen müssen, dass ihr Arbeitgeber den Mentor ohne Zwang hat zum Branchenkrösus ziehen lassen. Sondern, weil niemand auf dem Markt ist, der Nagelsmann das Wasser reichen kann. Ob den ganzen Vorgang die schätzungsweise 23 Millionen Mehreinnahmen zum Stopfen des Pandemie-Kassenlochs rechtfertigen, sollten im besten Fall nicht die Kaufleute im Klub beantworten.

(RBlive/ukr/mhe)