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Ralf Rangnick: Die Geschichte eines nie erschienenen Interviews

Für Aufsehen hatte kürzlich der Playboy gesorgt, als er mitteilte, in seiner Februar-Ausgabe ein Interview mit Ralf Rangnick nicht abdrucken zu wollen. Man begründete das Vorgehen damit, dass bei der Autorisierung des Interviews zu viel umgeschrieben und die interessantesten Passagen gestrichen wurden.

Agentur schreibt Interview mit Ralf Rangnick um

Es ist üblich bei der Arbeit zwischen Journalisten und Vereinen, dass Interviews von den Pressestellen noch einmal gegengelesen und gegebenenfalls strittige Passagen korrigiert werden.

Im Fall des Rangnick-Interviews habe aber RB Leipzig mit der Sache nichts zu tun gehabt, wie der Verein direkt nach der Playboy-Meldung mitteilte. Die Autorisierung sei ausschließlich über Rangnicks private Agentur gelaufen.

RB Leipzig droht mit juristischen Mitteln

Diese Aussage untermauert man auch mit Einsatz juristischer Hilfe, wie Thilo Komma-Pöllath im Medienmagazin „journalist“ (Print) beschreibt. Komma-Pöllath führte das Interview mit Rangnick und gibt Einblick in die Geschichte des nie abgedruckten Interviews.

„Sollten Sie entgegen dieser Sachlage [dass RB zu keinem Zeitpunkt in die Autorisierung eingebunden war] Gegenteiliges behaupten, werden wir eigenständig presserechtliche Schritte einleiten“, heißt es demnach in einer Antwort von Anwalt Christian Schertz auf eine Anfrage an RB Leipzig.

Interview mit Ralf Rangnick wird zu einem Fünftel gekürzt

Rund 3.000 von insgesamt 15.500 Zeichen seien bei der Autorisierung durch die Rangnick-Agentur beim fertigen Interview-Manuskript zum Opfer gefallen. Rund die Hälfte des Interviews wurde schließlich verändert. Auf vier Seiten zeigt der „journalist“ bei welchen Fragen gestrichen und umgeschrieben wurde.

Rangnick-Interview als Teil einer Image-Kampagne

Das Interview war auf Initiative von Rangnicks Agentur eingefädelt worden, um am Image des Sportdirektors zu arbeiten. Es sollte, so die Idee der Agentur, den „Bau- und Erfolgsmeister Rangnick“ und „seine wahnsinnige und in Deutschland einmalige Erfolgsgeschichte“ darstellen und „in die Tiefe“ gehen.

Von den 97 Minuten Gespräch blieb nach der Bearbeitung der Agentur aus Sicht von Thilo Komma-Pöllath nicht mehr viel übrig. „Die redigierte Fassung hat mit dem eigentlich Gesagten kaum noch etwas zu tun.“

Es sei allerdings kein alleiniges Rangnick-, sondern ein generelles Fußballproblem, dass interessante Interviews an „übervorsichtigen Spielern und Akteuren“ und „systemkonformen Journalistenfreunden“ scheitern. „In anderen gesellschaftlichen Bereichen, etwa der Politik, würde man zu einer solchen Verlautbarungssystematik ‚Hofberichterstattung‘ sagen.“

Ralf Rangnick erscheint als Pressesprecher und lehnt Bayern-Job ab

Gestrichen wurden laut Komma-Pöllath Passagen mit „Fundamentalkritik an Bayern München“, humorvolle Passagen in persönlicher Sprache oder auch eine komplette Antwort zu Dietmar Hopp. „Überall dort, wo er pointiert Stellung bezieht, werden Allgemeinplätze eingewechselt.“ Nichts mehr erinnere danach „an einen innovativen Bundesliga-Düsentrieb“ Ralf Rangnick, „sondern an einen Pressesprecher in eigener Sache, der jegliches echtes Leben aus den Zeilen herausgefiltert hat“.

Die nicht veröffentlichte, autorisierte Fassung des Interviews dreht sich um die Philosophie bei RB Leipzig, um Geld, Taktik, Talente, Dietmar Hopp und Dietrich Mateschitz und Titelambitionen. Nicht herausgestrichen aus dem Interview wurde hingegen die Andeutung, dass Ralf Rangnick zu seiner Leipziger Zeit mal ein Angebot von den Bayern hatte. Aber „es gab zu diesem Zeitpunkt keinen Grund für mich darüber nachzudenken, ob ich von hier weggehe“, weil „ich einen der geilsten Jobs der Bundesliga habe“, erklärt Rangnick dazu.