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Psychiater über Timo Werner: Schneller Erfolg kann zu Erschöpfung führen

Karl-Jürgen Bär hat erklärt, dass Erfolge bei Hochleistungssportlern wie Timo Werner zu einem Zustand der Erschöpfung führen können.

Erfolg als Auslöser für Erschöpfung bei Timo Werner?

Angesprochen auf die bei Timo Werner von Ralph Hasenhüttl kürzlich wahrgenommene „mentale Extrembelastung“ erklärt der kommissarischer Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Jena im Spiegel: „Junge Athleten neigen dazu, durch schnelle Erfolge und öffentliche Aufmerksamkeit die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit zu verleugnen. Dadurch können sie unbemerkt in gefährliche Zustände der Erschöpfung geraten.“

Dabei geht Karl-Jürgen Bär davon aus, dass es so etwas wie „positiven Stress“, den RB bei Timo Werner ausgemacht hatte, nicht gibt. Entsprechend sei es „immer von seiner psychischen Verfassung und Lebenssituation abhängig, wie stressig ein Spieler Erfolge oder Niederlagen empfindet.“

Hochleistungssportler mit erhöhtem Risiko für seelische Erkrankungen

„Erfolgreiche Sportler setzen sich häufig selbst unter Druck“, erklärt Bär weiter. Um erfolgreich zu sein, gehen sie auch an ihre psychischen Grenzen. Daraus resultiert ein höheres Risiko für seelische Erkrankungen und Sportler können sich „zunehmend lustlos, erschöpft und ausgebrannt fühlen. Wer diese Signale nicht ernst nimmt, bei dem kann sich eine behandlungsbedürftige Depression entwickeln.“

Die psychische Verfassung könne derweil natürlich auf die sportliche Leistungsfähigkeit abstrahlen. Timo Werner hatte zuletzt im Pokalspiel bei den Bayern einen Elfmeter verschossen. „Die psychische Verfassung hat immer einen Einfluss darauf, wie Athleten mit Stresssituationen umgehen“, erklärt Bär grundsätzlich dazu.

Timo Werner nach Fehlschuss gegen die Bayern unterstützen

Es komme nach solchen Situationen darauf an, den entsprechenden Sportlern zu helfen, „eine solche Situation in Relation zu setzen, ihm bewusst machen, dass ein verschossener Elfer kein Weltuntergang ist. Dass er trotzdem ein guter Spieler ist und dass ein Elfmeterschießen nur einen kleinen Teil seiner Qualitäten ausmacht.“

Karl-Jürgen Bär arbeitet in Jena in einer sportpsychiatrischen Sprechstunde mit Athleten aus verschiedenen Sportarten. „Insgesamt hat die Zahl meiner Patienten zugenommen. Der Großteil leidet an einer Depression oder einer Angststörung. Nicht selten sind die Athleten abhängig von Alkohol oder Medikamenten.“

Profiklubs brauchen laut Karl-Jürgen Bär Sportpsychiater

Darunter sei auch ein Zweitligakapitän aus dem Fußball mit Versagensangst und Depression gewesen. Die meisten Sportler, die Bär aufsuchen, nehmen die Dienste allerdings anonym in Anspruch.

Auch wenn immer mehr Profivereine mit Sportpsychologen zusammenarbeiten, sei die Situation nicht optimal. „Sportpsychologen haben in der Regel keine therapeutische Ausbildung. Sie werden von den Vereinen hauptsächlich zur Leistungsoptimierung eingestellt“, so Karl-Jürgen Bär. „Zur Verbesserung der psychischen Gesundheit brauchte es mehr beratende Sportpsychiater.“ So etwas gäbe es im Profifußball aber gar nicht.


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