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Ralf Rangnick sieht sich „links von der Mitte“ – RB Leipzig mit Vorbildfunktion

Ralf Rangnick sitzt am liebsten links von der Mitte. (Foto: imago)

Ralf Rangnick sitzt am liebsten links von der Mitte. (Foto: imago)

Ralf Rangnick hat sich umfangreich zu seiner gesellschaftlichen Positionierung geäußert. „Ich persönlich stehe wegen meiner Herkunft und Erziehung eher links von der Mitte“, erklärt der Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig im Interview mit der Thüringer Allgemeinen. Aufgrund der deutschen Geschichte müsse man „auf dem rechten Auge wachsamer sein und bleiben als auf dem linken“.

Weil seine Eltern im zweiten Weltkrieg Flüchtlinge waren, sei er „sehr sozial erzogen“ worden, erklärt Ralf Rangnick weiter. „Dadurch empfinde ich es als gerecht, wenn Besserverdienende in einer Demokratie auch höhere Steuern bezahlen als andere.“ Geld allein mache niemanden zu einem besseren Menschen.

RB Leipzig mit sozialer Vorbildfunktion

Der Fußball mit seinen steigenden Gehältern sei „ein Spiegelbild der Gesellschaft“, wenn es um das Auseinanderklaffen von reich und arm geht. Entsprechend habe der Verein und seine Spieler auch eine „Vorbildfunktion“ in Bezug auf soziales Handeln.

„Wir besuchen unter anderem regelmäßig eine Kinderkrebsklinik, engagieren uns sozial – das allerdings eher still und leise. Ich habe auch eine Stiftung mit dem Ziel gegründet, damit Leipziger Grundschulkinder eine bestmögliche Ausbildung erhalten. Ich denke, dass wir innerhalb der Bundesliga eine Mannschaft haben, die völlig normal in der Stadt lebt. Sollte tatsächlich mal jemand seiner Vorbildfunktion nicht gerecht werden, dann sind wir dazu da, gegenzusteuern“, verdeutlicht Rangnick seinen Standpunkt in Bezug auf das Engagement seines Vereins.

Auch in Bezug auf die Flüchtlingspolitik in Deutschland gibt er sich geprägt von seiner Familie. „Die meisten der jetzigen Flüchtlinge sind aus ihrem Land geflohen, weil es dort eine absolute Notsituation gab. Dass sie aufgenommen werden müssen, erst recht von Ländern, denen es wie Deutschland wirtschaftlich gut geht, ist für mich selbstverständlich.“ Eine Willkommenskultur sei „gut und sinnvoll“.

Vereine und Einzelpersonen sollten für Grundwerte einstehen und Position beziehen

Sinnvoll sei auch politisches Engagement im Fußball. „Wir sollten als Einzelpersonen durchaus Position beziehen. Und wir als Verein stehen natürlich für die Grundwerte dieser Gesellschaft ein – Respekt, Toleranz, Offenheit und Vielfalt“, so Ralf Rangnick.

In der Vergangenheit hatte der RB-Macher für seine gesellschaftspolitischen Positionierungen auch Kritik geerntet. „Der Fußball kann grundsätzlich viel zusammenbringen, auch Themen einen, die sonst schwierig zu vereinen sind. Dazu muss Fußball aber versuchen, sich aus politischen Positionen herauszuhalten“, hatte Rangnick im September letzten Jahres erklärt.

Ein Vertreter der Rasenballisten hatte die Aussagen daraufhin als „ganz, ganz schwach“ bezeichnet. „Es ist auch bei uns im Stadion nicht selbstverständlich, dass es einen antidiskriminierenden und antirassistischen Konsens gibt.” Auch mit gewaltbereitem Klientel vom rechten Rand gebe es bei RB Leipzig zunehmend Probleme.

Ralf Rangnick: Bis zu zehn Punkte durch Europa-League-Rotation gesichert

Sportlich erneuerte Ralf Rangnick in der Thüringer Allgemeinen das Ziel Champions League. „Wenn wir am Ende der Saison dort landen, wo wir jetzt stehen, wären wir sehr zufrieden“, so der 60-Jährige. Dauerhaft mit Bayern und Dortmund mitzuhalten, sei aufgrund der finanziellen Unterschiede „schwierig“.

Zudem verteidigte Rangnick erneut das Vorgehen in der Europa League. „Ich musste in diesem Wettbewerb rotieren, sonst hätten wir jetzt acht bis zehn Punkte weniger in der Liga“, rechnet der RB-Trainer vor. Man sei allerdings „trotzdem extrem enttäuscht über das Ausscheiden“ gewesen. RB Leipzig hatte Mitte Dezember durch ein 1:1 gegen Trondheim den Einzug in die K.o.-Runde der Europa League verspielt.

(RBlive/ mki)