Q&A zum Trainer-Chaos bei RB Alle Fakten und Hintergründe zum bevorstehenden Aus von Werner
Am Freitag überschlugen sich die Ereignisse rund um Ole Werners Zukunft bei RB Leipzig. Die Lage ist unübersichtlich. RBlive erklärt die Faktenlage und beleuchtet Hintergründe.

Leipzig – Während Ole Werner als Backpacker in Malaysia unterwegs ist, tobt bei RB Leipzig und Red Bull ein Machtkampf um den Trainerposten. Die Lage ist unübersichtlich. Wir sortieren die derzeit bekannten Fakten und erklären Hintergründe.
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1. Ist schon entschieden, dass Ole Werner als Trainer von RB Leipzig vorzeitig entlassen wird?
Rein formal (noch) nicht. Wohl am Donnerstag finden nach Werners Rückkehr aus Malaysia Gespräche zwischen dem Coach und RB-Sportchef Marcel Schäfer statt. Doch die sogenannte Saisonanalyse ist nicht ergebnisoffen, sondern endet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Erkenntnis, dass Werner von seinen Aufgaben entbunden wird. Nach der aktuellen Berichterstattung samt durchgestochenen Informationen an die Presse wäre es auch überhaupt nicht mehr vermittelbar, mit Werner in die neue Saison zu gehen.
Der Entwicklungsklub RB gesteht Trainer Werner keine Entwicklung zu
2. Was werfen die Entscheider Werner vor? Er hat doch die Champions League erreicht!
De facto hat Werner sehr viel mehr richtig als falsch gemacht. Er hat nicht nur das neue, offensive Spielprinzip im 4-3-3-System überzeugend angeleitet und aus einer guten Ballbesitzstruktur heraus häufig attraktiven Fußball spielen lassen, sondern auch den immensen Umbruch mit Abgängen wie Lois Openda, Benjamin Sesko, Xavi Simons und übrigens auch dem in der Kabine wichtigen Yussuf Poulsen moderiert und RB herausragend aus der Krise manövriert.
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Doch das Global-Soccer-Team stört offenbar, dass Werners Team trotz ausreichend Trainingszeit zu wenig klar und konsequent im Pressingspiel ist, zu wenig Dominanz inklusive Zitterpartien gegen schwächere Gegner zeigte und zu wenig Punkte gegen die Topklubs geholt hat. Auch als Trumpf bei Transfers taugt der wenig charismatische Werner nicht, doch dafür gibt es schließlich andere wie Jürgen Klopp. Zudem soll Werner zu wenig auf die Ratschläge von Klopps & Co. gehört haben, doch will man etwa keinen eigenständigen, mündigen Trainer, der Ratschläge zwar hört, aber letztlich seine eigenen Entscheidungen trifft?
Letztlich gewährt man Werner nicht den Entwicklungsspielraum zu beweisen, dass er genau wie die Mannschaft mit seinen Aufgaben wachsen kann. Was man ihm jetzt vorwirft, war vor einem Jahr bei der Verpflichtung bereits klar. Man wollte Werner und hat Werner gekriegt. Dass das nun nicht mehr genügt, zeigt die Denke der Chefs. Red Bull der Sinn ausschließlich nach rasantem Erfolg, und den trauen die Bosse in der Champions League einem Ex-Profi wie Martin Demichelis offenbar eher zu als Werner. Dabei hat der 45-Jährige deutlich weniger Erfahrung auf diesem Level.
Schäfer trägt wohl Entscheidung mit
3. Ist bereits klar, dass Martin Demichelis neuer Trainer von RB Leipzig wird?
Nein, noch gibt es keine Einigkeit zwischen dem früheren Bayern-Verteidiger und den Leipzigern, dass dieser neuer Trainer werden soll, aber es besteht sehr wohl Kontakt. Eine konkrete Anfrage an Demichelis' Klub RCD Mallorca soll laut RBlive-Infos noch nicht stattgefunden haben. Doch die Spur führt eindeutig zu Demichelis. Es ist sehr wahrscheinlich, dass RB Leipzig den Argentinier für etwa drei Millionen Euro Ablöse aus seinem Kontrakt herauslöst und verpflichtet, wenn Werner die Trennung mitgeteilt wurde.
4. Wird Marcel Schäfer die Entscheidung mittragen?
Laut RBlive-Informationen ja. Zwar plädierte Schäfer im Saisonverlauf bereits zwei Mal pro Werner und setzte sich mit seiner Meinung durch. Nun aber schufen Klopp & Co. Fakten, sodass Schäfer sich wohl fügen muss. Laut RBlive-Informationen wird er dies auch tun und wunschgemäß Gespräche mit Werner führen und dann auch Demichelis verpflichten. Aktuell deutet nichts darauf hin, dass auch Schäfer seinen Dienst quittieren muss oder die Brocken selbst hinschmeißt, weil er überstimmt wurde.
Ähnliche Beispiele sind Rose und Nagelsmann
5. Wie ist der Vorgang insgesamt einzuordnen?
Dass ein Trainer die Champions League erreicht und die Klubziele, international zu spielen, sogar übererfüllt, fachlich/inhaltlich ebenso wie menschlich überzeugt und dann vor Vertragsende vor die Tür gesetzt wird, ist zwar kein einmaliger, aber immerhin ein höchst seltener und seltsamer Vorgang in der Bundesliga. Ein zumindest ähnliches Vorgehen gab es bereits im Sommer 2022, als Marco Rose in Dortmund wegen unüberbrückbarer Differenzen mit der Klubführung als Vize-Meister aufhören musste. Ähnlich gelagert ist auch der Fall Nagelsmann, der bei Bayern München abgesägt wurde, als er gerade im Skiurlaub war, obwohl sein Klub im Viertelfinale der Champions League stand.
Dass Werner nun ebenfalls im Urlaub mit durchgestochenen Infos erst demontiert und dann bereits vor der Saisonanalyse einen designierten Nachfolger vorgesetzt bekommt, ist selten stillos und wirft ein äußerst schlechtes Licht auf das Gesamtkonstrukt des Red-Bull-Fußballs.